zu: Metamorphose

 

Weil Marinsche mir unterschwellig nahegelegt hat (War das schon die berühmte Pistole auf der Brust? 😉 ), dass man, wenn man A sagt, auch B sagen müsse:

Zwei Gedankenansätze zu: Metamorphose.

Kann man sich durchlesen, muss man aber nicht. Bei allen Interessierten bedanke ich mich vorab für die aufgewandte Lebenszeit.

 

 

VERSION 1:

Ist es das Ende, das tröstende Lied, der mutige Abgesang auf alles, bevor wir uns gänzlich im Nichts verlieren?

Ist es die Hoffnung, die uns emporhebt aus den Tiefen unseres Gedankenmultiversums, uns liebevoll bei der Hand nimmt, bevor wir uns im Unbeschwertheit verheißenden Nichts verlieren?

Verwelkt die Knospe noch bevor aus ihr eine Blüte entspringen konnte?

Entspringt unweit nicht vielleicht doch bereits ein neuer, frischer Trieb?

Suchen wir als verirrte Handlungsreisende nach Auflösung unserer Rolle in diesem tragischen Stück namens Leben, nach dem personifizierten Deus ex machina oder irgendeiner anderen unerwarteten Wendung, die uns ohne weiteres eigenes Zutun aus diesem in ein anderes Dasein fortreißt? Vom Regen in die Traufe.

Oder suchen wir die Enden der uns dirigierenden Fäden, um unsere Geschicke selbstbestimmt in die Hände zu nehmen?

Ist der Aufstieg ins Ungewisse nicht in Wahrheit ein Abstieg zu unseren Grundfesten, welche wir schockstarr in Selbstaufgabe befindlich in Schutt und Asche liegend vorfinden müssen?

Ist der Aufstieg ins Ungewisse nicht in Wahrheit ein Abstieg zu unseren Grundfesten, eine Notwendigkeit, um uns im bereits nur noch flackerndes Licht ausstrahlenden, vor Jahren zum Zwecke des reinen Überlebens hierher in die Ruinen zurückgezogenen Selbst wiederfinden zu können? Zurück zu den eigenen Wurzeln.

Spielen wir die Rolle des mahnenden, zögernd ängstlichen Parts, der sich lieber in der eigenen Leere mehr schlecht als recht einrichtet, als den letzten entscheidenden Schritt über die Kluft zu gehen?

Oder erklimmen wir getrieben von wunderbar irrationalen Einflüsterungen aus der eigenen Mitte heraus die Sprossen einer Leiter, an deren Ende wir nichts zu erwarten haben und doch viel gewinnen können?

Lohnt sich der schweißtreibende, schmerzliche Weg?

Lohnt denn das Ausharren in der Kälte?

Ist es der Tod, den wir erwarten?

Ein kaltes Licht.

Oder ist es das Leben, das uns erwartet?

Eine wärmende Sonne.

Wollen wir in den Worten Trost finden?

Oder Hoffnung?

Es liegt ganz bei einem jedem selbst, was er oder sie zu finden wagt, hofft, wünscht, vielleicht auch finden muss.

 

 

 

VERSION 2: Von der Entfaltung eines Schmetterlings:

Mit jedem Entwicklungsschritt, den wir zu gehen wagen, bleibt etwas von uns unweigerlich zurück. Manches bedauern wir lediglich wie beiläufig, manches ist rational akzeptable Bedingung, um uns aus einer alternativen Stagnation, die unweigerlich das Ende bedeuten würde, zu befreien, anderes wiederum entlockt uns ehrliche Trauer.

Augenblick verweile doch. Du bist so schön!

Doch wie soll sich aus der ewig währenden Schönheit des Momentes ein Schmetterling entfalten können?

Ist es Bestimmung, im Geborgenheit suggerierenden Ei zu verharren, sich als Raupe konservierend zu ewiger Jugend zu verpuppen?

Dem Imago nötigen Freiraum zu gewähren bedeutet, sich des schützenden Kokons um sich herum zu entledigen, sich angreifbar zu machen, sich bloß zu legen, für Enttäuschung und Schmerz empfänglich zu machen, vielleicht zu fallen, zu scheitern, irgendwann unterzugehen und doch auch, um Außenstehendes zu verinnerlichen, in sich aufzunehmen und daran zu wachsen.

