Archiv der Kategorie: Musik

VERTIKAL, MIT 11 BUCHSTABEN: Steigerung von genial?! (08.06.2017)

 

 

DEPECHE MODE.

 

Das war wieder ein Fest und ich bin überzeugt davon, dass der zwischenzeitliche, theatralisch perfekt inszenierte Regenschauer von DeMo im Vorfeld bestellt worden ist, um Martin L. Gores engelsgleichen Gesangsbeitrag zu untermalen. Wäre man kitschig veranlagt, könnte man meinen, der Himmel sei zu Tränen gerührt gewesen. Oder Petrus hat auf seiner Wolke vor Ergriffenheit schlichtweg sein Bier (für die Minderjährigen: Wasser) verschüttet. Zum Glück trinkt man das für gewöhnlich nicht crushed-ice-gekühlt. Wobei etwas Abkühlung für Dave auch nicht unpassend gewesen wäre: Der lief nämlich wieder auf Hochtouren. Heiß. Unermüdlich. 😉

Für all sein Charisma braucht es einfach große Bühnen. Er braucht nur die Hüften lasziv zu schwingen und schon fliegen ihm die allerletzten, flatternden Herzen entgegen. Allerspätestens nach „Cover Me“ oder dem tragenden „Poison Heart“ sollte es um jede/n geschehen sein.

Und dann gibt es zwischendurch immer wieder diese eingestreuten, fragilen Momente mit Martin Gore, die ebenfalls bis tief ins Innere greifen. Anders. Sanft, aber definitiv nicht weniger fesselnd.

Die Mischung aus diesen leisen, die Seele beinah zärtlich streichelnden Momenten und den ganz großen DeMo-Krachern war für meinen Geschmack sehr gut getroffen. Dave und Martin ergänzen sich in ihrer gewissen Gegensätzlichkeit perfekt. Der eine pulvert und wirbelt, was das Zeug hält, kann aber auch stillere Töne anschlagen, und der andere klärt in vollkommener Unschuld „A Question of Lust“. Fletcher tat wie die anderen Mitstreiter ebenfalls sein bestes.

In all der „Going Backwards“-Rückschrittlichkeit der heutigen Zeit, wo „Everything Counts“, alles „Corrupt“ ist und man jeden Tag in „Barrel(s) of a Gun“ schaut, es nach „A Pain that I’m Used to“ verlangt, weil alles „Wrong“ erscheint, sind das jene Augenblicke, die einem helfen, etwas aus einer anderen Perspektive („World in my Eyes“, „Walking in My Shoes“) zu sehen und erkennen zu können, dass Stille („Enjoy the Silence“) ein hohes Gut ist, um zu sich selbst zu kommen, den goldenen Käfig in sich zu öffnen und sich von unnötigen Lasten zu befreien („Stripped“), aufzusteigen, in der Hoffnung, nicht sofort wieder hart und schmerzlich auf den Boden der Tatsachen herabzustürzen („Never Let Me Down Again“), sich von seinem „Personal Jesus“ zu befreien und an das Wahrhaftige zu glauben.Wir sind doch alle „Heroes“ (eine Verneigung an David Bowie) unserer eigenen, kleinen Geschichten. Das sollte man sich nicht zerstören lassen. Von nichts und niemandem.

There is „So Much Love“.

 

 

….

And I, I will be king
And you, you will be my queen
Though nothing
Will drive them away
We can beat them
For ever and ever
We can be heroes
Just for one day

…..

(David Bowie, „Heroes“)

 

 

 

 

 


Klappe, die Zweite. (07.06.2017)

 

 

 

Man könnte meinen, es sei erst gestern gewesen: Das DM-Konzert in meiner ehemaligen Studienstadt.

Die mit dem „Auerbachs Keller“. UND mit diversen diabolischen (diavoloisch scharfen) Gesellen, die es nicht nur schaffen, ehrbare Studiosi mit etwas zu stark ausgeprägtem Wissens- (und Macht-)Hunger blutsbrüderlich fehlzuleiten, sondern auch auf meiner Zunge Tango zu tanzen.

Was uns nicht umbringt, macht uns stark. Das sagten schon die alten Azteken.

Moment.

Da war doch was….

