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Ich. Verwirre. (21.10.2016)

 

 

Ja, es ist ganz offensichtlich, kaum betrete ich einen Raum und schon ist die Menschheit mit ihrer heilen Welt überfordert. Man erleidet kurzzeitige, jedoch glücklicherweise reversible Amnesien, jubelt mir lose Köpfe unter, die ich eigentlich gar nicht wollte, …

 

Zumindest schien es mir am gestrigen, in reichlich herbstlicher „Sommerfrische“* verbrachte Tag so, als ob (fast) alles aus den Fugen geraten würde, sobald ich meine Lichtgestalt(?!) in irgendeine Verkaufsstelle schob.

 

Fall 1:

Beim Bäcker. Ich hatte mich bei einer Person zum lang erwarteten Besuch angemeldet und hierfür versprochen, für etwas hochkalorische Verpflegung in Form von Kuchen zu sorgen. Gesagt, getan. Die Kuchenunterlagepappe hatte sich bereits gut und zu meiner Zufriedenheit gefüllt. Zur Vollendung meiner Wunschliste verlangte ich noch einen Punschberg (gern je nach Aufmachung auch Punschkugel, Punschspitze, o.ä. genannt).

Was die Verkäuferin jedoch aus der Anrichte hob, war keinesfalls ein kleiner Punschberg. Es war größer und ähnelte eher einem etwas zu moppelig geratenen Schaumkuss. Ich vermutete eines der anderen süßen Geschöpfe, die namentlich an der Theke aufgeführt worden sind, obwohl ich nicht dort arbeitete, sehr wohl aber eine Ahnung davon besaß, wie in etwa so ein Punschberg im Allgemeinen aussehen könnte…nämlich wie ein kleiner Berg.

meine Wenigkeit: „Kann es sein, dass das etwas anderes als ein Punschberg ist?

Die Verkäuferin hielt in ihrer Bewegung inne und überlegte. Beflissentlich kam ich ihr nach eigens angestellten, investigativ-journalistisch angehauchten Gedankenüberschlägen zur Hilfe und teilte ihr meine Diagnose mit, welche für das schokolierte Halbrund** leider auf eine infauste Prognose hinauslief.

meine Wenigkeit: „Es scheint mir doch eher ein Mohrenkopf*** zu sein.

Hinter den diversen Namensschildchen türmte sich die eine oder andere kalorienbehaftete Leckerei, doch nichts anderes glich so recht einem abgeschlagenen Kopf eines armen, unglückseligen  Mohren.

Die Verkäuferin überlegte weiter und kam wohl auch zu dem Schluss, dass das Gebilde auf ihrer Schippe kein Punschberg sein könnte und verräumte ihn im Austausch wieder zu seinen Artgenossen.

Verkäuferin: „Ach, ich hatte das eigentlich gerade eben auch schon so in die Kasse [Anmerkung: mit Bildschirm und Touchpad] eingegeben.

Sie drückte im Anschluss an ihre Worte noch einmal wild (korrigierend?) auf dem Touchpad herum.

So, so.

Naja, die Welt drehte sich ja trotzdem weiter. Im Vertrauen an das Gute, verzichtete ich sogar auf den Druck des Kassenbeleges, um ihre Ehrlichkeit zu überprüfen. So ein loses Köpfchen kostete nämlich etwas mehr als das Häuflein Punschmasse. Im Zweifel: Für die Kaffeekasse!

 

Fall 2:

Verkäuferin eines Buchladens: „Hallo!

meine Wenigkeit: „Hallo!

Ich schob nun lediglich meinen des Erstehens wegen vorbereiteten Bücherstapel über den Thresen. Mein Gegenüber griff danach und …

Verkäuferin: „Hallo!

Die Dame und ich blickten uns nur einen ganz kurzen Moment lang stumm in die Augen.

Verkäuferin: „Kann es sein, dass wir uns gerade nicht schon einmal begrüßt haben?

Ich griente. Wir grienten uns gegenseitig an.

meine Wenigkeit: „Das kann sein. Aber doppelt hält bekanntlich besser.

 

Nach einem solch großen Hallo hätte man meinen können, dass es das nun für diesen Tag gewesen sein könnte. Doch auch Diebstahlsicherungen haben wohl in meiner Gegenwart so manche Schwierigkeit.

 

Fall 3:

Zufrieden und nach erfolgreicher Zahlung (!!!) meiner neuen Schuhe stapfte ich aus dem Laden und wurde jäh durch ein auffälliges, piepsiges Signal in meinem Fluss unterbrochen, als ich die Diebstahlsperre passierte.

Ich drehte mich um, sah jedoch keine wild mit den Armen rudernde, kurz vor dem Kollaps stehende Verkäuferin oder einen mit einer Barrett M82 bewaffneten „Navy Seal“ hinter mir her jagen.

Pflichtbewusst kehrte ich dennoch um. Man will sich ja nichts nachsagen lassen.

meine Wenigkeit: „Beim Hinausgehen hat es einmal gepiepst. Bei meiner Rückkehr jedoch seltsamerweise nicht mehr.

Die Verkäuferin blickte nun auch etwas ratlos drein.

Verkäuferin: „Ich probiere es selbst einmal.

Natürlich piepste diesmal nichts. Der Detektor schwieg.

Verkäuferin: „Dann dürfte jetzt wirklich nichts mehr piepen.

Etwas beruhigt ob meiner weißen Weste sackte ich alles zusammen und wagte es, mein Glück auf die Probe zu stellen.

Ich erwartete jeden Moment ein neuerliches akustisches Signal.

Nichts.

Hatte ich vielleicht vorhin einfach nur Pech, dass parallel zu meiner Passage des Diebstahldetektors irgendwo anders, ein paar Läden weiter, jemand einen ebensolchen ganz kurz ausgelöst hatte? Habe ich womöglich zu gute Ohren? Fühle ich mich zu oft unnötig angesprochen? Führt meine pure Anwesenheit womöglich doch noch zum längst überfälligen Polsprung****?

 

ODER spinne ich jetzt total?!

 

 

* Urlaub

** Dennoch, sah es gleichsam sehr zum Anbeißen aus. Leider.

*** Ich habe mir den Namen nicht ausgedacht! Mir ergo die menschenfeindliche Absicht zu unterstellen, ich würde die Darstellung des Abtrennens von Köpfen dunkelhäutiger Menschen propagieren, wäre an dieser Stelle reichlich unangemessen überreagiert. Bitte sehen Sie von entsprechenden Brandbriefen oder mir nach dem Leben trachtenden Absichten, wie Steinigung, ab. Danke für Ihre Toleranz und Ihr wohldurchdachtes Handeln!

**** Polumkehr des Nord- und Südpols

 

 

 

 

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Liebster Award von Kati (21.09.2015)

 

Urlaubszeit…da dachte ich mir, dass ich mich um meine imaginäre to-do-Liste kümmern könnte. Ein paar Punkte sind schon abgearbeitet.

Nun habe ich mich über Katis Fragen hergemacht.

Die geforderte Danksagung in Kommentarform hatte es schon gegeben.

Hier noch das Liebster-Award-Logo:

https://biswiedereinerweint.files.wordpress.com/2015/08/download.png

 

Erledigt.

