Fragen über Fragen (29.08.2016)

 

 

Was würdet ihr tun, wenn euch jemand seine/ihre Liebe zu euch gesteht, die in Anbetracht jeglicher Konventionen bar jeder Vernunft wäre und jene Person- selbst vernunftbegabt- zudem trotz aller aufgewühlter Gefühle diese Liebe aus eben jenem Grunde niederzukämpfen versucht, doch ganz offensichtlich nicht recht mit dieser Situation zurande kommt, sich am falschen Ort fühlt und euch, wohl um eine gewisse Ruhe zu erlangen, aus diesem unglücklichen Moment heraus einen (Liebes)Brief schreibt?

Was würdet ihr tun, wenn euch diese Situation seltsam bekannt vorkommt, weil ihr euch vor nicht allzu langer Zeit selbst in einer eben solchen Lage befunden habt und wisst, wie es klingt, wenn ein Herz zerbricht? Euer eigenes.

Was würdet ihr dieser Person raten, wenn ihr aus diesen eigenen Erfahrungen heraus wüsstet, dass die Zeit die eine oder andere Wunde zu heilen und selbst ein entzweites Herz zumindest einer restitutio ad functionem zuzuführen vermag, letztlich aber niemals alles so wie vorher sein wird?

Was würdet ihr raten, wenn ihr wüsstet, dass eine (zufällige) Fluchtgelegenheit euch beim „Vergessen“ geholfen hat, diese jedoch am Ende auch nur wie schützend vorgehaltene Hände verbirgt, was euren Augen unbewusst oder bewusst vorenthalten bleiben sollte?

 

Es existiert kein universelles Allheilmittel, das jedem Individuum und all seinen individuellen Bedürfnissen gerecht werden könnte. Keiner kennt der Weisheit letzten Spruch. Woher also eine Ultima ratio nehmen, die uns oder einen anderen Menschen aus dem Leid zurück zum Glück führt? Wie kann man darauf hinwirken, dass der/die unglücklich (und einseitig) Verliebte zurück in ruhigere Bahnen geleitet werden kann, ohne einen weiteren schmerzhaften Stich dadurch erfahren zu müssen?

 

Außerdem: Ist denn immer gleich alles unter dem vorgeprägten und damit vorbelasteten Begriff Liebe zusammenzufassen, was uns und unsere Herzen bewegt? Meinen wir nicht vielleicht doch etwas anderes, einen Austausch zwischen Seelenverwandten vielleicht, oder ein sich natürliches Ergänzen zwischen Animus und Anima? Wäre dies nicht ein Ansatz, um sich mancherlei Leid zu ersparen, weil alles andere in seiner Verfänglichkeit wider jeglicher Vernunft wäre und hernach gleichsam niemals zum Glück gereichen könnte und- von außen betrachtet– dürfte?

Vermag uns dieser Gedanke zu trösten, dass es womöglich doch nicht die Liebe selbst ist, die uns umtreibt? Oder würden wir uns nur wieder selbst belügen und damit etwas mühsam zu verschleihern versuchen, das wahrhaftig sein könnte?

Fragen über Fragen.

Doch wer kennt die Antworten?

 

 

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10 responses to “Fragen über Fragen (29.08.2016)

  • Ingwer

    Nun ja, man weiß nicht, was zum Glück führt.
    Aber man hat seine Erfahrungen.
    Und ob es gut ist, jemandem etwas zu erlauben oder zuzugestehen, nur weil man weiß, wie schmerzhaft das Verbot wäre?

    Wie realistisch wäre denn ein „Ja“?

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    • senftopfherausgeber

      Ich weiß nicht, welcher der rechte Weg zum Glück der anderen sein soll. Ich kenne noch nicht einmal meinen eigenen und ich bezweifele, dass irgendjemand im Stande wäre, diesen für sich vorhersagen zu können. Zu viele Variablen und Unbekannte spielen hinein.

      Etwas zu verbieten oder zuzugestehen, das obliegt genauso wenig meiner Macht. Erst recht nicht in derlei Angelegenheiten, wo nicht die kühle Ratio aus uns spricht, sondern etwas viel, viel Unberechenbareres.

      Eines nur, Ingwer, müsstest du mir noch einmal darstellen:
      Worauf bezieht sich die Frage nach dem „Ja“ genau?
      Meinst du, ob es realistisch wäre, Trost darin zu finden, etwas anderes als eine zum Scheitern verurteilte, weil einseitig bestehende, Liebe sehen zu wollen?

