Durch Pfützen springen (verfasst am 13.7.2014)

Neulich führte mein Heimweg an zwei älteren Damen vorbei, die sich gerade sehr angeregt am Straßenrand miteinander unterhielten.
Als ich in etwa auf deren Höhe anlangte, kreiste der begeisterte Wortaustausch um längst vergangene Kindheitstage.

Ach damals sind wir nach dem Regen immer durch die warmen Pfützen gesprungen. Das war schön! Die andere Frau nickte eifrig und zustimmend. Im Kopf verfolgte sie wohl selbigen Normal-8-Filmstreifen von in Wasserlachen tanzenden Kindern, dass das Wasser nur so zu allen Seiten spritzte.
Heutzutage macht das keiner mehr.In den Worten schwang etwas Enttäuschung mit und ebenso ein gewisser pikierter Unterton, als ob sich die Menschheit in diesem Jahrtausend dafür schlichtweg zu schade wäre. Verpämpelte Weicheier, um es etwas drastischer auszudrücken.

Just in dem Moment entsann ich mich aber an den Vortag. Der Himmel hatte einmal wieder schauerartig seine Schleusen geöffnet. Mehr oder weniger erfolgreich fand ich aber einen Zeitrahmen, in dem ich nicht komplett durchnässt werdend nach Hause radeln konnte.
Dabei fuhr ich über mehrere, in sämtlichen Regenbogenfarben schimmernde, polymorphe Flecken am Fahrbahnrand hinweg, immer darauf bedacht, nicht auf einem solchen famosen Farbenspiel die Haftung zu verlieren, denn ein Ausweichen war aufgrund der Ausdehnung nicht möglich gewesen und nach innigem Kontakt mit Automobilen stand mir eben nicht der Sinn.

Man stelle sich nun vor, wie sich dieses kolorierte Schauspiel langsam mit den so angenehm warmen Tropfen aus dem Himmelszelt vereint, sich zunächst zu kleinen und später zu immer größer anschwellenden Rinnsalen wandelt, um schließlich in einer jener Wasseransammlungen zu münden, die der Volksmund gemeinhin als Pfütze bezeichnet.
Ja, schön lauwarm mag es darin sein. Da stellt man doch gerne seine von der Körpermitte am weitesten entfernten Gliedmaßenenden hinein.

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