Einseitige Einfalt (11.3.2015)

Die Diskussion um resistente Keime ist eine sehr wichtige. Doch schießen sich die Beteiligten jedes Mal selbst ins Aus, wenn es wieder heißt: Die Ursache sei in der Tierhaltung zu finden.

 

Kein Wort fällt davon, dass sich auch die Humanmedizin selbst frischfröhlich eigene resistente Keime heranzüchtet. Man unterscheide zum Beispiel hospital-associated MRSA (Methicillin resistente S. aureus) und MRSA, die ihren Ursprung in der Tierhaltung haben. Der Druck von haMRSA ist doch in Krankenhäusern ein viel höherer. Das sind jedenfalls grundlegend zwei paar Schuhe.

Schnupfen. Da dann drauf mit dem Antibiotikum! Virale Ursache? Egal. Hauptsache der Patient stapft glücklich mit einer Packung Breitbandantibiotikum nach Hause.

Kein Wort fällt davon, dass sich Keime in der Umwelt auch ohne menschliches Zutun weiterentwickeln und daraus Strategien zum Selbstschutz vorangetrieben werden. Vielleicht geschieht dies langsamer, als wenn man sie noch durch unterdosierte oder schlecht wirksame Medikamentierungen dazu regelrecht auffordert, aber Stagnation wird man nicht zu erwarten haben. Die Verbreitung neuer Strategien erfolgt dann als Selbstläufer.

Kein Wort davon, dass auch jeder Einzelne gewisse grundlegende Hygienevorschriften einzuhalten hat…im Sinne der eigenen Gesundheit und der von Mitmenschen.

 

Der Einsatz von Antbiotika in der Tierhaltung muss reglementiert werden. Dies geschieht auch durch die neue AMG-Novelle von 2014 bzw. die AB-Leitlinien. Nun zu behaupten, die Bauern würden unkontrolliert Antibiotika ins Futter mischen, als ob es kein Morgen gäbe, ist viel zu kurz gedacht und zielt nur darauf aus, einen Buhmann zu finden und an den Pranger zu stellen. Die Buhmänner sind die Tierhalter (ja, hier mag es schwarze Schafe geben) und Tierärzte (ja, hier mag es schwarze Schafe geben). Die humanmedizinischen Götter in Weiß behalten ihre weiße Weste (bzw. den blütenweißen Kittel).

 

Wer spricht denn in den Medien öffentlich davon, dass auch in der Humanmedizin Unmengen an AB verwendet werden (z.T. auch ohne wirkliche Indikation)? Wer spricht länger als eine halbe Minute davon, dass es flächendeckende Eingangsuntersuchungen auf resistente Keime bei Neueinlieferungen in Krankenhäusern (wie im Umland bereits erfolgreich durchgeführt) geben müsste.

Auch was wir als Menschen alles in die Kanalisation wieder abgeben….das landet genauso in der Umwelt! Aber klar reden wir lieber über Tierdung als über die eigenen Fäkalien…

Stattdessen wird munter hochgerechnet, wie viele Tonnen Antibiotika pro Jahr in unsere Tiere fließen und dass das ja viiieeel mehr sei im Vergleich dazu, was wir uns einverleiben. Tja…man beachte bitte differenziert die tatsächlichen Körpergewichte und die unterschiedlichen Stoffwechselraten…dann können wir gerne weiterreden…

 

Man muss über die Problematik sprechen. Unbedingt! Aber dann sollte man doch auch bei der vollumfänglichen Wahrheit und den realen Tatsachen bleiben! Alles andere ist lächerlich und unwissenschaftliches Zerreißen bestimmter Berufsgruppen. Aber was will man den Medien noch erklären… Die haben ihre Schusslinie gefunden und rennen weiter mit der Axt durch den Wald.

Und der (eigentlich mündige) Zuschauer glaubt, was er sieht, weil er es in der Regel als Laie oft nicht besser wissen kann oder sich dafür nicht sonderlich interessiert. Er bildet seine Meinung aus dem, was man ihm vorkaut. Da haben wir den Salat. Es ist angerichtet!


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