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You stripped my heart! (02.07.2017)

 

 

Ein nettes Verkaufsgespräch neigte sich dem Ende zu.

Jetzt käme gleich etwas Peinliches, sagtest du.

Ob ich denn gerade vergeben sei?

Dann fragtest du nach meiner Nummer.

Ausgerechnet nach meiner.

Ich fühlte mich spontan in jene Herzkino-Filme versetzt, die mir bei solch einem Drehbuch sonst eher ein Schmunzeln hervorlockten. Fehlte nur noch der obligatorische Apfel, der aus einem plötzlich aufreißenden Einkaufsnetz zwischen unsere Füße rollte.

Dein Duft signalisierte mir beruhigende Nähe. Offene Arme. Subtile Wärme. Wirbelnde Schmetterlinge im Bauch.

Wir tauschten blanke, völlig unromantisch sterile Zahlen aus.

Ich fragte nach deinem Namen.

Als ich ging, klang DeMos „Nothing’s impossible“ in meinen Ohren wider, das erst gestern meinen Heimweg intoniert hatte. Und die Tage zuvor. Weil es eben gerade auf meiner playlist für unterwegs drauf war. Einfach so.

„I still believe in love at first sight.“

Ernsthaft?!

„Nothing’s impossible!“

Mir ist schlecht. Alles in mir kribbelt, als ob abertausend kleine Spinnentiere unablässlich und völlig desorientiert auf meinen Eingeweiden auf und ab marschieren würden.

 

18Uhr. Ich wollte eigentlich noch etwas kochen.

Doch ich entscheide mich für Luft.

Und vielleicht Liebe?

Dabei kenne ich DICH doch noch gar nicht.

Ich bin heillos verwirrt.

Jeden Moment könnte die Traumblase platzen, in der ich gerade eingeschlossen bin.

You stripped my heart!

Ich fühle mich zutiefst angreifbar.

 

Wahrheit oder Fiktion?

 

 

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VERTIKAL, MIT 11 BUCHSTABEN: Steigerung von genial?! (08.06.2017)

 

 

DEPECHE MODE.

 

Das war wieder ein Fest und ich bin überzeugt davon, dass der zwischenzeitliche, theatralisch perfekt inszenierte Regenschauer von DeMo im Vorfeld bestellt worden ist, um Martin L. Gores engelsgleichen Gesangsbeitrag zu untermalen. Wäre man kitschig veranlagt, könnte man meinen, der Himmel sei zu Tränen gerührt gewesen. Oder Petrus hat auf seiner Wolke vor Ergriffenheit schlichtweg sein Bier (für die Minderjährigen: Wasser) verschüttet. Zum Glück trinkt man das für gewöhnlich nicht crushed-ice-gekühlt. Wobei etwas Abkühlung für Dave auch nicht unpassend gewesen wäre: Der lief nämlich wieder auf Hochtouren. Heiß. Unermüdlich. 😉

Für all sein Charisma braucht es einfach große Bühnen. Er braucht nur die Hüften lasziv zu schwingen und schon fliegen ihm die allerletzten, flatternden Herzen entgegen. Allerspätestens nach „Cover Me“ oder dem tragenden „Poison Heart“ sollte es um jede/n geschehen sein.

Und dann gibt es zwischendurch immer wieder diese eingestreuten, fragilen Momente mit Martin Gore, die ebenfalls bis tief ins Innere greifen. Anders. Sanft, aber definitiv nicht weniger fesselnd.

Die Mischung aus diesen leisen, die Seele beinah zärtlich streichelnden Momenten und den ganz großen DeMo-Krachern war für meinen Geschmack sehr gut getroffen. Dave und Martin ergänzen sich in ihrer gewissen Gegensätzlichkeit perfekt. Der eine pulvert und wirbelt, was das Zeug hält, kann aber auch stillere Töne anschlagen, und der andere klärt in vollkommener Unschuld „A Question of Lust“. Fletcher tat wie die anderen Mitstreiter ebenfalls sein bestes.

