Im Namen Gottes? (verfasst am 10.9.2014)

Als ich das erste Mal von einer gewissen Truppe mit dem Namen „Shariah-Police“ hörte, deren Anhänger als selbsternannte Hüter von Zucht und Ordnung um die Häuser deutscher Städte zogen, um Ungläubige und lästerliches Gesindel auf der Straße zu einem züchtigen und gottgefälligen Leben zu bekehren, wusste ich nicht, ob ich mich in diesem Moment mehr aufregen oder doch vor Lachen ausschütten sollte.
Zu goldig waren die beigelieferten Kameraaufnahmen, die ein paar Gestalten in orangefarbenen Warnwesten zeigten. Dabei sah auch ein Großteil der bedeutungsschwanger dreinblickenden Kerlchen selbst so aus, als käme er gerade aus einer Disko.

 

Okay, zu viel lasterhaftes Leben tut selten gut. Da gehe ich mit, dass das sündige Partyvolk und alle, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, freundlicherweise darauf hingewiesen wurden, dass Saufen und anzügliches Verhalten am Ende ganz schlechtes Karma bringen. Wer will schon als Stein wiedergeboren werden?!
Ach nee, falsche Religion. Egal, am Ende kommt es doch eh auf dasselbe hinaus, oder?

 

Was sollte also dieser Aufmarsch von Salafisten, der in seiner betriebenen Ernsthaftigkeit doch zu einer komischen Lachnummer mutierte?
Wo leben wir denn bitteschön?!

 

Selbst andere Muslime konnten sich dafür nur fremdschämen und darüber das Haupt schütteln, denn genau solche Aktionen treiben doch einen Keil zwischen die Fronten einer multikulturellen Gesellschaft. Wundert es da noch, dass Skepsis gegenüber eingewanderten Kulturen und schlimmer noch Fremdenhass neue und größere Blüten treiben? Schnell kann das in einer geladenen Stimmung der eine Funke sein, der uns das Pulverfass um die Ohren fliegen lässt.

 

Gefährlich ist ebenfalls, dass die Sache so dermaßen lächerlich daherkommt, dass man schnell den Ernst der Lage übersehen könnte. Wer weiß, was sich unbemerkt im Untergrund zusammenbraut. Was sieht man schon, wenn einem die Tränen eines Lachanfalls die Sicht trüben? Was kommt als nächstes?

 

Wir leben hier in einem westlich geprägten Land mit entsprechenden Sitten und Gebräuchen. Wenn man jetzt die große, braune Keule schwingen würde, könnte man meinen, dass sich zugezogene Kulturen dem anzupassen hätten.
Wir Nichtgestrigen fordern lediglich ein gewisses Maß an Integration. Jeder soll nach seiner Fasson leben können, aber…
Nun das große ABER: …niemand anderes soll dabei Beeinträchtigungen oder Belästigungen erfahren müssen!

 

Liebe Shariah-Police, es ehrt euch ja, dass ihr die Menschen auf den rechten Weg geleiten wollt, aber der führt bestimmt nicht durch ein Irrenhaus aus Selbstjustiz und aufgeblasenem Fanatismus.
Wenn mir zum Beispiel ein Veganer das gelegentlich verzehrte Stückchen Fleisch im wahnwitzigen Übereifer madig machen will, dann kann der mich mal…nämlich kreuzweise! Nichts ist hässlicher als der vernichtend abschätzige Blick von abgehobenen Gutmenschen, die in ihrem Eifer alles und jeden bekehren wollen, der es wagen sollte, nicht nach deren gottgleich in Granit gemeißelten Geboten zu leben. Sonderbar finde ich auch, wenn sie ihre Lebensform zwanghaft auf Hund und Katze übertragen wollen. Was bitte ist an dem Begriff Karnivor/Fleischfresser noch unklar? Bitte melden, ich kläre gerne auf!
Ursprünglich haben Katzen einmal Mäuse und Ähnliches erbeutet…keine freilaufenden, linksdrehenden Möhrchen, weshalb bei ihnen mindestens 80% der zugeführten Nahrung tierischer Natur sein sollte. Beim Hund sieht die Sache etwas entspannter aus und doch sollte die normale Mahlzeit nicht nur aus blankem Reis oder reinster Kartoffel bestehen. Ansonsten habe ich überhaupt nichts gegen vegan lebende Menschen, die das für sich aus eigener Überzeugung durchziehen. Bewundernswert ist für mich die Kreativität bei der Suche nach adäquaten Zutatenalternativen, die auch nach etwas schmecken und dem Original nahe kommen.

 

Zurück zu religiös geprägten Angelegenheiten…

 

Wenn also das Volk bis in die Puppen in Diskotheken das Tanzbein schwingen will, dann soll es das tun.

Wenn man im Sommer den alles verhüllenden Wintermantel daheim im Schrank bei den Motten hängen lässt und lieber im legeren Gewand um die Häuser zieht, dann sollte man das tun dürfen.

 

Wir brauchen keine Aufpasser, die mahnend den Finger heben und auf fanatisch ausgelegte Gebote weisen!

Wir brauchen niemanden, der Wasser predigt und nach Feierabend am Ende selbst genüsslich am Weinglas nippt!

 

Wenn ihr Salafisten die westliche Kultur so schlimm böse findet, warum lebt ihr dann hier und lasst euch die abendländische Sonne auf den Pelz scheinen?! Vielleicht, weil man euch anderswo weniger geduldig schlichtweg den Vogel oder kurzerhand die Mündung einer Feuerwaffe zeigen würde, gell?

Fanatismus bedeutete schon seit jeher Krieg und Leid. Meistens traf und trifft es Außenstehende, die zwischen den Fronten zutiefst verfeindeter Gruppierungen standen bzw. stehen. Fragt man die Strippenzieher nach dem Grund der Feindseligkeiten, können sie diesen oftmals gar nicht mehr in Worte fassen, so fern und vom Wahn vermauert wie dieser mittlerweile ist. Egal, einfach draufhauen, weil der da halt zu den anderen gehört.
Apropos „draufhauen“: Selig die Bekloppten. Sie brauchen keinen Hammer!

Und am Ende ist alles doch nur ein dummer PR-Gag, um Aufmerksamkeit zu ergaunern und den ein oder anderen verqueren Geist am Angelhaken baumeln zu haben, der sich in seiner Verblendung für eine radikalisierte Sache ins Schlachtgetümmel stürzt und dann richtig zum Problem werden könnte.

Weil ich es noch in einem Artikel gelesen habe:
Wenn sich noch einer von diesen Radikalen beschwert, dass im Zuge dieser selbst verzapften Nacht- und Nebelaktion durch deutsche Medien in ungebührlichem Maße gegen Muslime gehetzt werden würde…dann Gnade Gott!

Oder, nein, ballert euch doch weiterhin selbst ins Knie und spielt nachher die Unschuldslämmer, die sich wundern, warum nicht nur sie skeptisch beäugt werden. Eure Brüder und Schwestern werden es euch sicher danken!!

 

Wenn es tatsächlich einen Gott (wie auch immer er heißen möge) geben sollte, dann hätte er das sicher nicht gewollt…

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: