Monatsarchiv: August 2016

Fragen über Fragen (29.08.2016)

 

 

Was würdet ihr tun, wenn euch jemand seine/ihre Liebe zu euch gesteht, die in Anbetracht jeglicher Konventionen bar jeder Vernunft wäre und jene Person- selbst vernunftbegabt- zudem trotz aller aufgewühlter Gefühle diese Liebe aus eben jenem Grunde niederzukämpfen versucht, doch ganz offensichtlich nicht recht mit dieser Situation zurande kommt, sich am falschen Ort fühlt und euch, wohl um eine gewisse Ruhe zu erlangen, aus diesem unglücklichen Moment heraus einen (Liebes)Brief schreibt?

Was würdet ihr tun, wenn euch diese Situation seltsam bekannt vorkommt, weil ihr euch vor nicht allzu langer Zeit selbst in einer eben solchen Lage befunden habt und wisst, wie es klingt, wenn ein Herz zerbricht? Euer eigenes.

Was würdet ihr dieser Person raten, wenn ihr aus diesen eigenen Erfahrungen heraus wüsstet, dass die Zeit die eine oder andere Wunde zu heilen und selbst ein entzweites Herz zumindest einer restitutio ad functionem zuzuführen vermag, letztlich aber niemals alles so wie vorher sein wird?

Was würdet ihr raten, wenn ihr wüsstet, dass eine (zufällige) Fluchtgelegenheit euch beim „Vergessen“ geholfen hat, diese jedoch am Ende auch nur wie schützend vorgehaltene Hände verbirgt, was euren Augen unbewusst oder bewusst vorenthalten bleiben sollte?

 

Es existiert kein universelles Allheilmittel, das jedem Individuum und all seinen individuellen Bedürfnissen gerecht werden könnte. Keiner kennt der Weisheit letzten Spruch. Woher also eine Ultima ratio nehmen, die uns oder einen anderen Menschen aus dem Leid zurück zum Glück führt? Wie kann man darauf hinwirken, dass der/die unglücklich (und einseitig) Verliebte zurück in ruhigere Bahnen geleitet werden kann, ohne einen weiteren schmerzhaften Stich dadurch erfahren zu müssen?

 

Außerdem: Ist denn immer gleich alles unter dem vorgeprägten und damit vorbelasteten Begriff Liebe zusammenzufassen, was uns und unsere Herzen bewegt? Meinen wir nicht vielleicht doch etwas anderes, einen Austausch zwischen Seelenverwandten vielleicht, oder ein sich natürliches Ergänzen zwischen Animus und Anima? Wäre dies nicht ein Ansatz, um sich mancherlei Leid zu ersparen, weil alles andere in seiner Verfänglichkeit wider jeglicher Vernunft wäre und hernach gleichsam niemals zum Glück gereichen könnte und- von außen betrachtet– dürfte?

Vermag uns dieser Gedanke zu trösten, dass es womöglich doch nicht die Liebe selbst ist, die uns umtreibt? Oder würden wir uns nur wieder selbst belügen und damit etwas mühsam zu verschleihern versuchen, das wahrhaftig sein könnte?

Fragen über Fragen.

Doch wer kennt die Antworten?

 

 


Töpfegucker (26.08.2016)

 

 

Weil es gerade so schon heiß draußen ist und die folgende Story perfekt in dieses hochsommerliche Ambiente passt, dachte ich, dass ich ein Vorkommnis des letzten Sonntages noch einmal rekapitulieren könnte.

 

Es war früher Abend, die letzte Regenwolke hatte sich, Bob sei ’s gedankt, verzogen und ich nutzte die Chance meinen neu erworbenen Elektrogrill auf dem Balkon auszutesten.

Froher Erwartung (auf baldiges Essen!) hatte ich bereits im Vorfeld jedes Einzelteil sorgsam aus dem Karton befreit, gereinigt und alles wieder zusammengebaut, was bei sage und schreibe 4 Einzelteilen (PLUS Verlängerungskabel, was die Sache natürlich erheblich verkomplizierte…) jetzt aber auch nicht DIE nobelpreisverdächtigste Tat des Tages gewesen war. Glückwünsche dürfen mir dennoch gern zugestellt werden.

Ich stöpselte das Gerät ans Netz an, flämmte alles wie vorgeschrieben zunächst für ein paar Minuten ab und legte derweil schon das vorbereitete Grillgut in Startposition.

Es konnte losgehen.