In all der „Going Backwards“-Rückschrittlichkeit der heutigen Zeit, wo „Everything Counts“, alles „Corrupt“ ist und man jeden Tag in „Barrel(s) of a Gun“ schaut, es nach „A Pain that I’m Used to“ verlangt, weil alles „Wrong“ erscheint, sind das jene Augenblicke, die einem helfen, etwas aus einer anderen Perspektive („World in my Eyes“, „Walking in My Shoes“) zu sehen und erkennen zu können, dass Stille („Enjoy the Silence“) ein hohes Gut ist, um zu sich selbst zu kommen, den goldenen Käfig in sich zu öffnen und sich von unnötigen Lasten zu befreien („Stripped“), aufzusteigen, in der Hoffnung, nicht sofort wieder hart und schmerzlich auf den Boden der Tatsachen herabzustürzen („Never Let Me Down Again“), sich von seinem „Personal Jesus“ zu befreien und an das Wahrhaftige zu glauben.Wir sind doch alle „Heroes“ (eine Verneigung an David Bowie) unserer eigenen, kleinen Geschichten. Das sollte man sich nicht zerstören lassen. Von nichts und niemandem.

There is „So Much Love“.

 

 

….

And I, I will be king
And you, you will be my queen
Though nothing
Will drive them away
We can beat them
For ever and ever
We can be heroes
Just for one day

…..

(David Bowie, „Heroes“)

 

 

 

 

 


Ein Sturm zieht auf. (Nachtrag zum 07.03.2017)

 

 

So enttäuscht wie gestern war ich lange nicht…

 

Aber gut, nehmt sämtliche Messer, die ihr finden könnt, und steckt sie mir einfach in den Rücken.

Ich werde es schon zu ertragen wissen.

Im Gegenteil: Das blitzende Metall im Fleische soll mein neuer Panzer werden!

Aber wundert euch nicht, wenn ihr euch an mir schneiden werdet, ihr Falschen und Verlogenen dieser Welt!

 

 

————————-

 

Entschuldige, liebe/r Leser/in, DAS musste gesagt werden.

Ein von außen betrachtet vielleicht nur kleiner Kieselstein hat es trefflich verstanden, bei seinem Weg ins Tal in mir sehr viel kaputt zu machen und mich und mein Vertrauen maßlos zu enttäuschen. Dies ist eine der unangenehmsten Gefühlsregungen, die mich hätten ereilen können. Umso schmerzlicher ist die Wunde, die dabei aufgerissen worden ist.

Ich hatte ein gutes Gefühl und war in vielen Belangen zufrieden, doch dies war wieder nur ein Hinterhalt, den ich mir selbst gestellt habe.

 

 

 

 


Wegbereiter (17.09.2016)

 

 

Stelle dir, geneigte(r) Leser(in), vor, alles wäre gut, quasi in Butter, wie man so schön zu sagen pflegt, alles würde an dir vorbeiplätschern, ohne dass sich Anstößiges oder aus der Reihe fallende Fremdkörper darin finden lassen würden, an welchen es sich lohnen könnte, anzuecken, und alles in einen wohlig und angenehm illuminierenden Lichtschein getaucht wäre, wie man ihn sich vielleicht im Paradies vorstellen würde. Jeder würde im vollkommenen Einklang mit den Dingen schwelgen.

Würdest du, werte(r) Leser(in), daran etwas ändern wollen?

Nein?

Das klingt überaus vernünftig.

Doch wie sieht es im Menschen tatsächlich aus…

Ist er wirklich für Stagnation geschaffen, oder ist sein wahres Wesen nicht doch explorativer und verändern wollender Natur? Wäre es nicht ein Graus, gebunden in einem Idyll- einem goldenen Käfig- verharren zu müssen, nur weil sich nichts ändern dürfte, weil es gut ist, so wie es bisher war? Verkümmert nicht im gleichen Zuge das, was ihn in seinem wahren Kern ausmacht, ginge er nicht wenigstens ein einziges Mal das Risiko ein, dass hinterher nicht mehr alles in einer wattig-wolkigen Aura schweben würde, sollte er gegen den Stillstand rebellieren und aufbegehren wollen?

Was den Menschen voranbringt sind die Unzufriedenheit, ein ernsthaftes wie auch banales Ärgernis oder ein still gehegter Groll, welche in ihrem sinngebenden Wesen zu kreativen Bewältigungsstrategien, das Einschlagen neuer Wege oder zur Interaktion miteinander antreiben.

Unzufriedenheit und Ärger stellen in gerichteter Form den Impulsgeber dar, der uns aus einer alles festfahrenden Lethargie zu entreißen vermag, bevor der Karren entgültig im zähen Morast versinkt und jegliche Motivation nach Veränderung abtötet. (Vermeindliche!) Vollkommenheit macht träge und schläfrig und lässt nicht das volle Potential entfalten, das ein jeder Mensch in sich trägt.

Es ist kein Frevel, sich der verlockenden Schönheit eines Momentes hingeben zu wollen. Doch es wäre sicher Sünde, scheinbar satt und zufrieden unentdeckt zu lassen, was noch im Verborgenen liegt und dich als Menschen (auch und insbesondere charakterlich) weiterbringen könnte.

 

Ich würde gern noch ein Schritt weitergehen wollen.

 

Sollte nach außen hin kommunizierte Wut oder ein Neigen hierzu gänzlich negiert und als charakterliche Schwäche abgetan werden? Ist der gerichtete Ausbruch eines Vulkans an seiner schwächsten Stelle (das emotionale Grundgerüst eines Menschen) nicht Bedingung für eine Entspannung im Inneren eines ansonsten ringsum verschlossenen Raumes, aus welchem auf anderem Wege als der vollständigen Zerstörung nichts entweichen könnte? Fühlen wir uns nicht deutlich besser, wenn wir dieser Emotion Bahn brechen und dem Rezipienten auf den Tisch knallen, was uns schwer auf Seele und Herz lastet? Geht es danach nicht allen Beteiligten besser, wenn sie wissen, wo jeder steht?

Und führt uns die Wut über uns selbst nicht am besten vor, dass man etwas ändern muss, um sich vor anderen nicht mehr selbst vorführen lassen zu müssen?

Wut* ist ehrlich. Sie lässt zwar leicht irrational werden, doch hält sie nichts von dauerlächelnden Visagen, die alles nur wortlos schlucken, statt sich zu wehren und womöglich irgendwann feige und hinterhältig agieren, weil sie es nicht besser wissen (wollen).

Dabei kann ein simples (Streit)Gespräch, auch wenn es mindestens zu Anfang emotional geführt wird, am Ende doch alle insofern (seelisch) befriedigt zurücklassen, weil sich etwas aufgeklärt hat oder wenigstens die Karten offengelegt und möglicherweise bestehende Missverständnisse aus der Welt geschafft werden konnten.

 

Und schon sind wieder alle einen Schritt vorangekommen.

 

 

 

* Die Emotion an sich. Blinde Zerstörung (physisch und psychisch) als Folge eines sich unkontrollierbar auslebenden Aggressors möchte ich strikt ausklammern!

 

 

 

 


Fragen über Fragen (29.08.2016)

 

 

Was würdet ihr tun, wenn euch jemand seine/ihre Liebe zu euch gesteht, die in Anbetracht jeglicher Konventionen bar jeder Vernunft wäre und jene Person- selbst vernunftbegabt- zudem trotz aller aufgewühlter Gefühle diese Liebe aus eben jenem Grunde niederzukämpfen versucht, doch ganz offensichtlich nicht recht mit dieser Situation zurande kommt, sich am falschen Ort fühlt und euch, wohl um eine gewisse Ruhe zu erlangen, aus diesem unglücklichen Moment heraus einen (Liebes)Brief schreibt?

Was würdet ihr tun, wenn euch diese Situation seltsam bekannt vorkommt, weil ihr euch vor nicht allzu langer Zeit selbst in einer eben solchen Lage befunden habt und wisst, wie es klingt, wenn ein Herz zerbricht? Euer eigenes.

Was würdet ihr dieser Person raten, wenn ihr aus diesen eigenen Erfahrungen heraus wüsstet, dass die Zeit die eine oder andere Wunde zu heilen und selbst ein entzweites Herz zumindest einer restitutio ad functionem zuzuführen vermag, letztlich aber niemals alles so wie vorher sein wird?

Was würdet ihr raten, wenn ihr wüsstet, dass eine (zufällige) Fluchtgelegenheit euch beim „Vergessen“ geholfen hat, diese jedoch am Ende auch nur wie schützend vorgehaltene Hände verbirgt, was euren Augen unbewusst oder bewusst vorenthalten bleiben sollte?

 

Es existiert kein universelles Allheilmittel, das jedem Individuum und all seinen individuellen Bedürfnissen gerecht werden könnte. Keiner kennt der Weisheit letzten Spruch. Woher also eine Ultima ratio nehmen, die uns oder einen anderen Menschen aus dem Leid zurück zum Glück führt? Wie kann man darauf hinwirken, dass der/die unglücklich (und einseitig) Verliebte zurück in ruhigere Bahnen geleitet werden kann, ohne einen weiteren schmerzhaften Stich dadurch erfahren zu müssen?