Egal. Wird schon nichts wichtiges gewesen sein. Zumindestens nichts von geschichtsträchtigem Wert…

Da der Mensch gemeinhin dazu neigt, vergesslich zu sein, oder es im Laufe der Zeit zu werden (manche nennen es auch je nach Situation Verdrängungsstrategie)…

[Nein, ich bestelle mir heute keine Diavolo vor dem Konzert*. 🌶]

….höre ich mir das Programm noch ein zweites Mal an. Weil es so schön war und damit es noch ein Weilchen durch meine Gehörgänge nachhallen kann (ohne Tinnitus versteht sich).

Live ist eben doch etwas anderes. Das verhält sich wie mit „frisch gekocht“ und „aus der Konserve“. Dosenfutter ist für Notstandszeiten und zwischendurch ausreichend, aber an das vor den eigenen Augen Selbstgemachte reicht eben nichts heran.

 

In diesem Sinne….speise ich heute mal wieder auswärts.

S [Punkt]

 

 

* Ich mache es mir ohnehin lieber selbst. Das Essen.

 

 

 

 


Zugabe (28.5.2017)

 

Was soll ich sagen…die Nacht war kurz! Doch die sich daraus erwachsenden Augenringe haben sich definitiv gelohnt. 😉

 

Depeche Mode ist eines der (urgesteinigen) Musikphänomene, die man sich (und ich mir im Besonderen) nicht wegdenken kann, geschweige denn, missen möchte.

Es war ein Fest. Bei herrlichstem Wetter (und die Sonne verkrümelte sich ja auch irgendwann).

Und dann spielte die Kombo auch noch das Lieblingslied meiner DM-Lieblingslieder: „Never let me down again

Wie bestellt!

Unglaublich.

 

Und weil es so schön war, geht es demnächst in die zweite Runde. Kurz entschlossen heute noch bestellt. Das Geld ist mir dann wirklich nicht an den Hintern gebacken. Dafür lohnt sich das Verbraten des einen oder anderen Nervenendes zum Zwecke der eigenen Grundversorgungs- und Wohlstandsabsicherung (alias Arbeiten). Bei den Nullzinsen (bzw. Minuszinsen durch Kontogebühren) investiere ich lieber hin und wieder mal in eine gute Sache….ganz allein für MICH und nicht für irgendwelche Manageretagen oder andere Blutsauger, die sich an meinem Lohn gutstoßen. Wie gut, dass ich in der betreffenden Woche sowieso der holden Freizeit fröhnen wollte.

Wie bestellt.

Zum Zweiten.

 

Zufrieden und erfüllt: S [Punkt]

 

 

P.S.:

Pepperonies auf einer Pizza Diavolo (Hey, der Teufel steckt eben im Detail!) können scharf sein! Ich meine, ich esse gern mal etwas schärfer, aber DIE…?! Holla, the forestfairy! Was soll’s. Nur die Harten kommen in den Garten!!!

P.P.S.:

Ich habe die scharfen Dinger beiseitegeräumt. 🙂 Sollte es irgendwo in Deutschland drei Tropfen geregnet haben….MEA CULPA! 😉

 

 

 


Abendprogramm (27.05.2017)

 

 

Ich bin dann mal unterwegs.

Nach Leipzig.

Depeche Mode hören. 🤘😎

Quasi in gediegener Wohnzimmerathmosphäre. Mit nur 69.999 anderen zusammen. 😉

 

Ick freu mir!

 

 


Ich bin…begeistert. (09.03.2017)

 

 

Lange fristete die CD ihr Dasein auf meinem Stapel der noch zu hörenden Silberlinge.

Die Hörproben im Laden waren schon gut, aber (wie so oft) noch nicht völlig aussagekräftig. „The Jezabels“ sollten dennoch eine Chance bekommen. Doch dann geriet „Synthia“ daheim mehr oder minder in Vergessenheit.

Bis ich sie doch (endlich!) aus dem Dornröschenschlaf erweckte.