Offenbar wurde nun jedoch auch der Balkonnachbar wach, den ich bis dato noch nie gesehen hatte. Lediglich ein paar geleerte Bierflaschen, eine vertrocknete Topfpflanze und sich von Zeit zu Zeit örtlich verschiebendes Gartenmobiliar zeugten von der Anwesenheit einer Person nebenan.

Glücklicherweise befand sich noch ein Sichtschutz aus grauen Vormieterzeiten zwischen uns. Leider ist dieser jedoch nur zu einer partiellen Abschirmung befähigt und während ich wartend auf der Türschwelle hockte, schälte sich neben mir ein Astral von einem Körper aus der Wohnhöhle.

Kurz überlegte ich noch, ob ich den Grillvorgang jetzt besser abbrechen sollte, oder doch mein Steak auflegen und brutzeln sollte. Ich entschloss mich für letztere Option, schließlich hatte ich mich schon so sehr darauf gefreut und das Vorhaben aufgrund von Regen bereits verschieben müssen. Es konnte also kommen, was da wollte. Mochte sich der Nachbar noch vollkommen nackig machen und Samba tanzen….ICH hätte unbeirrt weitergemacht.

N‘ Abend!

N‘ Abend!“ Für mich war damit die Konversation an sich auch weitestgehend abgeschlossen gewesen.

Natürlich musste er dann im nächsten Moment sein Stühlchen genau mit Blick auf meine Grillstelle hin ausrichten und es sich darauf bequem machen.

Wenigstens hatte er sich nun ein T-Shirt übergeworfen, was die Tatsache an sich, dass man sich derart demonstrativ meiner  Essen zubereitenden Tätigkeit widmen musste, nicht wirklich verbesserte. Ich mag es nicht, beobachtet zu werden.

Das Interesse rührte auch sicher nicht von störendem Qualm her, denn dieser war noch nicht einmal in Ansätzen festzustellen gewesen.

Was gibt es denn?“ , kam es in einem seltsam sülzig-gesprächigen Tonfall von drüben.

Ich überlegte kurz. Roulade mit Rotkohl und Klößen?!

Letztlich entschied ich mich doch für die Wahrheit.

Gegrilltes“ , gab ich nonchalant zurück.

Schwein oder Geflügel?

Einen ganzen Auerochsen am Spieß, Herrbob noch mal!

Schwein“ , gab ich kurz angebunden zurück und flüchtete mich mit meiner endlich durchgegarten Kost ins Innere meiner Höhle, bevor der leicht aufdringliche Typ noch auf die Idee kam, sich womöglich noch eine milde Gabe zu erbitten. Nein, ich hatte in diesem Moment keinen Bock auf Reden.

Ich hatte Hunger!

 

 

 

 


Mind the gap! (23.08.2016)

 

 

Realität und (Selbst)Wahrnehmung scheinen recht oft zwei komplett unterschiedliche Paar Schuhe zu sein. Sagen wir bildlich gesprochen, dass das eine HighHeels und das andere FlipFlops wären. Wahrscheinlich ist dieses „recht oft“ auch noch die am häufigsten kleingeredete, jedoch mit der allergrößten Inbrunst vorgetragene Untertreibung seit der erste Einzeller weitgehend gerichtete Bewegungen während des Schwimmunterrichtes vorweisen konnte. Ob dieses von einer mit der Umwelt in Kontakt tretenden Begrenzung  umgebene Konglomerat aus amorpher Substanz und ein paar anderen notwendigen Ingredienzen jetzt das Huhn oder doch eher das Ei war, kann ich itzo nicht mit Sicherheit sagen, da es doch ein paar Jährchen vor meiner Zeit lag, doch das tut nichts, aber auch  rein gar nichts an der Tatsache, dass es eben einfach so ist, wie es ist. Dazwischen klaffen einfach Welten. Punkt.

 

Reflexionen im Stillen

Das Gras ist anderwo immer grüner, du bist stets perfekt und die anderen sind generell einfach unfähig und/oder machen alles falsch…oder zumindest so, wie du es nie, nie, niemals machen würdest, weil es einfach unsinnig, auf Sparflamme gedacht und ganz schlicht und ergreifend nicht von dir stammt.

Doch ist es wirklich richtig, was du für richtig hälst?

Den anderen geht es aber auch immer besser, alle wollen dir nur  Schlechtes und am Ende sind immer alle nur gegen dich. Nie bist du gegen die anderen! Armes Hascherl, das du doch bist!

Doch was würden wohl die Anderen behaupten?

