Monatsarchiv: Juni 2015

Fundsache (29.06.2015)

 

Für gewöhnlich bekommt man an Laternen-, Strom- und alten höznernen Telegraphenmasten zu lesen, dass der schwarze Kater „Morle“, die stuppsnasige Katze „Mimi“ oder der dicke, sandfarbene „Garfield“ verloren gegangen sind und nun von ihren Besitzern mit tränenfeuchten Wangen gesucht werden.

Oftmals schreibt irgendeine Mutti für irgendeine kleine Marie oder Emma-Sophie, die bereits bittere Tränen vergossen haben soll, was den eifrigen „Gesuch“-Leser enorm um Zugzwang stellen kann.

Manchmal werden andere Gegenstände gesucht (darunter zählen Haustiere per Gesetz zwar auch, aber dem schließe ich mich nicht direkt an)…ein Portemonaie, oder gern auch der Haustürschlüssel.

Selten finden sich in der Nähe von Haltestellen Annoncen an flüchtige Begegnungen, die man noch am Vortag 7Uhr hier gesehen hatte und unbedingt zu einem Kaffee einladen wollte…doch dann kam entweder die Bahn oder der Mumm fehlte.

 

Die Tage habe ich einen Aushang mit folgender Aufschrift in dicken Lettern gesehen: „Fahrrad gefunden„. Darunter befand sich ein kurzer Begleittext und eine Mobilfunknummer.

Nun ja, für gewöhnlich werden Fahrräder leider oft „gefunden“…jedoch von zwielichtigen Gestalten, die ihre Fundsache im Anschluss natürlich nicht öffentlich an Strommästen kundtun (eher auf meistbietenden Internetportalen).

Umso schöner ist es, dass es aufmerksame Mitbürger gibt, die sich auch um Dinge anderer einen Kopf machen. Klar kann man sich fragen, was einen dazu bewegt, ein abgestelltes Fahrrad auf seine (Nicht-)Sicherung zu prüfen bzw. ein Fahrrad dann kurzentschlossen in Sicherheit zu bringen (kann auch in die Hose gehen, wenn das einer beobachtet und falsche Schlüsse zieht), aber man muss ja nicht immer den schlechten, nachhakenden Gedanken Oberhand gewähren.

Vielleicht meldet sich ja der rechtmäßige Besitzer (solch ein Verlust dürfte schließlich auffallen) und ist glücklich, seinen Drahtesel wieder im heimischen Stall unterstellen zu können.

 

 

Auf jeden Fall gibt es offensichtlich noch Menschen, die ehrlich und mitfühlend sind, was man sonst im Alltag nicht immer behaupten kann.

Jedenfalls ist der „Gefunden“-Zettel an einem Strommasten meine feine Fundsache der letzten Tage.

 

 

 

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Tag der offenen Tür… (23.06.2015)

 

Nicht nur, dass ich auf Arbeit schon wie bekloppt von einem zum anderen hetze…am besten alles zusammen und am allerbesten schon gestern…nun bot wohl auch der Straßenverkehr einen Tag der offenen Tür im Irrenhaus.

Was da manche zusammengefahren haben…nervig!

Da wird sich noch durch eine Engstelle (beparkte Straße) mit einem Kleintransporter an mir vorbeigeschoben, obwohl das Hindernis auf der gegnerischen Seite lag und eine riesige Lücke zum Einscheren zur Verfügung gestanden hatte. Der leicht vorwurfsvolle Blick der Lenkerin von oben, warum ich denn partout nach rechts hin (Bordstein und Gehweg) keine Ausweichmöglichkeit finden wollte (weil ich defintiv nicht konnte…dafür sprachen die harten Tatsachen eines Bordsteins und Fußweges), war der I-Punkt.

Solche Leute liebe ich ja, die einen Fehler begehen und vor lauter Unwissen und Egoismus die Schuld ohne Umschweife auf andere umwälzen.

Bei manchen hat man echt das Gefühl: Hauptsache das Auto rollt…am besten nicht anhalten…also Augen zu und durch. Wird schon passen. Außerdem können sich die anderen ja auch mal unsichtbar machen. Ist doch wirklich nicht zu viel verlangt…

Und dann gab es da noch Exemplare, die sich nicht eintscheiden konnten, ob sie fahren oder doch lieber parken wollten. Da wird mit einer Gemütlichkeit dahergetuckert, als hätten die nichts mehr vor am Tage.