 

„Come Alive“

Gather round all you young, heed my warning
When you’re young and you’re lovely, there are voices
That pull you down like some malady inside us
But not yours and not mine in her likeness

I come alive, I come alive
I come alive, I come alive
This whole week since you arrived

They seek the shade that you can only get from the holes in her body
That’s the allure of the smoke and the stars and the call to the oven
And all the women who’ve fallen before me were tipping the scales
But somehow the allure of the smoke and the stars can no longer pull me

I come alive, I come alive
I come alive, I come alive
In true love to feel right
Allow myself more than those mothers were allowed
And more love in my life than suicide

And if you say, if you do dare to say
That it’s all in my mind
When every trouble that you care to relate to was born of a mind
And up against the letters of my betters
Who wrote I should be in the ground
I come alive, I come alive
I come alive, et je revive

I come alive, I come alive
I come alive, I come alive
To feel we are certified
Je revive, et je revive
Les joies de vivre
I come alive and out into the real
I come alive

[The Jezabels; Synthia; Come alive]

Es empfiehlt sich das Originalvideo dazu anzuschauen.

 

Ich bin begeistert.

Ein bitterer Beigeschmack schwingt jedoch retrospektiv betrachtet mit, schließlich schlug auch hier die Unsäglichkeit cancer disease zu. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, hat „Come alive“ noch eine weitere Bedeutungsebene hinzugewonnen. Ein Lied über und für starke Frauen.

Je revive, et je revive
les joies de vivre.

 

Viel Freude beim Musik-Stöbern!

S [Punkt]

 

 


Heute schon „Weihnachten“ gehabt? (05.12.2016)

 

 

…wenn nicht, dann braucht ihr keinen Grund zur Sorge haben…mindestens eine Chance habt ihr in diesem Jahr noch.

Ich selbst habe mich heute quasi selbst beschenkt. Ganz unverhofft.

Umso besser!

So landete spontan die „In Transit“ von Covenant in meinem „Einkaufswagen“ beim örtlichen Musikdealer. Inklusive einer gratis Beipflichtung des Verkäufers, dass diese seine persönliche Lieblingsmusik-CD/DVD in diesem Genre sei. Genau aus diesem Beweggrund nenne ich sie ja nun auch mein Eigentum. Nach einem kurzem Plausch zum letzten Konzert und zur aktuellsten Scheibe (wir waren uns einig, dass sie wirklich gut, wenn auch für den abgelutschte Einheitsware gewohnten Mainstream-Gaumen offenbar etwas „sperriger“ geraten ist) hatte ich es sehr eilig, nach Hause zu kommen.

Ick freu mir! So ist das letzte Konzerterlebnis wieder ganz nah.

 

Solche Überraschungen sind doch eindeutig die schönsten Geschenke, nicht wahr? 🙂

Es grüßt

S[Punkt], glückselig und zufrieden.

 

 

 


Klappe die zweite (06.02.2016)

 

Aus dem Hause „postmondän“ darf ich nun einen zweiten Autoren recht herzlich begrüßen!

 

Wenn ich mir Stil und Inhalt der „Postmondän“schen Runde betrachte, hoffe ich doch sehr, dass es hier nicht zur subakut auftretenden geistigen Unterforderung kommt.

Eindeutige Symptomatik, die durch reflektorisch induziertes, überweites Öffnen des Mundes mit gleichzeitig forcierter Inspiration (Einstrom von Luft) gekennzeichnet ist, sollte nicht in Form von heldhaftem Durchstehen ignoriert werden. Diese überaus gefährliche Form der für den ersten Moment als idiopathisch ausgemachten Somnolenz könnte für heftige Kopfschmerzen (unfreiwillige Bekanntschaft mit der Tischplatte vor sich) sorgen. Die Autorenschaft haftet in solchen Fällen für Folgeschäden ausdrücklich nicht, wäre darüber aber überaus unglücklich!

Warnung genug?

Fühl dich hier trotzdem gut aufgehoben, Gregor van Dülmen! Herzlich willkommen!

 


Zurück aus der Gruft…VERFALLEN (31.10.2015)

 

Ach, es war wieder ein Fest, der Formation „ASP“ anlässlich der VERFALLEN-Tour in heimischen Gefilden lauschen zu dürfen.

 

Wer mit diesen drei Buchstaben nur Aufbauseminare zum Punkteaubbau (renitenter Temposünder?!), Computerkram, den Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb Paderborn oder Abenteuerspielplätze assoziiert, der sollte seinen Horizont um eine weitere Option ergänzen.