Du pustest Zucker in die Hintern nimmersatter, undankbarer Kleiner-Finger-ganze Hand-Vernascher und erntest doch nur den Pechregen. Die Golddusche fassen stets andere ab. Der Undank, unser Welten Lohn, sei dir gewiss, doch gräme dich nicht: Nicht gemeckert ist Lob genug. Merk ’s dir einfach und beschwer dich nicht!

Doch bist du es nicht selbst, der die freundliche Hand ausbeutet? Wie dankst du es ihr eigentlich?

Oh, weh. Das Leben ist doch eines der härtesten! Erst recht für einen empathischen, hinterfragenden, selbstkritischen, gerechtigkeitsliebenden, selbstzerfleischend aufopfernden, von Anderen gleichsam einfordernden, begrenzt geduldigen Gefühlsmensch, dem dreimaliges, tiefes Durchatmen irgendwann einfach nicht mehr reicht, weil das Maß voll ist und weil er nicht wie ein Verrückter den rundgelutschten Stein wie einst der arme Sisyphos immer und immer wieder zurück bergan rollen möchte und kann, weil es ab einem gewissen Grad an Wiederholungen wider der Natur des logischen Denkens ist. Doch wie soll man das begreiflich machen, ohne dass wieder die Goldwaage ihres Amtes walten muss, auf die man jedes noch so belanglose Detail hin- und herwälzen kann, auf dass das Zünglein doch endlich, endlich ausschlagen möge…damit man mal wieder einen gepflegten Grund hat, um aufzuschreien….einfach um des Aufschreiens willen. Das Warum darf gern zweitrangig bleiben.

Doch bist du, sehender Heroe, besser als die Anderen? Bist du es nicht, der aufschreit, um des Aufschreiens willen? Lässt du nicht selbst das Zünglein an der Waage ausschlagen?

Kein Selbstbild der Welt ist vor Verzerrungen gefeiht. Keiner ist so perfekt, makellos oder kennt den richtigsten aller richtigen Wege, auch wenn es manchmal gern vorgegeben wird, hierzu in der Lage zu sein. Irren ist menschlich. Selbstbetrug auch. Aber ist es nicht erlaubt, dass man andere wider besseren Wissens um dräuend aufziehende Disharmonien mit der Nase auf etwas stoßen darf, auch wenn man es selbst vielleicht gar nicht erfüllen könnte, aber sich doch insgeheim wünscht, es zu können? Sollte der Andere dies nicht eher als Schulterschluss denn als Affront auffassen?

Doch würdest du immer den Schulterschluss dahinter vermuten oder auch nur wieder unwillkürlich zielstrebig den geworfenen Stein im Glashaus suchen?

UND WIE HANDELTE ICH?!

Ich nehme mir zu viel zu Herzen. Mir könnte es egal sein, was andere denken, tun oder bleiben lassen. Ist es aber nicht. Ich möchte nicht in einem „nach-mir-die Sintflut„-Weltbild versacken, nur um ein ruhigeres Leben führen zu können und nicht mehr mich und andere mühsam reflektieren zu müssen. Dann schwelge ich lieber in selbstmitleidigen Unverständnis über die Welt. Dabei bin ich ganz gewiss nichts Besseres oder Schlechteres. Wer weiß, wer über mich den Kopf in jenem Moment schüttelt, in welchem ich meinen Mund unwillkürlich abschätzig verziehe. Wer bin ich, dass ich über Richtig und Falsch richten könnte?! Wie anmaßend oder ungerecht ich damit doch sein kann, ohne es vielleicht sogar zu bemerken. Nicht alle wollen mir Böses. Doch auch ich will niemanden etwas Unrechtes.

Muss denn gleich hinter jedem Wimpernzucken, sei es das meinige oder das der Anderen, eine Intention stecken?

Ich denke manchmal zu viel.

Manchmal denken die Anderen zu viel.

Und am Ende denken wir alle zu viel, aber eindeutig zu wenig nach.

So schüren wir Missverständnisse, Verzerrungen und unnötiges Kopfzerbrechen. Wer kümmert sich denn bitteschön um die Scherbenhaufen?! Wir sind alle keinen Deut besser. Oder schlechter.

Ich muss noch viel lernen. Wie alle anderen auch. Am besten fangen wir gleich an…but: Mind the gap!