Kommen wir nun zu den Fragen. Eine Weile habe ich daran gesessen. Ich hoffe, dass die Antworten nicht allzu enttäuschend ausfallen. Ich bereue aber nichts. 😉

 

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1. Warum bloggst Du? Gab es einen bestimmten Auslöser?
2. Wenn Dir morgen eine Fee begegnet und Dir einen Wunsch erfüllen will, welcher wäre das?
3. Mit welcher Persönlichkeit/ Berühmtheit/ Promi würdest Du gern mal einen Abend verbringen (z.B. zusammen essen) und warum?
4. Was war Dein Berufswunsch als Kind?
5. Welches Zitat hat Dich geprägt oder beschreibt Dich und/ oder Dein Leben am besten?
6. Beschreibe Dich selbst mit maximal zehn Worten
7. Wo/ worin findest Du Ruhe und kannst die Seele baumeln lassen?
8. Dein ultimativer Buchtipp für mich?
9. Was stört Dich am meisten an anderen Menschen?
10. Und welche Deiner Eigenschaften stören Dich an DIR?
11. Was löst der Begriff BESTER Freund/ BESTE Freundin bei Dir aus?

 

1.)
Gab es einen Auslöser fürs Bloggen?
Ausschlaggebend war ein Artikel in einer regionalen Zeitung meiner Heimatstadt, in welchem es um den Blog eines Taxifahrers ging.
Er war (und ist) wohl recht erfolgreich damit, die Erlebnisse und Gedanken seines Berufsalltags einer breiteren Masse zugänglich zu machen, die ansonsten vom Leben eines Taxifahrers nicht mehr als ihre „Es ist auch nur eine ganz kurze*-Fahrt wahrnimmt.

 

Warum blogge ich (immer noch)?
Menschen den Spiegel vorzuhalten war schon immer mein Ding. Til Eulenspiegel lässt grüßen. Natürlich erblicke ich mich hin und wieder auch selbst darin und packe mir an meine eigene Nase. Auch lässt sich vieles mit würzigem Humor besser ver- und ertragen. Wenn ich damit anderen Menschen ebenfalls zu gefallen weiß, dann umso besser. Humor ist schließlich die beste Medizin….auch wenn er tiefschwarz am Galgen baumelt.
Die Schreiberei (auch die ganz private, nicht veröffentlichte) dient zudem als emotionaler Ausgleich zum Arbeitsalltag. Dieser lässt mir zwar zeitweise kaum Spielraum, meine Umwelt auf augenzwinkernde Art zu verwursten, und dennoch ist es ein Refugium für mich ganz allein…mein Rückzugsort, um aus sich einfahrenden Bahnen auszubrechen.

 
2.)
Handelt es sich hierbei um die gute Fee, oder ihr böses Pendant?

 

Wenn mich an dieser Stelle die gute Fee heimsuchen sollte, dann wünschte ich mir, dass es meiner Familie stets an nichts mangeln sollte…Gesundheit, Liebe, Frohsinn.

Für mich selbst als alleinstehende Person brauche ich nicht viel…eine gemütliche Bleibe, den Geist frischhaltende Abwechslung im täglichen Leben, eine Aufgabe (sicheres Arbeitsverhältnis), umgängliche Kollegen, meinen Blog, humoristische Eingebungen und ab und zu Licht am Ende des Tunnels (nur der D-Zug sollte es nicht sein^^).

Ach, und der ein oder andere Musenkuss für meine zeichnerische Ader wäre auch ganz nett.

 

Wenn es die böse Fee wäre…
Nun, dann wünschte ich mir, dass mir die Menschheit auch weiterhin den Grund zu geben vermag, meinen Blog mit der ein oder anderen Abstrusität zu füttern. Natürlich nur unter der Bedingung, dass niemand zu Schaden kommt oder sein Gesicht verliert. Ein allseits positiver „Aha!“- und Lerneffekt im Anschluss wäre von meiner Seite her äußerst gern gesehen.

 

3.)
Ach, Bobchen! Spielst du auf Stars und Sternchen an? Sicher gibt es Künstler, die ich gern im privateren Rahmen kennenlernen wöllte.
Dafür bin ich jedoch entschieden zu schüchtern und mehr als hilfloses Gestammel und verlegenes Besteck Zurechtrücken könnte unter Umständen nicht zustande kommen.