ASP betreiben Gothic Novel Rock und kreierten damit dereinst ihre höchsteigene Sparte. Erzählerisch werden mal feinfühlig, mal krachend-brechend Schauergeschichten und gesellschaftskritische Thematiken dem geneigten Hörer in Ohr und Hirn gepflanzt, welche vom willigen Rezipienten im Stillen noch viel, viel weiter und stets im eigenen Ermessen fortgeführt werden können.

Die EINE Wahrheit und Deutungsmöglichkeit gibt es nie.

Stattdessen kann und darf man sich auf selbst entdeckten Pfaden im Unendlichen eines fürwahr oft finster gezeichneten, vermeintlich unergründeten Gemäuers verlieren, welches in aller Unwirtlichkeit immer ein gewisses Eigenleben zu beinhalten scheint und dessen Erbauer niemand anderes als man selbst ist. Das dargebotene Fundament hierfür läd mit offenen Armen ein und verblüfft mit filigranen Details wie auch rauhen, herausgesprengten Ecken und Kanten.

Der Düsternis verpflichtet zu sein bedeutet jedoch keinesfalls in Destruktivität zu schwelgen. Im Gegenteil! „0-8/15-Wir-schneiden-uns-jetzt-alle-die Pulsadern-auf-!„-Musik darf man hier generell nicht erwarten. Genausowenig Gebrauchsanweisungen zum Zelebrieren satanistischer Rituale oder leichte/seichte Schonkost. Jedes Wort, jeder Satzbau und jeder Reim erfüllt seine ihm bewusst zugedachte Funktion. Beachtenswert vom Künstler zugelassene Sensibilität, Verletzlichkeit gepaart mit Treffersicherheit in Wort und Gefühl, sowie gezielt eingesetzte vielfältige Deutungsebenen vermögen zu provozieren, geistig zu aktivieren und gleichsam auch sich und die Umwelt konstruktiv zu reflektieren.

Kunst ist Geschmackssache. Erst recht gilt dies für Musik. Doch wenn man sich auf dieses im Kopf stattfindende Varieté Obscur einzulassen wagt, wird man sofort sanft leitend bei der Hand geführt mitgenommen oder wahlweise von einem tosenden Strudel fortgerissen, bis man am Ende immer wieder ganz bei sich selbst zum Stehen kommt, als wäre man auf eine Reise gegangen, während derweil die für solche phantastischen Ausflüge unnötig lastende Hülle am Ausgangspunkt verharrte. Manchmal braucht es einfach nur einen kleinen (An)Stoß. Vergleichbar ist dieser Effekt mit einem fesselnden Buch, dessen Geschichte uns in den Bann zu ziehen vermag, welche erst auf der letzten Seite zur gnädigen Freigabe geneigt zu sein scheint, um uns unserem Selbst doch wieder zu überlassen.

Umso spannender wird es, wenn Geschichten- dabei Phantastik und mögliche Wirklichkeit zur Untrennbarkeit miteinander verwebend– um reale Schauplätze herum gesponnen werden, deren feines erzählerisches Gespinst und real existierende Bilderwelten den Zuhörer an sich zu ketten vermögen, als wäre man Protagonist und aus der Ferne lauschendes, sich in Sicherheit wähnendes Publikum in einem.

Zu gern würde man schlussendlich den Schauplatz aufsuchen und die Geschichte bis in den hintersten Kellerwinkel ergründen. Oder was denkt ihr, welche persönlichen „Souvenirs“ ihr so auf euren alltäglichen Wegen hinterlasst….nehmen wir an zum Beispiel während eines Hotelaufenthaltes? Sind es nur ein paar Haare im Abfluss oder ist es vielleicht doch viel, viel mehr?!