 

 

 

 

 


Geduscht (20.08.2016)

 

 

Die Polizei ist mittlerweile nicht mehr nur unser Freund und Helfer, nein, nun unterstützt sie uns auch nach bestem Wissen und Gewissen bei unserer täglichen Körperpflege. Man muss noch nicht einmal den Wunsch dazu äußern. Die machen das einfach so. Ganz selbstlos und unbürokratisch. Quasi im Vorbeifahren.

Wie das funktioniert?

Hier eine kleine Anleitung:

Man begibt sich nach draußen an die frische Luft, setzt sich bei einem einsetzenden, kräftigen Regenguss gut 2m vom Straßenrand entfernt auf die Bank eines Buswartehäuschen und wartet, bis eine Streife (ohne Einsatzsignal) vorbeifährt…und das mitten durch eine Pfütze, die sich unterdessen am Straßenrand angesammelt hatte. Und dann braucht man nur ein gewisses Urvertrauen an die physikalische Gesetzmäßigkeit der Verdrängung und etwas Glück, dass es auch weit genug spritzt.

Ist das nicht simpel?

Ja, okay, natürlich hätte man auch ohne Probleme drumherum fahren können.

Ich entsinne mich noch ganz gut daran, dass man mal gelernt hat, bei Wasseransammlungen Rücksicht auf Passanten zu nehmen. Abgesehen davon, dass man nicht unbedingt mit innerorts mindestens erlaubter Höchstgeschwindigkeit durch Pfützen fährt, um nicht aufgrund von Aquaplaning die rechte Bodenhaftung zu verlieren…

Den Delinquenten verpassten glücklicherweise die reichlich aufsprühenden Fluten nur knapp. Reumütig wendete dann aber auch schon der Streifenfahrer und erkundigte sich offenbar nach dem Befinden.

Begeisterung sah zwar anders aus, aber man einigte sich wohl recht zügig darauf, dass es diesmal ohne Duell à la Western gehen würde und man zog seiner Wege.

Dieser neue „Service“ kam hernach nicht sonderlich gut an.

Es duscht anscheinend doch jeder lieber für sich selbst und in den eigenen Vier Wänden.

Allzu verständlich.

Ich lass mir dabei auch ungern von Wildfremden zuschauen. 😉

 

 

 


Bitte, bitte passend! (16.08.2016)

 

 

Es war Samstag, fast 10 Stunden Arbeit lagen hinter mir und zu allem Überfluss hatte sich eine nette, „kleine“ Erkältung meiner Wenigkeit bemächtigt. Ich wollte einfach nur nach Hause und mich auf die Couch oder ins Bett verkrümeln, um mich meinem Elend vollumfänglich und ungestört hingeben zu können.

Leider hat irgendein Gott des Konsums vor einen Sonntag den Wochenendeinkauf gelegt. Nach Essen war mir zwar nicht unmittelbar zumute, doch wusste ich im Hinterkopf meinen Kühlschrank relativ eintönig-öd bis leerreich.

Also bahnte ich mir mit meinem zu einem Spottpreis von einem Euro erstandenen Wägelchen den Weg durch die Fressalienreihen, ständig darauf bedacht, nicht gleich im Laufen einzuschlafen. Wer wöllte sonst die hinter mir sintflutartig einstürzenden „Dosenpyramiden“ freiwillig wieder aufbauen?

Endlich erreichte ich die Kasse, wählte jene mit der kürzeren Schlange und verkalkulierte mich dabei gehörig in meiner überaus naiven Annahme, damit schneller wieder aus dem Laden und hin zur heimischen Kissenlandschaft zu gelangen. Wie immer.

Natürlich musste man es zwei Positionen vor mir wieder möglichst passend bezahlen.

Kurz überkam mich die Versuchung, aus dem Kassenkrabbelsortiment eine Packung Streichhölzer aus ihrem Folienkleid zu befreien und mir zwei der enthaltenen Hölzchen unter die Augenlider zu schieben. Leider gab es keine Kaminanzünder (die sind größer), weshalb ich diese Zuhilfenahme widerrechtlich angeeigneten Eigentums (Ok, ich hätte die Streichhölzer natürlich bezahlt! Beide!) recht schnell wieder wegen vorhersehbarer Erfolglosigkeit beiseite schob.

Dann schlug meine Stunde. Widerstandslos ließ ich mich vom Scanner-Piepton hypnotisierend einlullen. Tomaten, noch mal Tomaten (diesmal Cherry-Rispen), Haferflocken, Möhrchen, Joghurt…..(Jetzt wisst ihr auch, was ich so einkaufe…..die nicht „jugendfreien“ Dinge wie Schokolinsen lasse ich hier mal außen vor.).

