Atemloses Grauen (13.9.2014)

Gnade!“, scheint jede Faser meiner Hörsinneszellen zu schreien, wenn ich unfreiwilliger Weise einmal mehr von jenen nervtötenden Ohrwürmern heimgesucht werde, die jahrein, jahraus von ihren Erzeugern in der Musikwelt ausgesetzt werden und welche daraufhin in vollendeter Penetranz ein neues Heim in nicht schnell genug verschlossenen Gehörgängen suchen.

 

Hilfe!

 

Aktuell ist es ja vor allem das Fischersche Lied, dessen intonierte Klauen einen scheinbar überall zu verfolgen scheinen und anschließend im Würgegriff gefangen halten. Betroffene zeigen akute Atemlosigkeit, welche wohl darauf zurückzuführen ist, dass der Patient schleunigst versucht, außerhalb der Reichweite der sich kreisförmig ausbreitenden Schallwellen zu gelangen. Über dauerhafte Schädigung lässt sich noch nichts aussagen, es steht aber zu vermuten, dass diese akustische Belästigung nicht spurlos vorübergehen kann. Zumindest wird selbst beim Anblick des Titelwortes in fremdem Kontext noch eine ganze Weile eine antipathische Regung in Form von Zusammenzucken oder dem Verstöpseln der Ohren mit den eigenen Fingern zu bemerken sein.

 

Dies ist aber nur ein Beispiel für jene Lied-Spezies, welche von irgendjemandem dazu auserkoren wurde, als Dauerbeschalllung die Radiowelt, das Fernsehen, Einkaufstempel, diverse Festivitäten und öffentliche Toiletten zu drangsalieren. Nicht einmal im Supermarkt um die Ecke kann man sich sicher fühlen.
Ein Hoch auf uns!, 36 Grad, Lieder, Perfekte Welle, … reihen sich da perfekt ein. Ist nämlich ein Lied dann doch mal richtig abgelutscht, dass man die Spiralspur aus Pits und Lands des Polycarbonatsilberlings nur noch erahnen kann, muss ein neues Musikstück dafür herhalten. Und so setzt sich dieses Phänomen unbeirrt fort.

 

Pop-Musik, die zum Großteil sowieso schon nur einen nivellierten Tiefgang eines gewalzten Crêpes inne hat, eignet sich besonders gut für solche psychologischen Experimente à la „Wie-lange-hält-das-ein-Mensch-aus-?“.

 

Das ein oder andere Lied, dem diese zweifelhafte Ehre der Dauerschleife zuteilwird, mag noch nicht einmal so schlecht sein. Ich bin zwar definitiv kein Fan von belanglosem Pop, aber da das Geschmackssache ist, möchte ich mir dazu kein vernichtendes und allgemeingültiges Urteil erlauben. Das würde ich so nur bei HipHop machen. *Augenzwinkern*

 

Was ich jedenfalls sagen will, ist, dass manche Musikkunst (außer „Atemlos“… das reicht mir schon bei einmaligem Hören) erst durch dieses allgegenwärtige Überstrapazieren zum Grauen wird. Denn sonst kann ich immer noch das sowieso schon selten laufende Radio noch komplett ausschalten.

Warum kann nicht das richtige Maß gefunden werden, auch wenn es meinetwegen gerade DAS tolle Über-Lied sein soll?
Man muss es doch nicht als das knallermäßige Alleinstellungsmerkmal der eigenen Veranstaltung zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit hervorkramen.

 

Ich zitiere gern: Die Dosis macht das Gift! Und so mancher Interpret hat diese Schwelle zur dosis letalis mit seinem Beitrag leider schon hundertfach überschritten…egal, ob bewusst selbstbestimmt oder (wahrscheinlicher) durch Medienhand dazu verdammt.
Schade.

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