Da hält sich ja eh keiner dran… (3.8.2014)

Zunächst eine Frage: Wie ignorant kann man eigentlich sein? Oder anders gefragt: Wie sinnbefreit ist es eigentlich, sich bewusst über eine soeben selbst erlangte Erkenntnis nach besten Wissen und (fehlendem) Gewissen hinwegsetzen zu können?

Zeugt es nicht von Intelligenz, wenn man geschriebenes Wort nicht nur fehlerfrei lesen, sondern auch in den Hirnwindungen produktiv umsetzen kann? Ein Garant ist Ersteres für Letztes scheinbar nicht, wie mir zwei junge Damen eindrucksvoll vorführten.

Der Gegenstand, um den sich meine aufgeworfenen Fragen drehen, ist folgender: Wir befinden uns im öffentlichen Raum, genauergesagt in einem Fahrgastunterstand (Wartehäuschen) der Straßenbahn. Seit langer Zeit kann man im Kasten der Aushänge auch eine nichtraucherfreundliche Bittschrift lesen, welche sich die Verkehrsbetriebe ausgedacht hatte. Es wurden sogar eigens kreierte Videos produziert.

Der Satz soll auf mehr Rücksicht hinweisen. Es kann nicht sein, dass sich Nichtraucher zum Schutz vor dem kalten Passiv-Rauch bei Regen nach draußen verkrümeln müssen, nur weil Raucher sich über die einfachste Anstandsregel renitent hinwegsetzen. Meistens scheinen sie auch einen besonderen Riecher für die Windrichtung zu haben und postieren sich natürlich ganz genau so, dass auch jeder etwas davon inhalieren kann, was er da aus seiner Lunge wieder ausstößt. Und richtig nett wird es, wenn aktiv in die Richtung anderen Wartender ausgeatmet wird, nur um nicht selbst in der Wolke zu stehen.

Man kann an der „frischen Luft“ niemandem das Rauchen verbieten, aber an solchen Orten, wo Raucher und Nichtraucher (allen voran auch Kinder und Kleinstkinder) auf engstem Raum zusammenrücken müssen (analog für Gaststätten anwendbar), kann man doch erwarten, dass die Fluppe aus bleibt oder zumindest außerhalb des Wartebereiches dem Laster gefrönt wird, für das andere nun einmal nicht mit herhalten müssen. Und das gilt nicht nur bei Regen. Zivilisiert geht jedenfalls anders!

Rauchen ist nicht lebensnotwendig. Weshalb sollen sich Menschen an allen Orten das Recht nehmen können, andere damit aktiv belästigen zu können? Und, liebe Raucher, weint jetzt bitte nicht, dass es schon an sooo vielen Orten verboten wird. Die Verbote sind nur logische Konsequenz und müssten noch auf ein paar andere sensible öffentliche Bereiche ausgedehnt werden. Und wer jetzt das Todschlagargument der Tabaksteuer hervorkramt…lasst es einfach. Ihr habt noch genug Freiheiten, um fröhlich qualmen zu können. Im Wald zum Beispiel ist es auch nicht schön, wenn noch der Rauch des Vorausgehenden in der Luft liegt. Aber hier kann man es (bis auf Zeiten gesteigerter Waldbrandgefahr…normalerweise) nicht untersagen, nur dulden.

Man merkt schon: Ich verachte jene Raucher, die ihre zweifelhafte und zwanghafte Leidenschaft anderen aufdrängen müssen. Mein Motto lautet eigentlich immer: Wer mich (und andere) nicht stört, der kann machen was er will (so er dabei im rechtskonformen Einzugsbereich bleibt).

Doch was nützt die Bitte, wenn sich viele nicht daran halten? Traurig ist auch, wenn schon Jugendliche am Glimmstängel hängen und sich kackenfrech über Nichtraucher stellen.

Damit wäre ich also zurück bei den beiden jungen Mädels.

Als sich beide direkt neben mich setzen, glühte noch keine Zigarette und ich vernahm deutlich, wie das eine Mädchen auf die Zeilen hinter ihr aufmerksam wurde. Zunächst dachte ich: Prima, die Leute nehmen es also doch wahr.

Doch der Nachsatz aus ihrem Mund ließ mich aufhorchen: „…aber da hält sich ja eh keiner dran.“

Ja, wahre Worte. Worte des Bedauerns?

Nein, keinesfalls! Denn im nächsten Moment zündete sie sich einen Lungentorpedo an und rauchte zusammen mit ihrer Freundin wenige Zentimeter Luftlinie neben mir los. Ich hätte platzen können! Freundlicherweise ließen die beiden mich auch noch extra daran teilhaben, indem der Dunst hin und wieder in meine Richtung ausgestoßen wurde.

Wenn ich könnte, wie ich in solch einer Situation wöllte…

Kontenance! Mit Mühe konnte ich an mich halten. Wer weiß, was man sonst noch für pampige Reaktionen erhält, wenn man mal etwas dagegen sagen würde…was auch der Grund ist, weshalb viele Nichtraucher lieber stumm das Feld räumen. Das geht mir genauso. Leider!

Aber irgendwann werde ich einen von der Abhängigkeit (oder auch nur Langeweile…manche wissen nicht, wohin mit den Händen) Getriebenen darauf ansprechen. Das habe ich mir fest vorgenommen. Möglichkeiten bieten sich schließlich oft genug.

Zu gern hätte ich eine Stellungnahme, was einen dazu bringt, sich so rücksichtslos zu verhalten. Es würde mich (Achtung Wortwitz) brennend interessieren!


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