 

Sollte es aber zu einem unausweichlichen Zusammentreffen kommen, dann würde ich gern mit folgenden Persönlichkeiten beisammensitzen wollen:
Alessandro Graf von Cagliostro (aka Guiseppe Balsamo), dem Grafen von Monte Christo, seinem Ziehvater Alexandre Dumas, Steppenwolf Harry Haller mitsamt Hermine und dem Alter Ego Hermann Hesse, Kapitän Nemo, Malcolm Max, Asp, dem Schwarzen Schmetterling, und und und….das könnte eine illustre Runde werden. Die beste Lokalität wäre hierfür das Varieté Obscur von Ingo Römling. Ich hoffe nur, dass Johann Salamander dann nicht gleich die Krise kriegt.

 

4.)
Hauptsächlichst und langjährig Tiermedizin.

 

5.)
Oha, schwierige Frage. Es gibt viele schöne Zitate und Lebensweisheiten, die zu bestimmten Zeiten im Leben immer wieder in den Fokus gerückt sind.

 

Augenzwinkernd fatalistisch, wie mich die Umstände geprägt haben, denke ich mir oft: Es hätte auch schlimmer kommen können!

Und tatsächlich ist dem so. Die Probleme, die wir manchmal wälzen, sind eindeutig Luxusprobleme.

 

Man muss dankbar sein für das, was man im Leben erreichen darf und durfte. Demut ist eine Einstellung, die manchen Menschen abgeht. Und wenn es mal gefühlt wieder richtig dicke kommt, dann muss auch ich mich gelegentlich darauf besinnen, dass mir zwar selten etwas geschenkt worden ist, ich aber immer den Rückhalt aus der Familie spüren durfte und darf.

 

Das ist das höchste Gut, dass man einem Menschen wünschen kann.

 

6.)
Zehn Worte?
Verkopft, ernsthaft, ironisch, zynisch, verschlossen, offen, mitfühlend, impulsiv, abwartend, kreativ.

 

Aber genauso auch:
Ehrlich, reflexiv, aufmerksam, hilfsbereit, einsiedlerisch, Nähe-suchend, widersprüchlich, geradlinig, ehrgeizig, Freigeist.

 

Oder:
Empfindsam, zurückhaltend, häuslich, humorvoll, gefühlvoll, friedfertig, fantasievoll, zuverlässig, tiefsinnig, begeisterungsfähig….eben Sternzeichen Krebs. Der harte Panzer muss immer mit, um den etwas aus den Zeit gefallenen weichen Kern stets zu schützen!

 

Außerdem lass‘ ich mich ungern einschränken (außer durch mich selbst^^)…daher derer 30 Worte, um mich zu beschreiben. Such‘ Dir etwas aus! 😉

 

7.)
Als innerlich getriebener Mensch findet man selten Ruhe. Auf der einen Seite lockt der Wunsch nach Stillstand, auf der anderen lauert das Arbeitstier, das Unproduktivität ganz schrecklich findet.
Ich lenke mich gern mit einem guten Buch (auch Graphic Novels), guten Filmen, Fahrradfahren, Familientreffen, Zeichnen und vor allem Schreiben ab. Wo ich auch richtig abschalten kann, sind schöne Mittelaltermärkte, um den Gepflogenheiten der Ist-Welt zeitweilig zu entfliehen.

 

8.)
Ein ultimativer Buchtipp?

In Zahlen: 1?

Das schaffe ich nicht….da langt es nur für folgenden Tipp: Ein gutes Buch!

 

Ich lese querbeet…von historischen Schmökern Alexandre Dumas (u.a.), über Fantasy (z.B. Kai Meyer), Krimis/Thriller bis hin zur Graphic Novel (inklusive Bildern^^).
Demnächst möchte ich mich noch intensiver zwischen den alten englischen Schauermären (Gothic Novel) umschauen.