 

Eine Hörempfehlung für alle Nicht-Haar-im-Abfluss-Phobiker:

ASP „Verfallen Folge 1: Astoria“

Kai Meyer hat hierfür eine exklusive Kurzgeschichte zum Leben erweckt, welche sich in den altehrwürdigen Gemäuern des mittlerweile arg baufälligen Hotels Astoria in Leipzig der Jetztzeit herum ansiedelt. Mastermind Asp griff im Zuge dieses gemeinsamen Projektes deren Handlung in aktiver Kooperation mit dem befreundeten Phantasyautoren auf und versetzte seinen Teil des Erzählstranges in die frühe Nachkriegszeit des 1.WK (1919) mit all den Umbrüchen, Wirrungen, Hoffnungen und Sehnsüchten. Bewusst platziertes musikalisches Cross-over* (auch für das Genre ungewöhnliche, aber an dieser Stelle mehr als passende und vor allem gezielt mitreißende Tangorhythmen halten Einzug!) und eingeschobene, die Erzählung vorantreibende, zum Großteil klanglich unterlegte Zwischentöne führen den Zuhörer in eine Schauermär ein, deren Ausmaß zwar angedeutet, aber noch nicht wirklich zu ermessen ist und deren Geheimnis erst im zweiten Teil endgültig gelüftet wird.

 

 

Wenn ihr mal Lust auf ein Experiment habt, dann sei euch diese Gothic Novel wärmstens ans Herz gelegt. Die zusätzliche Kurzgeschichte von Kai Meyer gibt es als Bonus in der limitierten Novel-Edition. Das hierfür verlangte Geld ist mehr als gut angelegt und spottet jeglichem Vergleich mit den Werken anderer Künstler, die für viel mehr Euronen viel weniger Herzblut und Engagement abliefern.

Lasst euch von den Begriffen wie Gothic-Rock und Gruftmucke nicht verschrecken. Wir sind gemeinhin harmlos (Verrückte gibt es überall)…und wollen nur (mit euch^^) spielen!

 

 

 

 

* Ich zitiere mal von der Homepage:

„[…] Die musikalische Vielfalt wird auf dem neuen Album absolut großgeschrieben! Natürlich bauen ASP auf ihr gewohntes Fundament aus Gothic-Rock und Metal, aber passend zur Thematik bedient sich die Band diesmal an Elementen aus Drone Doom, Chanson, klassischen Filmscores und sogar dem Tango! Wie ASP das alles unter einen Hut bekommen haben? Man darf freudig gespannt sein.[…]“ www.aspswelten.de

 

 

 

 

 


Rollende Diskotheken (03.09.2015)

 

WUMM, WUMM, WUMMMM….so manches Auto, welches serienmäßig nicht mit einem Martinshorn ausgestattet ist, hört man erst, als dass man es sehen würde.

Zuweilen korreliert die Lautstärke aus dem Innenraum auch recht deutlich mit dem Tuning-Grad der Außenhaut.

Nennen wir dieses Phänomen mal eben „Diskokugel-Mimikry“.

ABER nicht immer darf man den Erwartungen Folge leisten. Auch Familienkutschen haben es gelegentlich faustdick zwischen den Lautsprechermembranen.

Von ultra“hippem“ Schlager bis hin zu elektrifiziertem Bassgedröhne ist alles vertreten, was man der unbeteiligten Umwelt auf die Ohren zu geben wagt. Am besten leiert man hierzu noch das Fenster bis fast auf den Asphalt herunter. Die Kirsche auf dem Sahnetupfer wäre ein breitspurig aus der Karosse ausgelagerter Ellbogen, an dessen Ende eine Hand locker fluffig mit 2 Fingern (der Arm ist zu kurz!) am Lenkrad kurbelt.

Ich halte mich aus solchen akustisch dominierten Wegmarkierungen grundsätzlich heraus.

Nein!

Fast immer.

Wenn ich jedoch mal etwas lauter werde, dann ganz allein für mich. Mir ist dabei egal, ob das draußen hinterm Fensterglas jemand hört oder nicht.

Gute Musik gehört unter ordentliche On-Ear-Kopfhörer…oder in feine Musikanlagen eines Autos. Da bekomme ich selbst bei 35°C noch eine Gänsehaut, wenn das richtige Lied meine Trommelfelle liebkost.*

Faszinierend empfinde ich die Wirkung, wenn draußen der nächtliche Morgennebel im Scheinwerferlicht wabert und drinnen ein Lykanthrop** sein Unwesen treibt. Herrlich schaurig!

 

 

 

*z.B. ASP, „Spiegelauge Part V: Spiegel“; „Ballade von der Erweckung“; uvm.

