Archiv der Kategorie: verdrehte Gedanken

Ich. Verwirre. (21.10.2016)

 

 

Ja, es ist ganz offensichtlich, kaum betrete ich einen Raum und schon ist die Menschheit mit ihrer heilen Welt überfordert. Man erleidet kurzzeitige, jedoch glücklicherweise reversible Amnesien, jubelt mir lose Köpfe unter, die ich eigentlich gar nicht wollte, …

 

Zumindest schien es mir am gestrigen, in reichlich herbstlicher „Sommerfrische“* verbrachte Tag so, als ob (fast) alles aus den Fugen geraten würde, sobald ich meine Lichtgestalt(?!) in irgendeine Verkaufsstelle schob.

 

Fall 1:

Beim Bäcker. Ich hatte mich bei einer Person zum lang erwarteten Besuch angemeldet und hierfür versprochen, für etwas hochkalorische Verpflegung in Form von Kuchen zu sorgen. Gesagt, getan. Die Kuchenunterlagepappe hatte sich bereits gut und zu meiner Zufriedenheit gefüllt. Zur Vollendung meiner Wunschliste verlangte ich noch einen Punschberg (gern je nach Aufmachung auch Punschkugel, Punschspitze, o.ä. genannt).

Was die Verkäuferin jedoch aus der Anrichte hob, war keinesfalls ein kleiner Punschberg. Es war größer und ähnelte eher einem etwas zu moppelig geratenen Schaumkuss. Ich vermutete eines der anderen süßen Geschöpfe, die namentlich an der Theke aufgeführt worden sind, obwohl ich nicht dort arbeitete, sehr wohl aber eine Ahnung davon besaß, wie in etwa so ein Punschberg im Allgemeinen aussehen könnte…nämlich wie ein kleiner Berg.

meine Wenigkeit: „Kann es sein, dass das etwas anderes als ein Punschberg ist?

Die Verkäuferin hielt in ihrer Bewegung inne und überlegte. Beflissentlich kam ich ihr nach eigens angestellten, investigativ-journalistisch angehauchten Gedankenüberschlägen zur Hilfe und teilte ihr meine Diagnose mit, welche für das schokolierte Halbrund** leider auf eine infauste Prognose hinauslief.

meine Wenigkeit: „Es scheint mir doch eher ein Mohrenkopf*** zu sein.

Hinter den diversen Namensschildchen türmte sich die eine oder andere kalorienbehaftete Leckerei, doch nichts anderes glich so recht einem abgeschlagenen Kopf eines armen, unglückseligen  Mohren.

Die Verkäuferin überlegte weiter und kam wohl auch zu dem Schluss, dass das Gebilde auf ihrer Schippe kein Punschberg sein könnte und verräumte ihn im Austausch wieder zu seinen Artgenossen.

Verkäuferin: „Ach, ich hatte das eigentlich gerade eben auch schon so in die Kasse [Anmerkung: mit Bildschirm und Touchpad] eingegeben.

Sie drückte im Anschluss an ihre Worte noch einmal wild (korrigierend?) auf dem Touchpad herum.

So, so.

Naja, die Welt drehte sich ja trotzdem weiter. Im Vertrauen an das Gute, verzichtete ich sogar auf den Druck des Kassenbeleges, um ihre Ehrlichkeit zu überprüfen. So ein loses Köpfchen kostete nämlich etwas mehr als das Häuflein Punschmasse. Im Zweifel: Für die Kaffeekasse!

 

Fall 2:

Verkäuferin eines Buchladens: „Hallo!

meine Wenigkeit: „Hallo!

Ich schob nun lediglich meinen des Erstehens wegen vorbereiteten Bücherstapel über den Thresen. Mein Gegenüber griff danach und …

Verkäuferin: „Hallo!

Die Dame und ich blickten uns nur einen ganz kurzen Moment lang stumm in die Augen.

Verkäuferin: „Kann es sein, dass wir uns gerade nicht schon einmal begrüßt haben?