Sollte das Ich einen Versuch wagen?

Der Zauderer würde dies vehement verneinen. Zu unberechenbar wären die Konsequenzen.

Doch insgeheim schickte vielleicht auch er den getreuen Zwilling hinauf ins Licht, mit der vagen Hoffnung, dass mindestens ihm es gelänge, sich von der trägen, zögernden zweiten Hälfte am anderen Ende der Leiter zu lösen, diesen und anderen Balast abzustreifen und sich der Außenwelt zu öffnen.

Ob im selben Moment auch die in der Tiefe zurückgebliebene Ratio die abertausenden Schmetterlinge auf der Haut spüren kann, wie es das vorausgeeilte Herz bereits vermag?

 

 

 

Aus anregenden Wortwechseln (Vielen Dank an euch beide!)  in der Kommentarfunktion des Beitrags „Metamorphose“ kann jedoch nur ein Schluss gezogen werden:

Jeder liest für sich etwas anderes heraus. Manche Ansicht gleicht oder ähnelt sich zumindestens. Vieles regt zu weiterführenden Gedankengängen an. Es gibt nicht nur zwei oder drei Deutungsebenen. Man hat sogar die Option, nichts darin sehen zu wollen/zu müssen, oder sogar alles ignorieren zu können, weil es einen einfach nicht interessiert.

Und DAS ist gut so!

 

 

 

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8 responses to “zu: Metamorphose

  • Es Marinsche kocht

    Oh weia……das was ich da angerichtet habe hast Du aber nett hergerichtet 🙂 wobei mein Einwurf war das wenn Du Dir wünschst das Menschen A sagen ( in der Kommentarfunktion ) auch Du dann mal irgendwann A dazu sagen solltest…..Du wünschst Dir quasi das wir unseren Senf dazugeben….dann gib Du uns doch bitte auch den quasi Ursprungs(Gedanken)Senf dazu…..Herr von und zu STH……weisste 😉 danke dafür 🙂

    Spontan gefällt mir Deine zweite Version besser…..aber ich muss es mal setzen lassen…..das sind ja wirklich herrliche, tiefsinnige Gedankengänge….

    Gefällt 1 Person

    • S[Punkt]

      Einen Herrn von und zu gibt es hier nicht. Sie müssen sich verwählt haben. 😉

      So viel A[aaaa]….das ist hier ja wie beim Zahnarzt. Nur schöner. 🙂
      Übrigens:
      Wenn sich alles gesetzt hat….tu dir keinen Zwang an, etwas ergänzen zu wollen.

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      • Es Marinsche kocht

        Oh…..dann….äh…..Moment ich komm nochmal rein……

        Es ist die zweite Version geblieben, die im Nachhall klingt…..man hat immer die Wahl….weitergehen oder stehenbleiben….und immer bleibt etwas auf der Strecke….und Offenheit bedeutet immer auch Empfindsamkeit bzw. die Gefahr verletzt zu werden…..

        Aber da wo unbewusstes wirkt werden wir ein Stück weit geleitet…..da wo wir intuitiv handeln….und oftmals ist der Verstand träge und es dauert etwas bis er hinterher kommt…..seine Zweifel hinter sich lässt ( ja-a auch er muss etwas hinter sich lassen )….

        Aber wen stört es wenn das Herz / der Bauch / die Intuition uns zum Fort-schritt bewegt hat…..zum reifen am Fortschritt….

        Und irgendwie habe ich nun andauernd „Stufen“ von Hermann Hesse im Sinn 😉

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      • S[Punkt]

        Hermann Hesse, die alte Socke!
        Der käme jedenfalls bei mir nicht von ungefähr.

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  • Joan Quade

    zu deinem Schluss: Ein guter Freund meinte einmal zu mir (ich glaube es entstammt dem guten Sartre), „Sobald du etwas vollendet hast, gehört es nicht mehr dir.“ Eine Anspielung auf die (Be)Deutung der Kunst für den Einzelnen.

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