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I’m a murderer! (11.03.2016)

 

Werte Leserschaft, bevor ich fortfahre, bitte ich um Folgendes: Schickt mir die Schergen bitte erst zum Sturm Klingeln an die Wohnungstür, wenn ihr zu Ende gelesen habt…

 

 

Bereits in der Früh, oder sollte ich besser schreiben immernoch, belagerte mich mein Besuch. Eingeladen hatte ich diesen ursprünglich nicht, es ergab sich wohl einfach so. Auf irgendeine wundersame Weise kam schließlich auch Maria zu ihrem Kinde…und ICH zu meinem Gast.

So früh am Morgen schenkte ich ihr noch nicht sehr viel meiner Aufmerksamkeit.

Ich möchte hier nicht irgendwie unhöflich erscheinen, aber direkt nach dem Aufstehen sehe ich es als allgemein vertretbar an, wenigstens eine halbe Stunde ungeteilte Ruhe ganz für mich allein zu reklamieren.

Ich ließ sie also machen, schaltete die Kaffeemaschine an und verschwand im Bad.

 

Fragt mich bitte nicht, was sie derweil im Nebenraum trieb. Womöglich kotze sie wieder an irgendeine Fensterscheibe oder rieb sich auffällig die behaarten Beine.

Als ich die Küche wieder betrat, war von ihr nichts zu sehen. Hatte sie sich ins Schlafzimmer zurückgezogen oder flätzte sie gerade auf der Couch herum?

Mir war es gleich. Ihr Dasein in meinen Vier Wänden war sowieso als begrenzt anzusehen. Dies hatte ich unlängst entschieden. Einstimmig. Ihre Meinung, die gewiss eine ganz andere wäre- wer lässt sich schon aus dem Paradies vertreiben- interessierte mich nicht die Bohne. Das Leben ist eines der härtesten, Schätzchen…

Unbemerkt- anders kann ich es mir nicht erklären- muss sie sich irgendwann von hinten angeschlichen haben. Details zu den folgenden, hier nicht weiter aufgeführten Geschehnissen, werte Leserschaft, bitte ich beim Kollegen Mr. Hyde zu erfragen*, da sie sich bis einschließlich jetzt gänzlich meiner Kenntnis zu entziehen verstehen.

In jedem Falle kann ich festhalten, dass unserer Aufeinandertreffen bei ihr ganz augenscheinlich einen überaus bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Nein! Ich kann mit Fug und Recht sogar hier an dieser Stelle ganz unverhohlen behaupten, dass ich sie in diesem Moment regelrecht geplättet zurückließ.

Zu bedenken möchte ich geben, dass es sich hierbei noch nicht einmal um sonderlich geplante Taktierei meinerseits gehandelt hatte- man erinnere sich an meine Entscheidung, sie persönlich vor das imaginäre goldene Tor meines Palastes zu setzen- geschweige denn um eine Handlung aus der vollsten Absicht heraus.

Strategische Schlachtpläne liegen mir in derlei Angelegenheiten eher fern. Man sollte schließlich stets das mildeste Mittel zuerst anwenden und nicht gleich mit der Keule ums Eck spaziert kommen.

Jedenfalls- ich möchte ungern weiter um den heißen Brei herum reden- muss ich gestehen, dass es wohl oder übel zum Äußersten gekommen ist. Da lag sie plötzlich darnieder auf den kalten Fließen, ohne noch einen Mucks zu tun.

Mea culpa! So endgültig war das defintiv nicht geplant gewesen. Ändern konnte ich es aber leider nicht mehr. Das Leben ist eines der härtesten….wie ich bereits schon schrieb.

Höflich wie ich bin, führte ich ihren Leib einer Erdbestattung- sagen wir mal einer Abart von „Erde“- zu.** So viel Zeit muss sein , finde ich!

Und dann: Deckel drauf auf die Sache.

Aus Zeit- und Kostengründen, und um den Aspekt meiner eigenen Zurechnungsfähigkeit zu wahren, verzichtete ich auf das Engagement einer dreiköpfigen Trauerkapelle und wischte lediglich die kleinteilig versprengten Überreste von den Kacheln am Boden.

 

Als wäre nichts geschehen, zog ich die Tür hinter mir zu, blickte mich nicht unauffällig nach Zeugen um und fuhr seelenruhig auf Arbeit.

Von hinten auf der Rückbank meines Autos hörte ich Mr. Hyde kichern:

Du hast die Fliege voll plattgelatscht, du Trampeltier!

Ich?!!

 

 

 

* Telefonisch erreichbar: Täglich….von Zwölf bis Mittag.

** Wer im Übrigen nähere Informationen zum Thema „Unkomplizierte Beseitigung von Leichen“ haben möchte, darf sich gern melden*.

 

 

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Unmutsbekundungen (18.10.2015)

 

Ich berichtete („Vögelei“…ganz ohne Schweinkram), dass ich die Saison der Vogelfütterung aufgrund frostiger Temperaturen für eröffnet erklärt hatte.

Meine Sorgen, ob man/Vogel dieses verlockende Angebot überhaupt entdecken würde, wandelten sich schlagartig in Sorgen um mein Haupthaar um, denn in Null-Komma-Nix war der Körnerhaufen weggeputzt worden, als hätten sie den Sommer über nichts zu Fressen gefunden.

Das Häuschen war wie leergefegt. Es fehlte nur noch der obligatorische Steppenläufer, der hindurchrollt, um die Szenerie cineastisch gekonnt zu unterstreichen.

Dafür sah der Balkonboden aus wie nach einem wilden Gelage oder einem Kindergeburtstag.

 

So viel zur Vorgeschichte.

Heute am Morgen füllte ich das Vogelhaus nicht gleich als erste Amtshandlung des (Sonn)Tages auf. Die Temperaturen haben sich ja normalisiert und die Büsche hängen voll mit Beeren. Auch insektisches Eiweiß schwirrt wieder herum.

Oh, Freunde, da war Krieg angesagt! Aber so richtig.

Zügig schloss ich die zum Lüften geöffnete Balkontür wieder, bevor sich eine Meute Spatzen plündernd und brandschatzend gen Kühlschrank, Körnertüte oder meinem Haupthaar aufmachte.

Drollige Gesellen, nicht wahr?

Mein Gegenangriff folgte auf den Fuße, schließlich lasse ich mich nicht von Halbstarken erpressen. Nulldiät für alle und heute abend gibt’s nur eine halbe Ration! Wer herumbockt geht ohne Abendbrot ins Bett!

Basta!

 

Warum nur erscheinen mir nun große runde Knopfaugen, engergeschnallte Gürtel und eingefallene Wangen vor meinem geistigen Auge?! Ich bin nicht herzlos….nur….ja, ja, ich geh‘ schon los und fülle wieder auf… *davonstapf*