 

9.)
Was mich am meisten ärgert sind Egoismus, fehlendes Verantwortungsbewusstsein und extremes, engstirniges Gutmenschentum. Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn einem unbedingt die eigene Meinung oder die ach-so-ultimative Lebenseinstellung aufgezwungen werden müssen.

 

Es ist gut, wenn man sich untereinander austauscht oder neue Ideen initiiert werden, aber am Ende muss es immer darauf hinauslaufen: Leben und (in Frieden und Ruhe) leben lassen!

 

10.)
Eigensinnigkeit, je nach Umstand mangelndes Einlenkungsvermögen, blockierende Skepsis gegenüber vielen Dingen, …
Ich nehme mir vieles zu Herzen, was eigentlich gar nicht gut ist.

 

Auch übernehme ich gern Aufgaben, was eine prima Einladung für Erfolgsschnorrer ist (wobei ich nicht sagen möchte, dass alle meine Taten von Erfolg gekrönt sind^^).

 

Ich bin höchst ehrgeizig und könnte mich manchmal selbstzerfleischen, wenn etwas durch eigene Unachtsamkeit oder gar Dummheit misslingt. Dabei kann man nicht immer alles perfekt machen. Das vergesse ich sehr oft.

 

Aus der Haut fahren könnte ich auch, wenn sich in meinem Kopf wieder eine total tolle Idee formt, und es am Ende an der Ausführung hapert. Ganz schlimm ist das, wenn es ums Zeichnen geht. Lange Zeit hatte ich hierfür keine Möglichkeit und somit fehlte mir die konstante Übung. So langsam versuche ich mich aber wieder daran…

 

11.)
Traurigkeit.

 

 

*Das ist übrigens der K.O.-Satz eines jeden Taxifahrers. 🙂

 

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So, das wären meine Versuche, Licht ins Dunkel zu bringen.

Wie immer sind alle Angaben ohne Gewehr und Gewähr.

 

 

P.S.: Um die allererste Lieblings-Award-Nominierung kümmere ich mich umgehend! Keine Sorge!

 

 


Keine Haare auf den Zähnen…(21.08.2015)

 

…, sondern ein ganzes Bärenfell trug am gestrigen Tage die Schaffnerin einer großen bekannten, um Monopol kämpfende Bahngesellschaft auf ihrer Kauleiste herum.

Geballte Unfreundlichkeit und Kaltschnäuzigkeit paarten sich mit einer Mitdenkkapazität von 12 bis Mittag.

 

Der Reihe nach:

Kurzentschlossen machte ich mich auf, um an meinen freien Tagen der beruflichen Wahlheimat zu entfliehen und mich meinem Abstammungsort zuzuwenden.

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“…

Leider streikte mal wieder dieser unsägliche und bedauerlicherweise auch einzige Fahrkartenautomat. Er wollte diesmal partout kein Geld schlucken.

Ich schloss mich mit einer ebenso betroffenen Dame zusammen und wir kamen zu dem Schluss, dass wir uns- ehrlich wie wir sind- direkt beim Schaffner/bei der Schaffnerin melden sollten.

Gesagt getan…

Die Tür hatte sich soeben erst geschlossen, da standen wir schon parat und schilderten das Problem mit dem nicht funktionstüchtigen Gerät.

Die Dame bestellte schließlich ihr HopperTicket nach Magdeburg…fertig.

Nun war ich an der Reihe. Ihr ahnt es…was habe ich aber auch für ausgefallene Wünsche! Von dem Ticket schien die Gutste nämlich noch nie gehört zu haben.

Sollte ich ihr jetzt tatsächlich noch das Tarif- und Angebotssystem der Bahn erklären?!

Ganz zu schweigen davon, dass das sogenannte „Regio120plus“-Zettelchen auf diversen Plakaten beworben worden und wirklich kein ausgefallenes Hexenwerk ist. Quasi ein Hopperticket für mehr Fahrkilometer.

