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To-Do-Listen (16.12.2015)

 

Wer hat nicht schon mehr als einmal solch ein Exemplar ertüftelt und im Nachhinein zumindest teilweise verworfen?

To-Do-Listen, gerade jene die sich über mehrere Tage erstrecken und eigentlich konsequente Abarbeitung für sich reklamieren, sind ein Kuriosum und teilweise ein Ding der Unmöglichkeit an sich. Der erste Blick vermag oftmals zu täuschen.

Wurde der Plan einmal aufgestellt, begutachtet man sein Werk mehr oder minder beiläufig mit Stolz und schätzt sich hernach für überaus fähig ein, da man offensichtlich so viele verschiedene Dinge spielend unter einen Hut gestopft hat. Alles scheint möglich und (ein)lösbar.

Doch dann schreiten die Tage voran. Neue Dinge kommen dazwischen. Auf Arbeit hat es wieder länger gedauert. Die Wohnung möchte auch gern geputzt werden. Der Kühlschrank mosert sein 2 Tagen herum, dass er diese innere Leere auch nicht mehr lange aushalte. Und so schieben sich einige Punkte der unverbindlich terminisierten Arbeitsaufstellung auf. Zumeist betrifft es die, welche von vornherein als eher ungeliebt eingestuft worden sind und mehr lästige Pflicht als alles andere in sich bündeln.

Ach, das geht auch noch morgen. Das hat Zeit. Heute habe ich keine Lust mehr dazu.

Dumm ist nur, wenn man dadurch wieder einmal an seinen eigenen Ansprüchen scheitert. Mensch, das hättest du schon noch gepackt. Jetzt hast du später wieder mehr zu tun. Am Ende kommt bestimmt wieder etwas dazwischen.

 

Wie zu vermuten stand, liegt justament in diesem Moment solch eine To-Do-Liste neben mir. Wer hätte das gedacht?

Und ja: Ich habe schon vieles abgearbeitet.

Und ebenfalls ja: Fast genauso viele Notizen wollen noch feinsäuberlich mit zufrieden-lässiger Federführung vom besagten Papier als abgehakt gestrichen werden.

Die unaufschiebbaren und vor allem unausweichlichen Worterinnerungen sind wenigstens schon auf der großen grünen Wiese.

Jetzt kommt die „Kür“, welche ich im Anflug von Gewissensbissen schon x-mal zwischen den verbliebenen Tagen dieser Woche hin und hergeschoben habe. Besser wird es davon auch nicht, erst recht nicht, wenn da so ein dämlicher Schweinehund im Hinterstübchen hockt, der viel lieber selbstgebackene Plätzchen knuspert und selbstgemachten Gewürzkaffee* auf der heimischen Couch schlürft und sich den Räucherkerzchenduft um die Nase wehen lässt. Penetrant, dieser olle Sack!

 

 

 

* starker Filterkaffee mit Kardamom, Zimt und Zucker

 

 

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Ab in die Tonne! (01.11.2015)

 

Dass heutzutage vielen Dingen ein geringerer oder zumindest ein anders bezifferter Wert beigemessen wird, als es andere Generationen (so sonderlich weit muss man da gar nicht zurückblicken) für sich selbst festgesetzt hätten, muss man anscheinend so hinnehmen. Die Welt wird immer schnelllebiger und eine Bremsvorrichtung hat der Fortschritt offensichtlich in der Planung vergessen. Lediglich ein Baum scheint diese Maschinerie mitsamt der krankenden Begleit- und Folgeerscheinungen noch stoppen zu können. Weiterentwicklung ist eminent wichtig, sonst stünden wir nicht hier an dieser Stelle, doch gilt es dabei den Preis dafür immer im Blick zu halten. Zu schnell kann sich alles von der langen Leine losreißen und ein ungewolltes Eigenleben zu Tage fördern. Selbst wenn man immer noch irgendwie die Kurve kriegt, irgendwann ist der Punkt erreicht, wo es im Getriebe hakt und die ganze Chose* im Straßengraben landet.

Doch ich schweife ein wenig vom eigentlichen Stein des Anstoßes ab, obwohl der Werteverfall auch hier eindeutig stichwortgebend ist.

Was würdet ihr mit einem frisch geschmierten Brot inklusive Salamibelag machen, das euch euer offenbar getrennt von der Mutter lebende Papi mit auf die Heimreise gegeben hat?

Dieses sicherlich essen. (Einwand anzeigende Vegetarier und Veganer unter euch lasse ich an dieser Stelle mal außen vor.)