** ASP, Lykanthropie


Aufklärungsarbeit mal anders…auf die knallharte Tour. (4.11.2014)

 

Ein Beitrag einer Mitleserin (IndesTeufelsKüche) dieses Blogs bezüglich des Lebens zwischen Goths und Nicht-Goths (Sorry für die feuchte Aussprache!) hat mich zu folgenden Worten verleitet, die augenzwinkernd um Aufklärung für ein verständnisvolles und von Angst befreites Miteinander werben sollen.

Dann mal los!

 
Werter Leser, werte Leserinnen, liebe Normalos, liebe Normalinnen, an alle Nicht-Goths, Zeugen Jehovas und Exorzisten,

um es eilig und nervenschonend unspannend vorweg zu nehmen, ja, wir gehen ständig auf Friedhöfe, buddeln dort Leichen aus, beten Satan an und sind die ganze Zeit total traurig.

 

Das Lachen haben wir nämlich nach dem Herauswachsen aus den Kinderschuhen (oder bereits vorher?) verlernt und falls doch noch rudimentär etwas von diesem abartigen Gefühlszug übrig geblieben sein sollte, dann gehen wir hierfür in den Keller, um uns dort ausgiebig und selbstgeißelnd dafür zu schämen.

Fleisch wird generell im rohen Zustand verzehrt…selbst von den Veganern unter uns. Aus Prinzip! Als bekennende Saucenfetischisten brauchen wir hierzu immer reichlich blutigen Fleischsaft.

Vor dem Schlafengehen (kurz vor dem Morgengrauen) wird noch artig der wehrlose Teddy geknebelt und dem Gott der Unterwelt (um Bobs Willen nicht mit dem Teufel verwechseln!) gestiftet, bevor wir uns selig in grausame Alpträume begeben dürfen.
Erst bei Eintritt der Dunkelheit öffnet sich der als Schlafstätte dienende hochwertige Sarg aus poliertem Kupfer wieder.

Tarantula ist nicht unser einziges Haustierchen, schließlich zählen noch eine äußerst verfressene Fledermaus, ein halbwilder Bluthund (hört fast nicht aufs Wort) und ein zugelaufener Werwolf zum pelzigen Inventar.
Die der Pestilenz verdächtigte Ratte Mimi mit den lustig rotglühenden Augen ist leider von der liebenswerten, aber etwas kratzbürstigen Nachbarskatze verstorben worden und steht jetzt ausgestopft in der zum Schrein umfunktionierten Vitrine. Ein bisschen aufdringlich riecht sie dort zwar vor sich hin, wenn man aber die Glastür konsequent geschlossen hält, ist es selbst für Mitarbeiter einer Kuttelei erträglich.

Die Wohnung darf man sich auch nicht fälschlicherweise als gewöhnlich vorstellen, schließlich liegt sie zum Teil unterirdisch, in verfallenen Schlossruinen oder in vergessenen Katakomben und Kellergewölben. Ganz ausgeflippt Freaks unter uns leben spartanisch unter euren Betten oder im Schrank. (Immer schön nachgucken vor dem Schlafen!)

Wie sieht denn so unser trüber Alltag aus, mag sich der ein oder andere an dieser Stelle fragen?
Naja, fast hätte ich es schon verraten. Hihi! Moment..habe ich schon…Trübsal blasen!
Echte Gefühlsregungen jenseits von Melancholie, dem Drang nach Selbstauslöschung und der abgrundtiefen Verachtung vor dem Leben ringsum sind ein Gerücht. Aber absolut!

Um ein wenig Licht in unsere innerste Finsternis zu bringen, lassen wir es in Form von Selbstverstümmelung tagtäglich (naja, eigentlich nachtnächtlich) richtig krachen, bis uns der Schmerz weiße Lichtblitze vor den Augen explodieren lässt.
Du magst das vielleicht ekelig und nicht nachvollziehbar empfinden, wir finden das aber alle supi-toll und machen das rein zu unserem Vergnügen aus Jux und Tollerei und haben im Grunde auch nichts Besseres zu tun.