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  • Ariana

    Liebe geht manchmal seltsame Wege und antworten kann nur das eigene Herz….

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    • senftopfherausgeber

      Ich für mich persönlich kenne die Antwort.
      Ich wünschte nur, dass es dem Part am anderen Ende der Schreibfeder genauso ergehen würde.

      Es gibt Dinge, die gleichen dem Griff nach den Sternen, doch auch die Einsicht, diese wahrscheinlich niemals erreichen zu können, muss nicht bedeuten, dass man nicht dennoch eine tiefe Verbundenheit zu ihnen verspürt. Auch wenn der Blick oder die Erinnerung schmerzt.

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      • Ariana

        Tiefe Verbundenheit zu spüren/fühlen ist etwas sehr schönes und beruht doch meistens auf Gegenseitigkeit…

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      • senftopfherausgeber

        Mehr oder minder ähnlich stark ausgeprägt, ja.
        Doch manchmal sollte es einfach nicht sein, dass beide Parts daraus gemeinsam etwas weiterentwickeln.

        Ich habe versucht mit offenen Karten zu spielen. Dennoch ist da auf der anderen Seite offenbar im Laufe von Gesprächen mehr erwachsen, als ich je gedacht und vor allem gewollt hätte.

        Damals (in einem genau umgekehrten Fall) habe ich es mich nicht getraut und bin mittlerweile froh, dass es so war.
        Es hat eine ganze Weile gebraucht, bis ich das Kapitel für mich schließen und als kleine Schwärmerei „abtun“ konnte.
        Nur manchmal versuche ich noch im Stillen und ganz für mich alleine durch die Seiten unter dem schweren Buchdeckel zu blättern. Auf eigene Gefahr.

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  • Es Marinsche kocht

    Was es ist

    Es ist Unsinn
    sagt die Vernunft
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe

    Es ist Unglück
    sagt die Berechnung
    Es ist nichts als Schmerz
    sagt die Angst
    Es ist aussichtslos
    sagt die Einsicht
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe

    Es ist lächerlich
    sagt der Stolz
    Es ist leichtsinnig
    sagt die Vorsicht
    Es ist unmöglich
    sagt die Erfahrung
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe
    ( Erich Fried )

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    • senftopfherausgeber

      Ich kann nichts von mir selbst erzwingen, das nicht existent ist und über- wie in diesem Fall- mehr als eine gute und anregende Konversation hinausgehen würde.
      Es wäre falsch, auch wenn es den anderen Part vielleicht für einen Augenblick lang glücklich machen würde, wenn ich darauf positiv einginge.
      Ich denke, dass dies am Ende mit Sicherheit mehr kaputt machen würde, als dass es irgendjemandem von Nutzen sein könnte.

      Es ist gut zu wissen, dass es da draußen noch eine Person gibt, die offen gesteht, mich zu verstehen und leider auch etwas unglücklich zu begehren (was defintiv zu keiner Zeit mein Anliegen war).
      Alles andere muss nun die Zeit und der räumliche Abstand regeln, auch wenn das hart daherkommt.

      Es ist besser so!

      Ich danke dir für die Übersendung des Gedichtes und versuche, die darin enthaltenen und sich daraus noch entwickelnden Gedanken in Worte zu fassen, damit ich nicht mehr länger einer Antwort schuldig bleiben muss.
      Ein Brief ist in Arbeit.

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      • Es Marinsche kocht

        Vielleicht gibt es ja tatsächlich eine Art von Menschenliebe, die allumfassend ist….Liebe, die nicht begehrt, die nichts mit Beziehungsliebe zu tun hat…

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      • senftopfherausgeber

        Du triffst mit deinen Worten auf den Punkt!

        DARAN glaube ich und hoffe, dass alles noch in diese Richtung gelenkt werden kann, sollte es diese wider Erwarten nicht bereits eingeschlagen haben. Gegen Letzteres spricht jedoch, dass bereits die Vernunft offen benannt im Spiel war und eben diese eine gewisse Abwegigkeit der Gedanken und Gefühle eingeräumt hat.

        Deine Zeilen haben mich in jedem Fall wieder ein Stück zur Klärung hin vorangebracht (wie auch die anderen Kommentare von Ariana und Ingwer).
        Es dankt
        S.

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