 

Außerdem: Ist denn immer gleich alles unter dem vorgeprägten und damit vorbelasteten Begriff Liebe zusammenzufassen, was uns und unsere Herzen bewegt? Meinen wir nicht vielleicht doch etwas anderes, einen Austausch zwischen Seelenverwandten vielleicht, oder ein sich natürliches Ergänzen zwischen Animus und Anima? Wäre dies nicht ein Ansatz, um sich mancherlei Leid zu ersparen, weil alles andere in seiner Verfänglichkeit wider jeglicher Vernunft wäre und hernach gleichsam niemals zum Glück gereichen könnte und- von außen betrachtet– dürfte?

Vermag uns dieser Gedanke zu trösten, dass es womöglich doch nicht die Liebe selbst ist, die uns umtreibt? Oder würden wir uns nur wieder selbst belügen und damit etwas mühsam zu verschleihern versuchen, das wahrhaftig sein könnte?

Fragen über Fragen.

Doch wer kennt die Antworten?

 

 


Mind the gap! (23.08.2016)

 

 

Realität und (Selbst)Wahrnehmung scheinen recht oft zwei komplett unterschiedliche Paar Schuhe zu sein. Sagen wir bildlich gesprochen, dass das eine HighHeels und das andere FlipFlops wären. Wahrscheinlich ist dieses „recht oft“ auch noch die am häufigsten kleingeredete, jedoch mit der allergrößten Inbrunst vorgetragene Untertreibung seit der erste Einzeller weitgehend gerichtete Bewegungen während des Schwimmunterrichtes vorweisen konnte. Ob dieses von einer mit der Umwelt in Kontakt tretenden Begrenzung  umgebene Konglomerat aus amorpher Substanz und ein paar anderen notwendigen Ingredienzen jetzt das Huhn oder doch eher das Ei war, kann ich itzo nicht mit Sicherheit sagen, da es doch ein paar Jährchen vor meiner Zeit lag, doch das tut nichts, aber auch  rein gar nichts an der Tatsache, dass es eben einfach so ist, wie es ist. Dazwischen klaffen einfach Welten. Punkt.

 

Reflexionen im Stillen

Das Gras ist anderwo immer grüner, du bist stets perfekt und die anderen sind generell einfach unfähig und/oder machen alles falsch…oder zumindest so, wie du es nie, nie, niemals machen würdest, weil es einfach unsinnig, auf Sparflamme gedacht und ganz schlicht und ergreifend nicht von dir stammt.

Doch ist es wirklich richtig, was du für richtig hälst?

Den anderen geht es aber auch immer besser, alle wollen dir nur  Schlechtes und am Ende sind immer alle nur gegen dich. Nie bist du gegen die anderen! Armes Hascherl, das du doch bist!

Doch was würden wohl die Anderen behaupten?

Du pustest Zucker in die Hintern nimmersatter, undankbarer Kleiner-Finger-ganze Hand-Vernascher und erntest doch nur den Pechregen. Die Golddusche fassen stets andere ab. Der Undank, unser Welten Lohn, sei dir gewiss, doch gräme dich nicht: Nicht gemeckert ist Lob genug. Merk ’s dir einfach und beschwer dich nicht!

Doch bist du es nicht selbst, der die freundliche Hand ausbeutet? Wie dankst du es ihr eigentlich?

Oh, weh. Das Leben ist doch eines der härtesten! Erst recht für einen empathischen, hinterfragenden, selbstkritischen, gerechtigkeitsliebenden, selbstzerfleischend aufopfernden, von Anderen gleichsam einfordernden, begrenzt geduldigen Gefühlsmensch, dem dreimaliges, tiefes Durchatmen irgendwann einfach nicht mehr reicht, weil das Maß voll ist und weil er nicht wie ein Verrückter den rundgelutschten Stein wie einst der arme Sisyphos immer und immer wieder zurück bergan rollen möchte und kann, weil es ab einem gewissen Grad an Wiederholungen wider der Natur des logischen Denkens ist. Doch wie soll man das begreiflich machen, ohne dass wieder die Goldwaage ihres Amtes walten muss, auf die man jedes noch so belanglose Detail hin- und herwälzen kann, auf dass das Zünglein doch endlich, endlich ausschlagen möge…damit man mal wieder einen gepflegten Grund hat, um aufzuschreien….einfach um des Aufschreiens willen. Das Warum darf gern zweitrangig bleiben.

Doch bist du, sehender Heroe, besser als die Anderen? Bist du es nicht, der aufschreit, um des Aufschreiens willen? Lässt du nicht selbst das Zünglein an der Waage ausschlagen?