Mir zuliebe versuchte ich es noch nicht einmal, den geforderten Betrag auf den Cent passend bezahlen zu wollen. So fies bin ich dann doch noch nicht einmal zu mir selbst! Wobei…

 

 

P.S.: Bereits am Montag war alles wieder soweit im Lot. Nichts konnte mich vom Arbeiten abhalten. Ich würde behaupten, dass mein timing für den „Höhepunkt“ recht gut war. 😉

P.P.S.: Erkältungen sind doof und nervig, aber der Verlauf ist (im Normalfall) wunderbar vorhersehbar. Da kann man fast die Uhr danach stellen. Das ist wenigstens etwas Positives an der Sache.

 

 

 


Eine Frage des richtigen Timings (08.08.2016)

 

 

Über das Timing meiner neuesten Leserin, die ihren eigenen Blog „Schlank mit Verstand“ betreibt, musste ich gerade etwas schmunzeln.

Denn netterweise ließ die Waage erst vor ein paar Tagen klar und gut vernehmlich verlauten, dass ich während meines Urlaubs wohl mindestens ein halbes bis ein ganzes Kilogramm zugelegt haben soll. Herzlichen Dank auch. Dieses Geheimnis hättest du gern für dich behalten können, du fieses, kleines, sadistisches Ding, du!

Ich werde dann wohl die gerade angebrochene After-Urlaubs-Blues-Woche nutzen müssen, um die ein oder andere, sich an mir überflüssigerweise festkrallende Kalorie zu verheizen, bevor sie sich dauerhaft auf den Hüften einzunisten gedenkt.

Ich vertraue da aber auch ganz auf meinen recht gut funktionierenden Stoffwechsel.

 

In diesem Sinne heiße ich dich recht herzlich willkommen!

 


Spielkind (07.08.2016)

 

Kurze Randnotiz zum Schmunzeln:

 

Was macht man, wenn man im Wald auf einen oben bereits geöffneten Flaschen-Stäubling, besser bekannt unter dem Namen „Puffpilz“, stößt?

Genau!

Man tritt einmal volle Kanne drauf und bewundert dann im Anschluss das mit braunen Flocken bestäubte, vormals schwarze Hosenbein. Und lacht sich anschließend halb kaputt!

🙂

 

Demnächst kann ich dann wohl eine Pilzplantage auf meiner Hose züchten.

Zum Glück ließ sich aber die Sporenpracht zumindest erst einmal rein optisch leicht wieder abputzen. Den Rest erledigt gerade die Waschmaschine.

Tja, wenn Spielkinder spazieren gehen…

 


Reise in die Vergangenheit- Norwegen im Schnelldurchlauf V (06.08.2016)

 

Vielleicht ist es euch schon aufgefallen: Ich fühle mich häufig nicht nur etwas fremd und aus der Zeit gefallen gegenüber der heutigen Moderne und deren Entwicklungen technischer und vor allem menschlicher Art- sehrwohl verfolge ich diese jedoch aktiv mit mehr oder minder stark ausgeprägten Interesse- ich stelle daher immer wieder fest, zumeist in Stunden der Muse, dass ich manchmal am liebsten in einer anderen Zeit geboren worden wäre. Ich stehe zu meinem inneren Anachronismus.

Natürlich handelt es sich dabei auch wieder nur um die damals tatsächlich vorherrschende Realität verzerrenden Eskapismus, so viel Verstand darf mir zugestanden werden, dennoch tät es mich reizen, einen neugierigen Blick hinter die Kulissen der Vergangenheit zu werfen. Eine Nasenklammer dürfte je nach gewähltem Zeitfenster nicht das größte Hindernis bei der Gepäckaufgabe am „Check-In“-Schalter darstellen.

Wie wäre es mit Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts? Ein ganz heißer Anwärter auf meiner heimlichen „muss-ich-mal-erlebt-haben“-Liste! Allein die Mode der bürgerlichen Gesellschaft war eine Wucht. Da könnte ich ins Schwärmen geraten.

So, und was hat dieses pseudoromantische Gefasel nun mit Norwegen zu schaffen?

Ganz einfach: Gern richte ich den Blick nämlich auch noch ein paar Umdrehungen weiter auf der Zeitspirale und treibe mich hin und wieder auf Mittelaltermärkten herum.

