Ghettosprech…’s haut mich wech! (verfasst am 16.7.2014)

Kurzzeitig meinte ich, die Zeitung mit Bestimmtheit in die Ecke zu verbannen, als ich kürzlich einen Artikel über die neue Sprachgeneration lesen musste. Gut, es hat mich niemand gezwungen, mir die Zeilen in voller Länge geben zu müssen, aber wie es so ist: Der Voyeurismus hat gesiegt.

Schließlich gab es ein bisschen Leichenfledderei an Auswüchsen der deutschen Sprache zu bestaunen. Außerdem konnte ich mich schließlich bisher auch nicht dem öffentlichen Leben um mich herum in Gänze entziehen, weshalb das Phänomen in akustischer Form von vornherein nicht ganz unbekannt war.

Anglizismen gehören mehr oder minder schon zum Sprachbild dazu. Nicht immer schön, aber das deutsche Übersetzungspendant ist es manchmal auch nicht wirklich oder klingt viel zu sperrig für unsere neue, schnelllebige, hippe (ich meine nicht das Gebäckstück) Welt.

Aber was hier als selbstverständlicher Lauf der Sprachentwicklung abgetan wurde, das trieb mir während des Lesens hin und wieder fast die Tränen in die Augen. Mit Sicherheit keine des Lachens. Man muss nicht wie Goethe und Schiller palavern und auch regional gibt und gab es seit jeher ulkige Satzumformungen und Wortneuschöpfungen, aber ein bisschen mehr Feingefühl sollte man für unser wertvolles Kulturgut doch aufbringen können, auch wenn man gerade mitten in einer hormonell übersteuerten Lebensphase- sprich Pubertät- steckt.

Eine meiner Meinung nach sehr gewagte und – wen wundert es- sehr provokante These wurde schon gleich zu Beginn im noch halbfett gedruckten Teil des gelesenen Artikels in beide zerebralen Hemisphären des Lesers gefeuert: Forscher vermuten, dass wir bald alle so reden würden. Alle. Alle? Bewahre! Und wenn ich und ein paar letzte Mohikaner das zurückbleibende Bollwerk für die halbwegs gepflegte deutsche Sprache sein werden, ich verbitte mir so eine verallgemeinernde Schwarzmalerei.

Manche Sprachwissenschaftler würden sogar diese Fortentwicklung zum sogenannten Kiezdeutsch begrüßen.
Auf der einen Seite mag es ökonomischer sein, ein paar Wörter einfach wegzulassen und die verbleibende Energie fürs juvenile Wachstum zu nutzen, auch wenn Grammatik, Ausdruck und normaler Satzbau dabei flöten gehen. Aber kann man nach dieser Verstümmelung und Verhackstückelung von Gesagtem die getroffene Aussage auch immer zweifelsfrei herausfiltern? Erschwerend kommen auch noch Sprachtönungen und Nuscheleien hinzu. Kein Wunder, dass es hin und wieder zu Missverständnissen kommt.
Komischer Weise verstehen sich aber die Jugendlichen zum Großteil doch irgendwie, wenn sie sich in meinem (unfreiwilligen) Beisein lässig über diverse Regeln der Grammatik hinwegsetzen und sonderbar erscheinende Wortkreationen durch den Raum werfen.

Ich bin guter Hoffnung, dass diese Phase so schnelllebig ist, wie der Rest des modernen Weltgeschehens. Ich möchte nur nicht wissen, was danach droht. Aber anscheinend wachsen sich diese Abschweifungen auch bisher mit dem Alter ein wenig heraus. Voll Glück, Alder!

P.S.: Kann man „Ey, Alder…“ mindestens dreimal in einem Satz vorkommen lassen? Ja…geht leider auch. Fragt nicht, was die Quintessenz dabei gewesen ist, ich erinnere mich nur an die Mehrfachnennung von „Ey, Alder….“ in allen Farben und Formen.

Also nicht vergessen, Bus zu gehen und immer schön die Oma winken! Und ja nicht rote Ampel machen…gibs Aua.


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