Ich griente. Wir grienten uns gegenseitig an.

meine Wenigkeit: „Das kann sein. Aber doppelt hält bekanntlich besser.

 

Nach einem solch großen Hallo hätte man meinen können, dass es das nun für diesen Tag gewesen sein könnte. Doch auch Diebstahlsicherungen haben wohl in meiner Gegenwart so manche Schwierigkeit.

 

Fall 3:

Zufrieden und nach erfolgreicher Zahlung (!!!) meiner neuen Schuhe stapfte ich aus dem Laden und wurde jäh durch ein auffälliges, piepsiges Signal in meinem Fluss unterbrochen, als ich die Diebstahlsperre passierte.

Ich drehte mich um, sah jedoch keine wild mit den Armen rudernde, kurz vor dem Kollaps stehende Verkäuferin oder einen mit einer Barrett M82 bewaffneten „Navy Seal“ hinter mir her jagen.

Pflichtbewusst kehrte ich dennoch um. Man will sich ja nichts nachsagen lassen.

meine Wenigkeit: „Beim Hinausgehen hat es einmal gepiepst. Bei meiner Rückkehr jedoch seltsamerweise nicht mehr.

Die Verkäuferin blickte nun auch etwas ratlos drein.

Verkäuferin: „Ich probiere es selbst einmal.

Natürlich piepste diesmal nichts. Der Detektor schwieg.

Verkäuferin: „Dann dürfte jetzt wirklich nichts mehr piepen.

Etwas beruhigt ob meiner weißen Weste sackte ich alles zusammen und wagte es, mein Glück auf die Probe zu stellen.

Ich erwartete jeden Moment ein neuerliches akustisches Signal.

Nichts.

Hatte ich vielleicht vorhin einfach nur Pech, dass parallel zu meiner Passage des Diebstahldetektors irgendwo anders, ein paar Läden weiter, jemand einen ebensolchen ganz kurz ausgelöst hatte? Habe ich womöglich zu gute Ohren? Fühle ich mich zu oft unnötig angesprochen? Führt meine pure Anwesenheit womöglich doch noch zum längst überfälligen Polsprung****?

 

ODER spinne ich jetzt total?!

 

 

* Urlaub

** Dennoch, sah es gleichsam sehr zum Anbeißen aus. Leider.

*** Ich habe mir den Namen nicht ausgedacht! Mir ergo die menschenfeindliche Absicht zu unterstellen, ich würde die Darstellung des Abtrennens von Köpfen dunkelhäutiger Menschen propagieren, wäre an dieser Stelle reichlich unangemessen überreagiert. Bitte sehen Sie von entsprechenden Brandbriefen oder mir nach dem Leben trachtenden Absichten, wie Steinigung, ab. Danke für Ihre Toleranz und Ihr wohldurchdachtes Handeln!

**** Polumkehr des Nord- und Südpols

 

 

 

 


Früchte meiner Arbeit (21.07.2016)

 

Über Wochen und Monate nun hegte und pflegte ich sie liebevoll, achtete gestreng darauf, dass sie in ihrem natürlichen wie auch überaus raumgreifenden Freiheitsdrang nicht gänzlich aus der Form geriet und errettete sie gar vom nahenden Tod, als sie doch recht erschlafft meiner Rückkehr harrte. Mehr als zwei Tage kam sie ohne mich wohl nicht mehr aus. Sie grenzwertig  saft- und kraftlos vorfindend gab es für mich nur eine einzige, wirklich sinnvolle Option: Kurzerhand goss ich dem mit einer blitzeblanken Sense bewaffneten, bedrohlich dreinblickenden Schnitter einen Schwall kühles Nass in die Sandalen. Soll der Kuttenträger doch anderswo „ernten“ gehen! Dies hier war MEIN Revier.

Lange Zeit war das an ihr bis dato einzige Objekt der Begierde in völlig ungeteilter Aufmerksamkeit meinen gespannt-neugierigen Blicken ausgeliefert, bis es am Ende doch noch die ersehnte (Schames?)Röte auf die Wangen getrieben hatte. Bemerkte ich bereits, dass ich recht ausdauernd sein kann?