Und prompt kam ich also nach Trondheim (früher Nidaros genannt) und schon spazierte ich geradewegs in die Olavsfestdagene hinein. Mein kleines sehnsuchtsvoll-romantisch verklärendes Herzlein machte natürlich erst einmal ein kleines, freudig erregtes Hüpferlein.

Am Fuße des Nidarosdoms- übrigens ein wahrer Prachtbau mit daran allerlei zu entdeckenden Details*- fand ein anlässlich zu den Olavstagen aufgebauter Historisk Marked statt, den ich natürlich sofort erkunden musste. Aufmerksamen Lesern dürfte dieser bereits bei der Snack-Story über den Weg gelaufen sein.

Vom Stand mit den mit buntem Samtstoff bespannten Spitzhüten (im Mittelalter Hennin genannt) und den putzigen Feenzauberstäben konnte ich mich natürlich nur schwerlich lösen. Neben reichlich Pilgerequipment, Leder- und Eisenwaren, Süßkram und Stockfisch fanden sich auch immer wieder das (Kunst- und Bau-)Handwerk darstellende Personen, welche ein solcher dem ständigen Verfall obliegender Dom für seine Schönheitskuren auch heute noch benötigt.

Ein Steinmetz zum Beispiel werkelte an einer Statue herum und eine Dame schnitt und setzte Bleiglasfenster zusammen, was man heutzutage ja auch nicht täglich zu sehen bekommt.

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Unter kurios würde ich auch Folgendes verbuchen:

Ein Handwerker schnitzte an seltsamen Auswüchsen herum, die die Konsistenz von Holz besaßen. Auf Nachfrage bei seiner im Hintergrund weilenden Gattin konnte ich mir des Rätsels Lösung beinahe selber denken. Es handelte sich um Baumpilze, die vornehmlich von Birken stammten. Die Dinger sahen aber auch wirklich aus, als kämen sie direkt vom Mars! Ja, ja, die doofen Stadtkinder haben wieder keine Ahnung von der Natur ringsum….

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Und nun noch etwas für die Raucher unter euch:

Braucht jemand Feuer? Bitteschön!

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In diesem Sinne: Ha det bra!

 

 

 

* Ein Engel trägt sogar das Antlitz von Bob Dylan. Aufgrund dessen, dass das Bauwerk in der Vergangenheit in seinen unterschiedlichen existierenden Formen mehrfach durch Brände zerstört worden ist und es keine verifizierten Aufzeichnungen zu vielen Details gab und gibt, hat man angeblich bei der Rekonstruktion des Erzengels einfach den Musiker als Vorlage verwendet. Dieser hätte sich wohl sogar persönlich für diese Ehre bedankt. Keine Ahnung, ob Letzteres stimmt.

 

 

 

 


Der etwas andere Snack- Norwegen im Schnelldurchlauf IV (05.08.2016)

 

 

Heute mal etwas Passendes zur gleich anstehenden Primetime:

 

Naschwerk:

 

Welcher Mensch ist nicht schon mindestens einmal dem eigenen schwachen Fleische erlegen und maß bequem dahingefläzt*- dabei genüsslich Chips mümmelnd- die Länge des Sofas aus der waagerechten Position heraus aus?!

Wer sich nun ertappt fühlt, braucht jetzt nicht gleich schameserrötet und mit überlaut knisterndem Geraschel das Corpus delicti hinter der Rückansicht verbergen. Ich habe es eh schon gesehen! Gebt euch keine Mühe.

Aber vielleicht möchtet ihr ja auf einen etwas anderen Snack umsteigen? Der ist sicher gesünder, enthält wichtige Fettsäuren  und euren Salzhaushalt habt ihr nach einer Hand voll noch nicht einmal ansatzweise überstrapaziert. Und was für die alten Seefahrer gut gewesen ist, kann für euch nicht schädlich sein.

Klingt verheißungsvoll, nicht wahr?

Nun…lasst es mich jedoch ehrlicherweise so ausdrücken:

Solltet ihr euch nicht am Duft von Trimethylaminen stören, eine Komponente des berühmt-berüchtigten Fischgeruches, dann hätte ich da einen exklusiven Geheimtipp, an dem ihr unter Garantie etwas länger zu kauen haben werdet. Wie schnell verschwindet denn eine handelsübliche Chipstüte! Kaum geöffnet, ist sie auch schon wieder bis auf das letzte Krümelchen geleert. Das kann euch bei diesem Snack nicht passieren.