Gut, das Mädchen biss auch hinein und nagte die weiche Krume von der Rinde. Die Rinde mit zwischengeschalteten Wurstscheibenresten wanderte zurück ins Butterbrotpapier zur noch verbliebenen halben Doppelschnitte. Daraufhin wickelte sie alles sorgfältig ein….um es zu verstauen und vielleicht später noch auf der Zugreise zu essen….NEIN….um es mit ungerührter Miene geradewegs zum Müllkorb zu tranportieren und darin zu versenken.

Ich schielte prompt zur zugehörigen Mutter herüber. Keine Reaktion. Für beide schien es das Normalste der Welt zu sein, ein halbes Brot einfach so zu entsorgen.

Nicht der Akt des Wegwerfens ließ mich primär die Stirn runzeln, was ja an sich schon nicht besonders heiter stimmt, aber möglicherweise Gründe** hat, sondern diese Regungslosigkeit und Ungerührtheit währenddessen. Und das schon bei einem Grundschulkind.***

In dem Alter habe ich mir dreimal überlegt, ob ich mein während des Schultages nicht hinter die Kauleiste geschobenes Brot wirklich im nächstgelegenen Gebüsch bzw. in der erstbesten Mülltonne versenke, oder nicht doch noch schnell hinterstopfe. Ich habe von meinen Großeltern und Eltern noch ganz wie selbstverständlich und nebenbei gelehrt bekommen, dass man trotz vollen Kühlschrankes nicht verschwenderisch mit den Lebensmitteln umgehen soll und dass man sich auch eben immer nur so viel auf den Teller macht, wie man schaffen kann. Das „Recyceln“ von Resten (so denn noch vorhanden) gehörte auch dazu. Das hat etwas mit Respekt und Wertschätzung vor den Dingen zu tun.

Manchmal hat man das Gefühl, dass gerade jene, die theoretisch nicht so viel haben, sich zum Teil auch am wenigsten Gedanken darüber machen, was sie gerade der Mülltonne zugeführt haben. In solchen Fällen (hoffentlich seltener als befürchtet!) stimmt das besonders traurig. Ist es eine reine Erziehungsfrage? Oder stumpft uns das Drumherum im Alltag immer mehr ab? An jeder Ecke steht ein Supermarkt oder Discounter, wir haben alles, was wir brauchen und noch viel mehr. Da kann man sich schon mal ohne mit der Wimper zu zucken den Luxus gönnen, einen Teil davon ungenutzt zu entsorgen, als wäre er wertloser Unrat.

Ich fange jetzt nicht an mit dem Spruch von dem kleinen Kind in Afrika, das sich freuen würde und so weiter, da dies viel zu polemisch gedacht und nur auf die Tränendrüse zielen würde. Es muss doch auch in einer Wohlstandsgesellschaft noch ein bisschen mehr Respekt vor lebensspendenden Mittel- Lebensmitteln- geben, oder nicht?

Wie schnell passiert es, dass mal wieder etwas im Überfluss oder ohne Sinn und Verstand Gekauftes das Ende seiner tatsächlichen Haltbarkeit (also wenn es wirklich ungenießbar geworden ist) erreicht hat und das Damoklesschwert über ihm drohend schwebt?

Mir passiert das auch hin und wieder. Aber mir kommen dann wenigstens noch Gewissensbisse.

 

 

 

 

* Angelegenheit, Sache

** Ein olles Butterbrot schmeckt irgendwann nicht mehr.

*** Das geschilderte Beispiel spiegelt für mich jedenfalls die Generation „Am liebsten Toastbrot ohne Rinde“ wider, auch wenn es sich hier streng genommen um ein Mischbrot gehandelt hat.

 


Ist es nicht schön, zu teilen? (1.10.2014)

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Den Spruch kennt wohl jeder. In manchen Situationen ist er unter Umständen sogar eminent wichtig. Zum Beispiel im Straßenverkehr. weiterlesen


Weg des geringeren Widerstandes (7.8.2014)

Als Radfahrer hat man es nicht immer leicht, wenn man sich erdreistet, auf der Straße fahren zu wollen, wobei das Wollen nicht immer gänzlich selbstbestimmt ist. Die StVO redet ja schließlich auch allgegenwertig ein Wörtchen mit. weiterlesen


Materialschlacht zwischen A wie Apfel und Z wie Zucchini (verfasst am 29.7.2014)

Neulich im Supermarkt…

Will man es der Kassiererin am Ende unseres neuzeitlichen Jäger- (respektive Sucher-) und Sammlerdaseins nicht unnötig schwer machen, so verstaut man in der Regel Obst und/oder Gemüse im Vorfeld nach Sorten getrennt in jeweils eigene Tütchen, die einem nutzdienlicherweise gleich an Ort und Stelle angeboten werden.
Man soll ja schließlich Äpfel und Birnen nicht einfach zusammenwerfen … weiterlesen