Jedoch fiel der Erfolg in meinen Augen quantitativ noch eher mäßig aus. Ich trieb es daher im besten Glauben an das Gute sogar so weit, dass ich- mit Pinsel aber ohne Farbe bewaffnet- das Spiel von Bienchen und Blümchen imitierte, auch wenn man mir die Rolle des Summse-Bienchens dabei wohl eher wenig überzeugt abgenommen haben musste. Sei es drum. Lag es an meinem irrwitzig-bemühten Zutun oder doch am Laufe der Natur, in jedem Falle tat sich etwas. DAS war schließlich die Hauptsache.

Das Ergebnis: Stolze zweikommafünf Zentimeter hoch wie breit und quer ist sie geworden.

Heute war nun endlich der Zahltag gekommen, an dem ich IHR die Betriebskostenabrechnung zwar nicht vorlegte, doch aber ein kleines Bisschen Genugtuung verspürte, als ich sie der Frucht meiner/unserer gemeinsamen (sie trug schließlich auch einen entscheidenden Anteil bei) Arbeit mit vorsichtig tastenden Fingern beraubte.

Die Beute duftete verführerisch und flötete mir beinahe schon ins Ohr: Vernasch mich! Jetzt! Sofort!

Besonders lang ließ ich mich selbstredend auch nicht erst bitten und bereitete ihrem Locken ein jähes Ende.

 

UND NUN warte ich auf sonnengereiften Nachschub meines auf Balkonien hausenden Nachtschattengewächses, für dessen Gelingen ich mich schließlich- wie oben geschildert- fortpflanzungstechnisch richtig ins Zeug gelegt und wahrscheinlich irgendwie auch zum Obst gemacht hatte. Hat ja keiner gesehen… *summ summ summ*

 

Sommerliche Grüße

vom Summse-Bienchen

 

 

P.S.:

Nennt es Zufall, oder nicht: GENAU vor zwei Jahren und zwei Tagen erblickte das Senftöpfchen das Licht der Welt. Tja, so kann es kommen….

*Geburtstagskuchen anschneid*

 

 

 

 


Ihre Durchlaucht schlägt Wellen (07.05.2016)

 

 

Auf einer neuerlichen, sportlich betrachtet diesmal eher beschaulichen Radtour entlang des Elbe-Havel-Kanals traf ich bei märchenhaftem Wetter auf eine Prinzessin.

Ohne Witz!

Von Weitem staunte ich nicht schlecht darüber, was sich da plötzlich in einigen hundert Metern Entfernung vor mir aufgetan hatte. Allein ihre Rückansicht war schon…nunja….irgendwie besonders. Sehr aufwühlend, würde ich fast behaupten. Man sieht nicht oft, dass ein Hofstaat sein heimisches Wasserspiel à la Reichenbachfälle mit sich zu führen gedenkt. Nicht einmal im Märchen.

Mit wehenden Fahnen durchpflügte sie unbeirrbar die Landschaft, als befände sie sich auf einem Walkürenritt.

Wie es schien, wohl doch mit angezogener Handbremse. Es dauerte nicht lange, da hatte ich sie nämlich, hoch zu Ross auf meinem wackeren Drahtesel hockend, eingeholt.

Wenig prinzessinnenhaft packte Madame, einmal auf Hochtouren gelaufen, richtig an und warf mit ihrem recht kraftvoll daherkommenden Auftritt derart heftige Wellen auf, dass es eine Flunder auf den Rücken hätte legen können. Alle Achtung.

Alsbald trennten sich jedoch unsere Wege. Es tauchen schließlich immer irgendwo Schranken auf, die die Spreu konsequent vom Weizen zu trennen wissen. Man gibt sich nicht mit niederem Volk ab. Oder hat eben schlicht und einfach andere Pfade zu beschreiten. Wie auch immer.

Doch man sieht sich bekanntlich immer zweimal im Leben.