Ein Mitreisender hatte den Selbstversuch gewagt- er erfreute sich übrigens bezüglich dieses Belanges auch einige Zeit später noch bester Gesundheit- und sein Erfahrungsbericht endete dahingehend, dass die Kostprobe von ihm geschätzte 20 Minuten lang im Mund verblieben ist, um sie ständig kauender- und einspeichelnderweise doch noch gen Magen befördert zu bekommen.

Es handelte sich um Stockfisch, ein typisches Produkt von den Lofoten, wo das Klima derart passend ist, dass die Konservierung von Fisch (insbesondere Dorsch) alleinig durch die Trocknung erfolgen kann. Man entfernt lediglich den Kopf und kehrt das Innerste (des Meeresbewohners natürlich!) nach außen. Danach ist der Fisch hart wie ein Brett. Im Gegensatz dazu gibt es noch den Klippfisch, der jedoch eröffnet und zum Zwecke der Entwässerung einer Salzung unterzogen wird, bevor an die frische Luft gehängt wird.

Früher stand in den Küchen der Holzhütten ein dicker Hackklotz, auf dem das getrocknete Produkt brachial zerteilt wurde. Exemplare dieser grauen Vorzeit kann man jetzt noch in diversen Freilichtmuseen in Augenschein nehmen. Dazumal wurde der Fisch auch eher nicht als profaner Snack verzehrt, sondern war Hauptbestandteil der Mahlzeiten. Man weichte ihn über längere Zeit ein- z.B. in Wasser oder auch Milch- und kochte ihn ganz normal, sobald er seine weitestgehend ursprüngliche Konsistenz wiedererlangt hatte.

Norwegen exportierte den Stockfisch in großen Mengen und auch heute noch schätzt man ihn gerade in Portugal und Spanien bzw. allgemein in der Mittelmeerregion. Bacalhau ist eines der Nationalgerichte Portugals schlechthin und es gibt davon wahrscheinlich mindestens genauso viele Rezepte wie das Jahr Tage hat.

In Norwegen und Island isst man den Trockenfisch aber auch gern roh, als Snack oder Zwischenmahlzeit.

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Vielleicht hat der ein oder andere nun Blut geleckt. Ich könnte es aber genauso gut verstehen, solltet ihr bei Chips und Erdnussflips bleiben wollen. Den Odeur, der mir an einem solchen Stockfischstand entgegengeschwebt war, kann man schon als etwas speziell bezeichnen. Aber womöglich verhält es sich wie mit einem ollen Stinkekäse: Viele der besonders geruchsintensiven Kandidaten stinken mehr, als dass sie letztlich danach schmecken.

 

Also denn: Håper det smake!

 

 

P.S.: Alternativ hätte ich auch noch Folgendes für die Süßmäuler unter uns:

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Knäckäpplen vom Trondheimer Historisk Marked (Olavsfestdagene). Echte Plombenzieher!

 

 

 

* Oh wie liebe ich den Duden, der dieses Wort folgendermaßen umschreibt: In nachlässiger Haltung halb sitzend. Da erscheint der Vorgang des sich der vollkommenen Faulheit Ergebens gleich viel weniger schlimm.

 

 


Die Welt ist ein Dorf- Norwegen im Schnelldurchlauf III (04.08.2016)

 

 

Aufgrund dessen, dass es im hohen Norden momentan des Nächtens immernoch nicht richtig finster werden wollte, hatte ich reichlich Zeit, meine Umgebung ausgiebig bei recht guten Beleuchtungsverhältnissen zu studieren. Doch ich hätte mir noch sehr viel mehr Zeit gewünscht, das Land und vor allem die Menschen darin zu erkunden. Je mehr ich darüber nachdenke, desto stärker bin ich gewillt, besser gleich morgen als irgendwann später in das Land meiner diesjährigen Reise zurückzukehren.

Vorerst werde ich aber wohl doch von Erinnerungen zehren müssen. Oder sollte ich gerechterweise besser „dürfen“ schreiben? Ja, ich werde von Erinnerungen zehren dürfen.

 

Sprache:

Auf meiner Reise traf ich unter anderem einen Niederländer, der sich während der Sommerzeit und der damit verbundenen Touristenschwemme (immerhin 25% davon sind Deutsche) als Guide verdingte. Er lebt bereits seit 10 oder 11 Jahren ganzjährig in dem Land, dessen Name zu Wikingerzeiten geprägt worden sein soll, um für Besucher, Handelstreibende oder einfach nur Interessierte (friedlich gesinnt oder nicht) eine Art Wegbeschreibung abzuliefern, da man die Bewohner schließlich auch damals schon weitestgehend über den „Weg nach Norden“ zu erreichen pflegte.