Sie blickte mich trotzdem an, als stünde ein Schwein vorm Uhrwerk.

Bob, Sack Zement!

Lapidar blökte sie mir entgegen: „Hab ich nicht!

Sie suchte das Ticket aber noch nicht einmal in ihrem Handterminal. Vielleicht wäre es ja doch zu finden (Hoppertickets gibt es ja auch) gewesen…immerhin hatte sie noch nie davon gehört…woher wollte sie so sicher wissen, dass es im mobilen Handgerät nicht zu finden sei…?

Dann setzte sie mit äußerst motivierter Intonation fort: „Entweder machen wir das jetzt über den Personalausweis (aka „Schwarzfahren“ zu 40€), oder Sie kaufen das zusätzliche Einzelticket bis Magdeburg*!

Ich war reichlich schockiert ob dieses Angebots und konterte: „Meinen Sie an dieser Stelle ernsthaft, dass mir bei diesen genannten Optionen eine wirkliche Auswahl bleibt?!“ Die Pistole lasse ich mir ungern auf die Brust setzen.

Die Schaffnerin klotzte mich ungerührt an.

Also kackenfrech ist das schon! Ich bin schließlich direkt nach Zustieg bei ihr aufgeschlagen…weil der Automat nicht wollte….WAS daran ist bitte Schwarzfahren? Soll ich mir mein Ticket malen?!

Ich teilte der Dame offen mit, dass mir ihr Ton im Übrigen gar nicht gefallen würde…und das sich der Service der Bahn in dieser Form noch deutlich strecken müsste.

Was kann ich denn dafür, dass die Bahn ihre Mistautomaten nicht im Griff hat…es kann doch nicht sein, dass ich deswegen draufzahlen und ein völlig unnötiges zusätzliches Ticket kaufen muss. Wenn die Geräte nicht zuverlässig arbeiten, dann müssen zumindestens in den Zügen dieselben Ticketangebote offeriert werden. Sonst kann sich die Bahn die tollen Angebote sparen….man stelle sich vor: Zufällig haben alle Ticketschalter einen Defekt….und die Bahn macht einen Reibach.

Die Schaffnerin ist aber bestimmt auch solch eine Hexe, die kleine(!) Kinder in irgendeinem Pampadorf aussetzt, weil sie keinen Fahrausweis und nicht genügend Geld einstecken haben…am besten noch im Winter oder bei finsterstem Unwetter. Hat es leider schon gegeben.

Mir tut das zusätzlich abgeknöpfte Geld nicht weh, aber es geht mir ums Prinzip. Es gibt wirklich Schaffner, die kulanter und zumindest auch freundlicher agiert hätten. Einen gewissen Ermessenspielraum kann man finden…aber nicht, wenn man reinen Dienst nach Plan macht und die ganz großen Scheuklappen zu Arbeitsbeginn aufgesetzt hat.

Ich muss Ihnen ja etwas in die Hand geben.“ Oh, welch Einfalt! Natürlich. Man kann sich aber auch das ehrliche Gesicht einprägen, es im Hinterkopf behalten und kulant auf dieser kurzen Strecke nach Magdeburg darüber hinwegsehn…ich würde die Bahn schließlich nicht um ihr Geld prellen*. Außerdem: Wer außer ihr kontrolliert in den nächsten 5 bis 10 Minuten diesen Zug?!

 

 

Was lerne ich daraus:

Wer ehrlich ist, der kriegt ans Bein gepinkelt. Das ist mir nicht zum ersten Mal passiert. Ich hätte mich ans andere Ende des Zuges verkrümeln sollen und hätte sehr wahrscheinlich weniger Engstirnigkeit erleben müssen. Andere verfahren tatsächlich so und kommen damit eindeutig stressfreier durchs Leben.