Im Halbschatten einer an den Elbwiesen beheimateten, alten Weide lesend, ahnte ich nicht, dass mich die Prinzessin womöglich doch verfolgen könnte.

Wie ein laues Sommerstürmchen rauschte sie heran.

Von ihrer Entourage war jedoch kaum noch etwas zu sehen. Sie war wohl beim Mittagessen, während Durchlaucht neuerlich für einen halben Tsunami sorgte.

Und dann zog sie auch schon vorbei, die Nase kokett in den Wind haltend.

 

Es gibt Phänomene, die erzeugen scheinbar viel mehr Wirbel, als man im Allgemeinen für nötig erachten könnte. Ob einem Fischlein die Runde mit einem Riesenrad gefallen würde?

Ahoi, Prinzessin*, du Sturm im Wasserglas!

 

 

 

 

* Gemeint ist ein Flussschiff mit Schaufelradantrieb im Heck.

 

 

 

 

 

 


Verwirrspiel (13.04.2016)

 

 

*den stiefmütterlich vernachlässigten Blog hervorkram*

 

Was soll ich sagen…

Momentan ist der Großteil meines täglichen Daseins (genauer: der bruttoinlandsproduktive Anteil) ein ewiges Hin und Her. „Lass uns planen…wenigstens bis morgen!“ lautet die Devise. Yippeah!

In jedem Fall muss ich mich definitiv nicht über Langeweile beklagen, wobei ich das auch noch nie wirklich musste. Für derlei akut auftretende Gesinnungsanwandlungen gibt es schließlich Schlechtwetter-Schlumper-Sonntage.

Gestern musste ich mir jedenfalls erst einmal den Kopf freiblasen lassen. Hierfür bediente ich mich nicht der profanen Dienste eines Föns, sondern der tatkräftigen Unterstützung des Fahrtwindes, während ich nach Dienstschluss durch die Prärie radelte.

Danach verwies ich ENDLICH das trockene Skelett einer im letzten Jahr durchaus gut in Saft stehenden Tomatenpflanze seines topfigen Zuhauses, um Platz für eine potentielle neue Bewohnerin zu schaffen.

Erst heute schaffte ich es, den Computer anzuschmeißen und emails zu prüfen. Auf dem Weg dorthin stolperte ich über die Schlagzeile, dass ab morgen eine 5-Euro-Münze in Deutschland in Umlauf kommen würde, die neben einer Sammlerfunktion auch als offizielles Zahlungsmittel nutzbar sein soll…letzteres jedoch lediglich in Deutschland.

Und am 14.4. wird sie also stolz präsentiert….die 5-Euro-Münze, an deren Entwicklung sage und schreibe 8 lange Jahre Experten getüftelt haben sollen.

Bitte wie lange?

Um Gottes Willen, diese Zahl kann doch nicht stimmen!

Ich betrachtete auf einem Foto das Tri-Material-Coin-Kunstwerk- in welches ein super-duper Kunststoffring eingefügt worden ist- nun angestrengt mit anderen Augen, konnte jedoch keine Merkmale feststellen, die in irgendeiner Weise die Inanspruchnahme einer solch ausgedehnten Zeitspanne berechtigen würden.

Die Brust des Adlers gleicht der eines gerupften Huhnes und der Schnabel mitsamt bis zum Anschlag herausgestreckter Zunge sieht aus, als würde sich der Piepmatz gerade heftigst übergeben wollen. Vielleicht leidet er aber auch an einer akuten Atemnot oder quäkt einfach nur ein total unterschwellig aggressives „Eyyyyy, Alder!“ ins Portemonnaie. Das vermag ich aus der Ferne und ohne gründliche Anamnese nicht zu diagnostizieren.

Die Rückseite ziert der Ausschnitt einer stilisierten Weltkarte.

Wie aufregend!

Der künstlerische Aspekt konnte also nicht wirklich dazu beigetragen haben, dass man so viele Jahre ins Land streichen lassen musste.