Kein Selbstbild der Welt ist vor Verzerrungen gefeiht. Keiner ist so perfekt, makellos oder kennt den richtigsten aller richtigen Wege, auch wenn es manchmal gern vorgegeben wird, hierzu in der Lage zu sein. Irren ist menschlich. Selbstbetrug auch. Aber ist es nicht erlaubt, dass man andere wider besseren Wissens um dräuend aufziehende Disharmonien mit der Nase auf etwas stoßen darf, auch wenn man es selbst vielleicht gar nicht erfüllen könnte, aber sich doch insgeheim wünscht, es zu können? Sollte der Andere dies nicht eher als Schulterschluss denn als Affront auffassen?

Doch würdest du immer den Schulterschluss dahinter vermuten oder auch nur wieder unwillkürlich zielstrebig den geworfenen Stein im Glashaus suchen?

UND WIE HANDELTE ICH?!

Ich nehme mir zu viel zu Herzen. Mir könnte es egal sein, was andere denken, tun oder bleiben lassen. Ist es aber nicht. Ich möchte nicht in einem „nach-mir-die Sintflut„-Weltbild versacken, nur um ein ruhigeres Leben führen zu können und nicht mehr mich und andere mühsam reflektieren zu müssen. Dann schwelge ich lieber in selbstmitleidigen Unverständnis über die Welt. Dabei bin ich ganz gewiss nichts Besseres oder Schlechteres. Wer weiß, wer über mich den Kopf in jenem Moment schüttelt, in welchem ich meinen Mund unwillkürlich abschätzig verziehe. Wer bin ich, dass ich über Richtig und Falsch richten könnte?! Wie anmaßend oder ungerecht ich damit doch sein kann, ohne es vielleicht sogar zu bemerken. Nicht alle wollen mir Böses. Doch auch ich will niemanden etwas Unrechtes.

Muss denn gleich hinter jedem Wimpernzucken, sei es das meinige oder das der Anderen, eine Intention stecken?

Ich denke manchmal zu viel.

Manchmal denken die Anderen zu viel.

Und am Ende denken wir alle zu viel, aber eindeutig zu wenig nach.

So schüren wir Missverständnisse, Verzerrungen und unnötiges Kopfzerbrechen. Wer kümmert sich denn bitteschön um die Scherbenhaufen?! Wir sind alle keinen Deut besser. Oder schlechter.

Ich muss noch viel lernen. Wie alle anderen auch. Am besten fangen wir gleich an…but: Mind the gap!

 

 

 

 

 


Kopfball (7.3.2015)

 

Hingerissen zwischen den Gefühlswelten „erschreckt sein“ und „lauthals loslachen“ stand sie da: Die Mutter vor dem Kinde.

Was war geschehen?

Eigentlich nichts Spektakuläres. Passiert sicher mindestens 14-mal am Tag irgendwo in Deutschland und vielleicht 937-mal weltweit.

Tja, am Ende hat wieder etwas wie die Faust aufs Auge gepasst. Streng genommen war es aber ein Ball. Ich möchte schließlich bei der Wahrheit bleiben.

Und so kam es, dass Mami den Pass ihres kleinen Filius direkt annahm und gekonnt und überaus zielsicher zurück in dessen Gesicht beförderte.

 

Ohje, ihr kennt das sicher. Man möchte laut loslachen, darf aber nicht. So hat sich wohl auch die Mutter gefühlt.

 

Nachdem kurz per Ferndiagnose geprüft wird, dass es dem Spross gut geht, und man noch auf die verzögert einsetzenden Tränenströme wartet, hat man leider genug Zeit, um das soeben Erlebte innerlich zu rekapitulieren und die gewisse Komik darin zu erkennen. Nun darf man sich aber nicht dazu hinreißen lassen, vor den Augen des Geschädigten darüber zu lächeln oder gar zu lachen. So schwer es auch fallen möge!

Stattdessen nehme man einen besorgt-mitleidigen Gesichtausdruck an, halte beide Hände vor den Mund (um das verräterische Zucken im Mundwinkel zu verdecken) und stürze auf das „Opfer“ der eigenen Taten zu, um es fest an sich zu drücken. Wenn die letzte Träne im Kragen versiegt und der letzte Ton des Wehschreis durch die Hörsinneszellen gefegt ist, darf man aber wieder erleichtert gucken und sich gemeinsam (!) mit dem sich wieder von der akuten Sauerstoffnot (manche Kinder können echt gefühlte Ewigkeiten brüllen, ohne einmal nach Luft zu schnappen) erholenden Nachwuchs freuen, dass noch alles an Ort und Stelle ist.

 

Und im Hintergrund stand der Vater….und lachte sich eins…