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Grüner Klee- Teil II (30.04.2015)

 

Im Beitrag zuvor beschrieb ich die Begebenheit, welche in direktem kausalen Zusammenhang mit dem heutigen steht.

 

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Ich versuchte mich an diesem Tage in einer Zurückgabe oder zumindestens einem Umtausch (Plan B) des erstandenen Portemonaies, welches sich als ein faules- wenn auch hübsches- Ei entpuppt hatte.

Auwei, die Verkäuferin war eine harte Nuss, sag‘ ich euch. Unter anderen Umständen hätte ich behauptet, dass Haare auf ihren Zähnen wachsen würden…so aber übte ich mich in geduldiger Diplomatie.

Aber was bitteschön ist denn kein Defekt (funktional im weiteren Sinne), wenn man zwar zehn bis fünfzehn Kärtchenfächer, ein an sich großes Klimbergeldfach und diverse Zusatzfächer eingebaut hat, diese aber beim Befüllen nur einen Bruchteil des augenscheinlichen Volumens fassen, weil sonst der Außenknopf nicht mehr an sich halten kann?! Ist es nicht ein Rückschritt, wenn das neue Teil größere Abmaße aufweist und am Ende doch nicht so viel hineinpasst, wie in den kleineren Kumpanen?

Und: Muss man sich ernsthaft von einer Verkäuferin sagen lassen, dass man eben nicht so viel hineinpacken soll…? Was bitteschön ist das denn für eine Verkaufsstrategie? Wenn das Leder mit solch einer Fülle an Fächern und Anbauten protzt, dann kaufe ich es genau aus dem Grunde, dass ich nicht nur eine EC-Karte darin versenken möchte! Sack Zement!

Für einen kurzen Moment wusste ich nicht, ob ich weinen oder lachen sollte. Ich entschied mich für den Mittelweg und ging in die Offensive. Höflich, aber direkt, versteht sich. Bei ihr hätte ich sonst zwanzigmal nett um den heißen Brei reden können und wäre danach mit dem Portemonaie wieder davongetrabt, bevor ich noch den letzten Nerv verloren hätte.

Ich erklärte ihr, dass ich sehrwohl selber entscheiden können sollte, was ich mitnehmen möchte und dass es eben DOCH irgendwo ein Designfehler sei, wenn man die Schließe so knapp bemisst, obwohl das Innenleben viel größere Kapazitäten anzubieten hätte. Ich als Kunde habe aber leider nicht die Möglichkeit, in aller Öffentlichkeit sämtliche Utensilien umzusetzen und das gute Stück somit auszutesten. Und: Dass ich das Portemonaie so leider nicht behalten kann. Punkt. Klare Ansage.

Langsam besann sie sich der allgemeinen Kundenfreundlichkeit und ging ein gutes Stück auf mich zu. Na, also! Man darf sich einfach nicht abwimmeln lassen. Und ich brauchte noch nicht einmal den eigentlich lächerlichen wie hilflos dahinphrasierten KO-Satz: „Sonst werde ich demnächst eben woanders einkaufen gehen…!

 

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Der grüne Klee ist jetzt jedenfalls abgemäht. Geht doch, wenn man will. Und: Immer schön freundlich! (-:

 

 

 


Verloren gegangen (26.1.2015)

 

So, ich bin es wieder. Und nein, ich habe bei meiner Möbellieferung keinen einzigen Nerv verloren.

Soweit so gut und erstaunlich obendrein, denn: Etwas anderes ging stattdessen verloren.

Da fehlte doch tatsächlich ein Hängeschrank bei der Lieferung. Wer weiß, auf welchen Umlaufbahnen dieses „leicht“ übersehbare Teil gerade seine Runden im Orbit dreht…ich hoffe, sie finden es baldigst wieder und das dann nicht erst in zehn Jahren, wenn mal wieder das Zentrallager (in der Hoffnung also, dass es überhaupt produziert worden ist) durchgefegt wird. Huch, da steht ja noch was…es gibt ja auch Postkarten, die erst nach vielen Jahrzehnten ihren Empfänger (oder dessen Kinder/ Enkelkinder) erreichen.

Und eine Lampe wartete auch noch ohne Steckerverbindung auf…braucht man ja nicht. Man schließt schließlich das laufende Hamsterrad für die Stromproduktion direkt am nackten Kabel an. Es werde Licht! Stecker sind sowas von überflüssig….dachte sich der Lieferant. Der Meinung bin ich nicht und deshalb werde ich mich dahinter klemmen, damit alles rasch über die Bühne gehen kann. Vorerst muss ich mich damit trösten, dass ich ohne funktionstüchtige Lampe zumindest deren Stromverbrauch einspare….welch bestechender Irrwitz! Man muss es sich halt nur schönreden können.

 

Seltsamerweise haben mich diese Querschläger kaum angehoben. Vielleicht, weil mich alles andere überrascht hätte. Es ist doch immer irgendwas. Der Mensch braucht Beständigkeit…und zack geht wieder etwas andere Wege, als man es von einem reibungslosen Ablauf erwarten würde. Im Endeffekt ist also wieder alles im Lot, wenn etwas schief geht. Klasse Logik, nicht war?

 

Ich warte dann also mal gespannt und aufs Höchste geduldig auf meine verschollenen Stücke…und warte….immernoch.

 

 


Schnatterinchen zum Abendbrot (26.12.2014)

 

Zum Fest der Feste gab es gestern Ente.
Was mich an dieser Bratenbraterei immer wieder aufs Neue erstaunt, ist die geduldig ertragene Unverhältnismäßigkeit zwischen Vor- und Nachbereitungszeit und der eigentlichen Zeit, in der man sich dem Genuss hingeben kann.

Zunächst mag Madame Schnatterinchen ausgiebigst epiliert werden, damit man später auch ja keine Feder zwischen den Zähnen hängen hat, dann fordert sie eine Massage aus gewürztem, geöltem und gekräutertem Salz ein, um sich im Anschluss auch noch mit süßsäuerlichen Äpfeln, Zwiebel und Knoblauch füttern zu lassen.

Schönheitschirurgisch durfte ich zudem auch tätig werden, um die (voreinst) watschelnde Lady von überschüssigen Hautfettlappen zu befreien.

Dann möchte sie für eine ganze Weile- gebettet auf feinstem Wurzelwerk- unter dem Solarium verschwinden, während wir uns draußen mit tropfendem Zahn die Nase plattdrücken müssen.

Braun gebrannt, als käme sie gerade eben aus ihrem Karibikurlaub zurück, lässt sie sich noch den Bauch (mit Salzwasser) bepinseln, damit sie auch ja die knackigste an diesem Abend ist.

Eingebildete Gans!

Doch was nutzt ihr diese vergänglich eitle Fassade, wenn wir uns am Ende doch der Fleischeslust hingeben und nichts mehr als ein abgenagtes Gerippe übrig bleibt, durch das ein matschig gewordener Apfel hindurchscheint und kaum den wahren Kern zu verschleiern vermag…weitgehende Inhaltsleere…

…nachdem man diesen philosophisch angehauchten 5 Minuten-Anfall überwunden hat, der wohl einem akuten Blutsturz gen Magen zu verdanken ist, kommt auch schon das große Erwachen mit Pauken und Trompeten….bzw. mit schmutzigen Töpfen und Backblechen bis zum Horizont.

 

Ab diesem Punkt fragt man sich (zu Recht): Warum das alles?

Weil der Mensch masochistisch veranlagt ist?
Nein.
Weil es doch immer wieder schön ist!