 

Angeblich sei die Münze jedoch überaus fälschungssicher, was man laut Angaben getrost diesem eingefügten innovativen Kunststoffring anlasten darf.

Am allersichersten war sie wohl mindestens die letzten 8 Jahre, als sie so gut wie noch nicht existierte. Das steht fest. Alles weitere werden uns die Fälscherbanden sicher früh genug mit barer Münze zu erzählen wissen.

Wie auch immer.

 

Ich entsinne mich -nebenbei bemerkt- noch trüb, als würde ich wie heute in der nächtlichen Früh durch eine dicke Nebelsuppe fahren, dass vor nicht allzu langer Zeit noch total panisch, euphorisiert, be- oder entgeistert in diversen Medien über die mögliche Abschaffung des Bargeldes diskutiert worden ist.

 

Also mich verwirrt das alles.

Ein wenig. 😉

 

 

 

 

 


Böser Geist, weiche! (27.03.2016)

 

Keine Angst, ich bin  ganz bei Sinnen und wabere keines Falls durch irgendeinen Eierlikör-Äther. Erstens habe ich es nicht so mit dem Allllohoool und zweites nicht so mit Eierlikör im Speziellen. Auch nicht zu Ostern mitsamt der ganzen Eierei.

 

Mir fiel nur auf, dass soeben der 666te Kommentar aufgeschaltet worden ist. Hier. Bei mir.

Und wer trägt die Schuld, dass diese pöööhse, pöööhse Zahl durch mein Gemäuer spukt? Natürlich- wie konnte es anders sein- musste diese gloreiche Glanztat meinem Mist erwachsen.

Meiner Mutter würde jetzt wieder vor Schreck das Eierlikörglas aus der Hand rutschen, wenn sie dies mitbekommen hätte. „Kind! Ich habe schon immer gesagt: Zieh dich nicht immer so schwarz an!“ *

Tja, nun habe ich den schwarze-Bandnudeln-Salat.

Wie bekommen wir diese pöööhse, pöööhse Zahl wieder eradiziert?

 

Vielleicht sollte ich einen (Schein)Heiligenschein darauf montieren. Womöglich hilft das. Die Gottesvertretung hier auf Erden schafft es doch auch immer wieder, erfolgreich mit der blütenweißen Weste dem schlammigsten aller Sümpfe zu entsteigen.

Vielleicht sollte ich auch DIE Raute anbasteln….das befreit von jedweder Verantwortung jeglicher Konsequenzen, die diese Zahl mit sich bringen könnte. Ich wäre damit fein raus. Sollen sich doch die Geisteraustreiber damit herum- und sich gegenseitig die Köpfe einschlagen.

Vielleicht sollte ich den Kommentar auch einfach nur auslöschen. Das können wir Menschen ja leider so gut. :-/

 

Am besten, ich mache gar nichts, lasse die Zahl eine Zahl sein und verdrücke in dieser schier auswegslos anmutenden Situation ein Schokoladen-Ei. Wenn ich eines finde, dann darf auch Eierlikör enthalten sein. Böser Geist Allllohoool, ich komme! Jetzt is mir allet ejaaaal.

 

 

 

* Gerade sitze ich aber in festlichem Hellblau da.

 


I’m a murderer! (11.03.2016)

 

Werte Leserschaft, bevor ich fortfahre, bitte ich um Folgendes: Schickt mir die Schergen bitte erst zum Sturm Klingeln an die Wohnungstür, wenn ihr zu Ende gelesen habt…

 

 

Bereits in der Früh, oder sollte ich besser schreiben immernoch, belagerte mich mein Besuch. Eingeladen hatte ich diesen ursprünglich nicht, es ergab sich wohl einfach so. Auf irgendeine wundersame Weise kam schließlich auch Maria zu ihrem Kinde…und ICH zu meinem Gast.

So früh am Morgen schenkte ich ihr noch nicht sehr viel meiner Aufmerksamkeit.