 

An die Schaffnerin:

Frau M., kommen Sie mal von Ihrem hohen Ross herunter! Ich weiß, Sie müssen auch nur Ihre Arbeit machen…ein Blick über den Rand ihrer Untertasse schadet jedoch nicht. Vielen Dank auch, dass Sie mich in meinem Glauben an die Ehrlichkeit so richtig bestärkt haben…!

Verachtungsvoll!

S.

 

Was bleibt zu sagen:

Die Servicewüste lebt! Ich bin enttäuscht. 😦

 

 

 

 

*Dort müsste ich sowieso umsteigen und hätte da auch das Ticket nachträglich gezogen…der Preis wäre gleich geblieben…und bis Dresden hätte ich sowieso dieses Ticket gebraucht…von wegen durchschnorren. Das würde gar nicht gehen und hätte gar keinen Sinn gemacht…wie gesagt: Der Preis wäre derselbe gewesen. Wenn ich nur bis Magdeburg hätte schwarzfahren wollen, dann wäre ich bestimmt nicht bei ihr aufgetaucht.

 


Fundsache (29.06.2015)

 

Für gewöhnlich bekommt man an Laternen-, Strom- und alten höznernen Telegraphenmasten zu lesen, dass der schwarze Kater „Morle“, die stuppsnasige Katze „Mimi“ oder der dicke, sandfarbene „Garfield“ verloren gegangen sind und nun von ihren Besitzern mit tränenfeuchten Wangen gesucht werden.

Oftmals schreibt irgendeine Mutti für irgendeine kleine Marie oder Emma-Sophie, die bereits bittere Tränen vergossen haben soll, was den eifrigen „Gesuch“-Leser enorm um Zugzwang stellen kann.

Manchmal werden andere Gegenstände gesucht (darunter zählen Haustiere per Gesetz zwar auch, aber dem schließe ich mich nicht direkt an)…ein Portemonaie, oder gern auch der Haustürschlüssel.

Selten finden sich in der Nähe von Haltestellen Annoncen an flüchtige Begegnungen, die man noch am Vortag 7Uhr hier gesehen hatte und unbedingt zu einem Kaffee einladen wollte…doch dann kam entweder die Bahn oder der Mumm fehlte.

 

Die Tage habe ich einen Aushang mit folgender Aufschrift in dicken Lettern gesehen: „Fahrrad gefunden„. Darunter befand sich ein kurzer Begleittext und eine Mobilfunknummer.

Nun ja, für gewöhnlich werden Fahrräder leider oft „gefunden“…jedoch von zwielichtigen Gestalten, die ihre Fundsache im Anschluss natürlich nicht öffentlich an Strommästen kundtun (eher auf meistbietenden Internetportalen).

Umso schöner ist es, dass es aufmerksame Mitbürger gibt, die sich auch um Dinge anderer einen Kopf machen. Klar kann man sich fragen, was einen dazu bewegt, ein abgestelltes Fahrrad auf seine (Nicht-)Sicherung zu prüfen bzw. ein Fahrrad dann kurzentschlossen in Sicherheit zu bringen (kann auch in die Hose gehen, wenn das einer beobachtet und falsche Schlüsse zieht), aber man muss ja nicht immer den schlechten, nachhakenden Gedanken Oberhand gewähren.

Vielleicht meldet sich ja der rechtmäßige Besitzer (solch ein Verlust dürfte schließlich auffallen) und ist glücklich, seinen Drahtesel wieder im heimischen Stall unterstellen zu können.

 

 

Auf jeden Fall gibt es offensichtlich noch Menschen, die ehrlich und mitfühlend sind, was man sonst im Alltag nicht immer behaupten kann.

Jedenfalls ist der „Gefunden“-Zettel an einem Strommasten meine feine Fundsache der letzten Tage.

 

 

 


Service-Oase Deutschland (6.9.2014)

Die Sevicewüste Deutschland scheint sich in den letzten Jahren ein wenig zurückzuziehen. Gestern gab es noch einmal einen richtigen Schub. weiterlesen