Dieser Guide klärte mich neben vielen anderen Dingen darüber auf, dass man nicht einfach „Norwegisch“ lernte, sondern dass die Kinder in der Schule sozusagen zwei Muttersprachen in Schriftform lernen dürfen: Bokmål und Nynorsk.

Nynorsk wurde von einem schlauen Mann, dem Sprachwissenschaftler Ivar Aasen, aus einer Vielzahl an regionalen Dialekten zusammengestellt, damit auch die gesprochene Mundart im Sinne der allgemeinen Fortschritts- und Gemeinschaftsbewegung endlich eine amtlich anerkannte Schriftsprache erhielt. Im Bürgertum fand das Nynorsk jedoch weniger Anklang, da es doch eher die Sprache des gemeinen, ländlichen Volkes widerspiegelte. Jedoch auch dort war man sich nicht immer grün mit dem Neunorwegischen, da es doch eine Art Flickwerk darstellte und eine komplexere Grammatik in sich barg. Heutzutage findet man das Nynorsk anteilsmäßig eher im ländlichen Westnorwegen.

Bokmål kann seine eindeutig dänischen Wurzeln nicht verbergen und ist, auch wenn die Norweger sehr stolz auf ihre lang errungende Unabhängigkeit von Dänemark (und Schweden) sind, mit denen sie in wechselnder „Allianz“ mehr oder weniger unfreiwillig verbunden waren, mit am weitesten im Land verbreitet, zählt man die sprachlich neutralen, dennoch eher Bokmål-lastigen Regionen hinzu.

Jede Region bzw. Gemeinde weist mundartlich dennoch weiterhin ihre eigene dialektische Färbung auf.

So kann es sein, dass ein in der Gemeinde Stryn sesshafter Niederländer in anderen Ecken Norwegens als ein waschechter, wenn auch sprachlich vielleicht etwas beschränkter Stryner-Norweger identifiziert werden könnte, so sehr variieren die Mundarten untereinander. In Stryn bleibt er natürlich der ewig Zugezogene.

Er gab diese und weitere Anekdoten stets mit einem überaus sympathischen Augenzwinkern zum Besten. Auch sonst ist er wohl zu jeder Art von Schandtat zu haben. Er war sich auch nicht zu schade, seine „Jungfräulichkeit“ unter Beweis zu stellen, während daheim eine Frau und, ich glaube, 2 Kinder auf ihn warteten. So kletterte er durch einen mutmaßlichen „Beweis-Stein“ mit Loch, von dessen Durchmesser ich behauptet hätte, dass man vielleicht mit 50 oder 60 Kilogramm mehr oder minder bequem hindurchgepasst hätte, ohne Gefahr zu laufen, am Ende doch noch sang- und klanglos steckenzubleiben.

Ich für meinen Teil verkniff mir diesen Test lieber, obwohl es an meinen Ausmaßen im Vergleich zu ihm auch nicht zwingend gescheitert wäre. Doch ich wollte mir eine ungelenke Blamage ersparen. Wer weiß, wie oft er an diesem Stein ohne Zeugen schon geübt hatte! Nein, nein, den Triumph gönnte ich niemanden.

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Beweis-Stein copyright by S. Schott

Über seine Jungfräulichkeit sollte er nun über jeden Zweifel erhaben sein!

 

Die Welt ist ein Dorf:

Während meiner Touren konnte ich neben vielen norwegischen (logisch), schwedischen und dänischen Kennzeichen auch mehrere vornehmlich aus dem Norden Deutschlands stammende feststellen. Selbst Österreich war vertreten!

Doch auch am hintersten Zipfel, auf einem an sich nicht allzu großen Aussichtspunkt, durfte ich ziemlich unerwartet auf ein Fahrzeug treffen, dessen Kennzeichen mich seltsam vertraut an meine Neuheimat erinnerte. Der Fahrzeughalter kam aus selbigen Landkreis, den ich aufgrund der Arbeit vor einiger Zeit zu meinem festen Wohnsitz bestimmt hatte.

Sollte mich der Weg einmal zur Antarktis führen, ich tät mich nicht wundern, sollte ich auch dort zwischen all den dort lebenden Pinguinen auf ähnlich Vertrautes stoßen.

Wir sind überall!

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Damit möchte ich für heute meine Ausführungen beschließen.

Ha det bra!