Ich möchte hier nicht irgendwie unhöflich erscheinen, aber direkt nach dem Aufstehen sehe ich es als allgemein vertretbar an, wenigstens eine halbe Stunde ungeteilte Ruhe ganz für mich allein zu reklamieren.

Ich ließ sie also machen, schaltete die Kaffeemaschine an und verschwand im Bad.

 

Fragt mich bitte nicht, was sie derweil im Nebenraum trieb. Womöglich kotze sie wieder an irgendeine Fensterscheibe oder rieb sich auffällig die behaarten Beine.

Als ich die Küche wieder betrat, war von ihr nichts zu sehen. Hatte sie sich ins Schlafzimmer zurückgezogen oder flätzte sie gerade auf der Couch herum?

Mir war es gleich. Ihr Dasein in meinen Vier Wänden war sowieso als begrenzt anzusehen. Dies hatte ich unlängst entschieden. Einstimmig. Ihre Meinung, die gewiss eine ganz andere wäre- wer lässt sich schon aus dem Paradies vertreiben- interessierte mich nicht die Bohne. Das Leben ist eines der härtesten, Schätzchen…

Unbemerkt- anders kann ich es mir nicht erklären- muss sie sich irgendwann von hinten angeschlichen haben. Details zu den folgenden, hier nicht weiter aufgeführten Geschehnissen, werte Leserschaft, bitte ich beim Kollegen Mr. Hyde zu erfragen*, da sie sich bis einschließlich jetzt gänzlich meiner Kenntnis zu entziehen verstehen.

In jedem Falle kann ich festhalten, dass unserer Aufeinandertreffen bei ihr ganz augenscheinlich einen überaus bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Nein! Ich kann mit Fug und Recht sogar hier an dieser Stelle ganz unverhohlen behaupten, dass ich sie in diesem Moment regelrecht geplättet zurückließ.

Zu bedenken möchte ich geben, dass es sich hierbei noch nicht einmal um sonderlich geplante Taktierei meinerseits gehandelt hatte- man erinnere sich an meine Entscheidung, sie persönlich vor das imaginäre goldene Tor meines Palastes zu setzen- geschweige denn um eine Handlung aus der vollsten Absicht heraus.

Strategische Schlachtpläne liegen mir in derlei Angelegenheiten eher fern. Man sollte schließlich stets das mildeste Mittel zuerst anwenden und nicht gleich mit der Keule ums Eck spaziert kommen.

Jedenfalls- ich möchte ungern weiter um den heißen Brei herum reden- muss ich gestehen, dass es wohl oder übel zum Äußersten gekommen ist. Da lag sie plötzlich darnieder auf den kalten Fließen, ohne noch einen Mucks zu tun.

Mea culpa! So endgültig war das defintiv nicht geplant gewesen. Ändern konnte ich es aber leider nicht mehr. Das Leben ist eines der härtesten….wie ich bereits schon schrieb.

Höflich wie ich bin, führte ich ihren Leib einer Erdbestattung- sagen wir mal einer Abart von „Erde“- zu.** So viel Zeit muss sein , finde ich!

Und dann: Deckel drauf auf die Sache.

Aus Zeit- und Kostengründen, und um den Aspekt meiner eigenen Zurechnungsfähigkeit zu wahren, verzichtete ich auf das Engagement einer dreiköpfigen Trauerkapelle und wischte lediglich die kleinteilig versprengten Überreste von den Kacheln am Boden.

 

Als wäre nichts geschehen, zog ich die Tür hinter mir zu, blickte mich nicht unauffällig nach Zeugen um und fuhr seelenruhig auf Arbeit.

Von hinten auf der Rückbank meines Autos hörte ich Mr. Hyde kichern:

Du hast die Fliege voll plattgelatscht, du Trampeltier!

Ich?!!

 

 

 

* Telefonisch erreichbar: Täglich….von Zwölf bis Mittag.

** Wer im Übrigen nähere Informationen zum Thema „Unkomplizierte Beseitigung von Leichen“ haben möchte, darf sich gern melden*.