Arbeiten ist so ein Sache…nachts haben sehr viele Unternehmen geschlossen und auf den Schlachthöfen nimmt man uns nicht mehr so gern, weil es in der Vergangenheit wohl immer zu exzessiven Orgien im Sammelbluttank gekommen sein soll.
Die Krankenhäuser verzichten auch dankend auf uns….vor allem die mit kirchlichem Träger. Voll unchristlich, ey!
Da bleibt den Damen wohl nur die Rolle der Domina in Lack und Leder…das habt ihr euch ja sicher schon denken können. Die aufreizenden, liebestollen Ladys müssen sich noch nicht einmal umkleiden und bleiben quasi einfach in ihrer fest verwachsenen Haus-Gruft-Kluft stecken.
Und die Herren der Schöpfung…müssen schauen, wo sie Anderen eine Grube schaufeln können.

Unsere Sonne ist der Mond! Der macht wenigstens nicht braun, auch wenn uns der alte Mann da oben ständig den Jo-Jo-Effekt vorführen muss…dünn…dicker….Vollmond….weniger dick….dünn….
Wir achten schließlich penibelst auf unser äußerliches Erscheinungsbild.
Es geht ausschließlich gestriegelt und gebügelt vor die Gruft. Der dazu passende und ebenmäßige, fast transparente Teint wird hierfür stets mit der letzten Ölung gesalbt. Geheimtipp!
So präpariert für die Ewigkeit kann es losgehen, um die letzten Nachtgestalten unter euch nach Hause zu treiben. Die Nacht gehört schließlich uns!

Wenn wir uns nicht gerade nach einem Tripp in die Hölle (Ferien auf dem Ballermann…leider ohne Eimersaufen) sehnen, hören wir gerne für Kritiker unhörbare, kryptisch anmutende, sphärisch wabernde bis ächzend donnernde Musik, die stets rückwärts läuft, um gebannt den versteckten, satanischen Botschaften zu lauschen.
Das geht soweit, dass wir sogar aktuelle Hits beschlagnahmen und eigenhändig die MP-3-Files von links auf rechts drehen. Ihr glaubt nicht, was das für eine Friemelarbeit ist!
Und ihr glaubt auch nicht, was Helene Fischer wirklich zum Besten gibt! Da schreit der Fürst der Finsternis noch persönlich nach Sodom und Gomorra und verkündet das Ende eurer kleinen, zuckersüßen Welt. So sieht’s aus. Aber feiert ruhig darauf ab und grölt gemeinsam im Chor bis die Säulen der Erde wankend zusammenbrechen.

Weil wir gerade bei der Unterhaltung sind: Wir gucken ja nie Fernsehen, höchstens in die Ferne, um im sicheren Abstand dem Untergang eurer Welt (siehe oben) beizuwohnen.
Eine Ausnahme gibt es aber doch, weshalb wir uns dieses Flimmerkastens dann letztlich doch annehmen: Twilight und Co!!!!
Boah, was stehen wir auf diese Vampirendlosschleifen! Da vergisst man ja glattweg seine Manieren und könnte vollkommen euphorisiert abgehen…bis sogar die kleine Zehe zur unterlegten Filmmusik mitwackelt. Unerhört!

 

Ich hoffe, ihr könnt uns nun dank dieser intimen Einblicke ein klein wenig besser verstehen, wechselt nicht gleich die Straßenseite und guckt uns nicht schräg von der Seite an, wenn wir uns im Supermarkt eine Flasche BLUTorangensaft kaufen möchten. Wir sind ganz lieb und wollen nur (mit euch) spielen!

Ergänzung:
Und weil man ja alles verallgemeinern soll und dafür zwingend alle in einen Topf werfen muss, habe ich stellvertretend für alle Kollegen und Kolleginnen der Schwärze in der Wir-Form gesprochen.
Alle Gruftis sind so und wer sich von denen dagegen ausspricht ist voll doof…und außerdem gar nicht true!
WIR SIND ALLE SO! Basta!

 

Hassliebste Grüße!
Ein kleiner, einsamer Grufti.

 

P.S.: Wer sich unter euch Skeptikern wundern sollte, dass dieser Brief noch vor Einbruch der vollkommenen Dunkelheit veröffentlich werden konnte…ich habe für das Erscheinen des für die Menschheit eminent wichtigen Dokumentes extra eine Zeitschaltuhr eingebaut.
Macht es erst mal gut, Leute, mein Wecker klingelt gleich…

 

 

P.P.S.: HOLT MICH HIER RAUS! Der Teddy.