Mensch, ich will auch mal in den Feierabend! BitteDanke!

Da ich mich zum anständigen Fahrerlager zähle, drängle ich natürlich nicht…aber nerven tut es trotzdem.

 

Wie sagt eine Kollegin so schön: Beklopptheit zum Anfassen.

 

Ich geh jetzt mal eine Runde in mich und sage mir als Mantra vor: Das Leben ist schön! Alles wird gut! Die meinen das alle nicht so…

 

 


Abonnement (17.6.2015)

 

Ich weiß nicht, was ich falsch mache, aber anscheinend habe ich den Griff ins Klo gepachtet. Quasi als ein unliebsames, im Kleingedruckten aufgezwungenes Abonnement gebucht. Zumindest, was das Streikgeschehen in Deutschland betrifft.

Möchte ich dienstlich mit dem Zug fahren, streikt die Lokführerschaft. Will ich einen zweiten, privaten Versuch wagen…dito. Möchte ich einen ganz wichtigen Brief aufgeben….streikt die Post.

Ich wage mich schon fast nicht mehr zum Bankautomaten. Nicht, dass wie vor Kurzem im Brandenburgischen die Geldlieferanten zum Arbeitskampf aufrufen.

Was bin ich froh, keine kleinen Kinder im Haushalt zu haben. Der Kindergarten hätte unter Garantie geschlossen.

So wichtig, wie Arbeitsniederlegungen für mehr (nicht überzogene) Gerechtigkeit sein mögen, aber irgendwie haftet es an, als wäre man in ein Hundehäufchen getreten. Ehe die Unannehmlichkeit verflogen ist, kann einige Zeit ins Land verstreichen. Mütter und Väter bangen um ihre Jobs, Kleinkinder vermissen ihre Kameraden, Reisende warten länger als üblich, …

Jedes Ding hat eben mindestens zwei Seiten und manchmal ist es eine zweischneidige Klinge, auf der man da gerade tanzt. Man will solidarisch denken und doch wird auch um die eigene Existenz gebangt (gerade viele Eltern aktuell).

 

Drückt mir die Daumen, das mein Brief rechtzeitig ankommt und meine nächste Zugreise nicht wieder im Klo versenkt wird! Andererseits: Sollte wieder gestreikt werden…dann wisst ihr, dass ich mit der Bahn fahren wollte. Transparenter geht’s nicht mehr, gell? Und das ganz ohne Gesichtsbuch-Exhibitionismus und Ich-sitze-gerade-auf-dem-Örtchen-Gezwitschere!

 

 

 

 

 


OOOoooh!!! (11.6.2015)

 

Heute habe ich etwas zum Schmunzeln im Gepäck.

Gestern erlebt:

 

Filius steht am Bordstein und Mami parkt noch fix den kleinen Flitzer ein.

KrrRRZZZZZZZZZZZZZZZZZzzzzz!

OOOOoooooohh!!!„, ertönt es altklug mahnend vom Bordstein herüber.

Jepp, das war dann wohl die Kupplung! Und der kleene Knopp auf dem Fußweg wusste schon bestens Bescheid und hat zu meiner Begeisterung auch kein Blatt vor den Mund genommen. Herrlich!

 


Verhältnismäßig… (07.06.2015)

 

Moinsen!

Hach ja, gestern habe ich mich für einen ganz kurzen Augenblick nach all dem Arbeitsstress köstlichst amüsiert gefühlt.

Dabei läd der Anlass für gewöhnlich nicht dazu ein bzw. war diese Gefühlsregung dem Urheber in dieser Form sicher nicht bewusst oder gar von ihm beabsichtigt worden.

 

Ich werfe mich also vor die Flimmerkiste und zappe am Teletext des Mitteldeutschen Rundfunks vorbei.

Ah, so, aha, mal wieder Randale in Leipzig.

Da flog wohl so einiges brennbares wie rein physisch zerstörerisch wirkendes Material durch die Luft und beschädigte Gebäude und Autos.