 

 


Taos Hum (12.01.2016)

 

Auf die Frage der geschätzten Modepraline hin, worüber sie denn nach 500 Beiträgen noch schreiben könne bzw. der Meinung ihrer Leser nach schreiben sollte, platzte ich unvorsichtigerweise mit folgenden Vorschlägen heraus….ich ahnte nicht, welche Konsequenzen ich mir hiermit auflud. Ich unvorsichtiger Tor!

Dies (hier klicken) waren neben anderen Unwichtigkeiten wie Glück, Traurigkeit und Liebe meine glorreichen Schreibanregungen:

Mit an Bord war der obligatorische in China umkippende Reissack, der bei keiner Aufzählung von weltbewegenden Belanglosigkeiten fehlen darf. Alles andere würde einer echten Kardinalsünde gleichkommen, weil er sehr, sehr…..nunja…..sagen wir mal so: Er ist nicht nachtragend, aber vergessen tut er eben auch nicht.

Dann offerierte ich das eminent wichtige Thema der Geräuschentwicklung von wachsendem Gras. Stellt es in Wahrheit genau wie überzogen kreischender Kinderlärm KEINEN Lärm dar?

Zu guter Letzt bot ich ihr- gönnerhaft wie ich bin- an, auf einen eigenen, überaus prestigeträchtigen Artikel zu verzichten, der sich mit einer Abhandlung über die Lamellenbewegung von Champignons bei Windstärke 12 befassen würde.

 

Nun ratet mal, welche Idee mir das Genick brach. Richtig! Das Gras.

Prompt kam nämlich die Antwort zurück, dass ich doch in Sachen Lärmbelästigung durch wachsendes Gras die Vorreiterrolle übernehmen könnte.

Au weia.

Und nun sitze ich hier und überlege. Zwischendrin muss ich aber immer wieder auf die Uhr schauen, dass ich vor lauter Wichtigkeit dieses Themas nicht die Abfahrt zur Arbeit verpasse….gilt das eigentlich als Ausrede?! Ich müsste dann mal ganz akut weg…..ok, ok…..etwas Zeit habe ich noch.

Ich gab also den Einzeiler „Geräusche wachsendes Gras“ bei der google-Konkurrenz ein (ja, ich habe noch immer nicht zugestimmt!).

Verwiesen wurde ich auf eine Plattform, die man getrost als Scherzartikel oder Anti-Wiki bezeichnen könnte, auf welcher fröhlich der Pseudowissenschaft gefröhnt wird. Sie nennt  sich Uncyclopedia.

Hier nun erwartete ich mir die Erklärung, wie denn nun Gras klingt, wenn es wächst.

Ich erwartete eine Art Ploppen beim zutage Treten und profane Reibegeräusche.

Stattdessen stieß ich auf ein ominöses Taos Hum oder auch The Hum. Dies sei ein unerklärlicher, niedrigfrequenter Brummton, den laut dem echten Wiki lediglich 2% der Weltbevölkerung hören könne. Gern wird auch von einer Art Tinnitus geschrieben, obwohl der Betroffene gesunde und sogar sehr gut hörfähige Ohren vorwies.

Die Erklärungen hierzu stecken jedoch noch derart in den Kinderschuhen, dass man diese allerhöchstens als Babysöckchen benennen dürfte.

Hier eine bunte Mischung seriöser wie nicht-seriöser Vorschläge: Infraschall, Van-der-Pol-Systeme, schnurrende Katzen, Außerirdische.

ODER: Wachsendes Gras!

HEUREKA!

Das war wohl nichts.

Vielleicht sollte ich demnächst aufmerksamer bei TerraX und Kumpanen zuhören. Meines Erachtens gab es nämlich bereits akustische Studien über die Geräuschentwicklung von Pflanzen…. In jedem Fall melde ich mich, wenn ich mit neuesten Erkenntnissen glänzen kann.

Bis dahin! Und lasst euch nicht vom hustenden Maulwurf wecken!

 

gez. S. Holmes