Es wird ein linksautonomer Hintergrund vermutet, was hier aber nicht weiter von Belang sein sollte. Gewalt bleibt Gewalt, egal, wer sie verübt.

Und jetzt der Knaller im Infotext: Es gab eine Festnahme.

Eine Festnahme.

In Zahlen: 1.

Ich konnte mir ein gestört anmutendes Kichern nicht verkneifen.

Mensch, da hat sich von der Staatsgewalt ja richtig jemand ins Zeug gelegt! Also ich möchte dort nicht wohnen oder mein Auto geparkt wissen. Das gebe ich unumwunden zu.

Da schlägt eine Gruppe mehrerer Menschen alles kurz und klein und eine einzige Person hat anscheinend im Endeffekt das ganz große Los gezogen. Das nenne ich verhältnismäßig…

Nagut, im Lotteriespiel kann nicht jeder gewinnen. Rein statistisch gesehen….ach lassen wir das.

Mal Hand aufs Herz: Ist da tatsächlich jemand stolz auf diese eine Festnahme, dass man diese in der Art auch noch kundtun muss? Ich hätte diese Tatsache mit tiefroten Ohren unter den Tisch gekehrt (auch wenn das eigentlich selbst wiederum nicht korrekt wäre) und nicht- einer Erfolgsmeldung gleich- herumposaunt.

Denn genau betrachtet fällt die Konsequenz auf einen stattgefundenen Gewaltakt verhältnismäßig mager aus. Das Rowdietum freuts.

Optimisten würden sagen: Immerhin.

Der Pessimist schreit: Das Glas ist trotzdem halb leer!

 

 

 


Erkenntnis des gestrigen Tages… (04.06.2015)

 

Wer Mitarbeiter zu delegieren und deren Dienstpläne zu erstellen hat, der…:

a) …braucht keine Feinde,

oder

b) …kann sich auf Selbstverschreibung über kurz oder lang in die Klappsmühle einweisen,

oder

c) …beides!

 

Mann, Mann, Mann. Es gibt echt Tage, da wöllte man sich am liebsten in seinem imaginären Schneckenhaus verbarrikadieren und sich ungestört seinen eigentlichen Aufgaben am Arbeitsplatz widmen, die nicht unerheblich sind. „Macht euren Dreck doch alleene!„, hat schon der letzte Sachsenkönig ausgerufen.

Aber nein! Das würde wohl so passen. Jetzt erst recht! Man muss zwar nicht zwingend ganz andere Saiten aufziehen (das blockiert nur noch mehr), aber es wird demnächst ein ganz anderes Lüftchen um die Ecke wehen. Wat mut, dat mut. Wer es nicht honoriert und/oder verträgt, dass man den kleinen Finger reicht und einem stattdessen die ganze Hand abgefressen wird, dem ist dann wohl offenbar ein anderer Ton genehm. Bitteschön!

Viele Leute denken, dass es nur ihnen alleine schlecht geht. Dass auch Vorgesetzte und vor allem andere Kollegen im gleichen Boot sitzen, wird gerne großzügig übersehen. Bei einigen Mitarbeitern, die am lautesten schreien, dürften die Augen übergehen, wenn sie meine monatlichen Arbeitszeiten sehen würden… Und ganz nebenbei versuche ich immer mein Möglichsten im Sinne aller und reiße mir den Allerwertesten auf.

Ich arbeite sehr gern und auch sehr viel. Aber in solchen Momenten sucht man schon fast verzweifelt nach dem fiesen kleinen Motiviertierchen, das wahrscheinlich irgendwo auf der grünen Wiese hockt und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lässt.

Zum Glück gibt es aber doch noch ein paar Mitarbeiter, die Probleme konstruktiv kommunizieren können, kollegial denken und vor allem da sind, wenn man sie braucht. Vor denen ziehe ich den Hut und das lasse ich sie auch wissen. Das ist das Mindeste, was ich entgegenbringen kann.

 

Moral von der Geschicht‘:

Es wird immer zweimal abgerechnet. Denkt nicht nur an euch. Achtet die Leistung anderer. Verliert den Respekt voreinander nicht!