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Töpfegucker (26.08.2016)

 

 

Weil es gerade so schon heiß draußen ist und die folgende Story perfekt in dieses hochsommerliche Ambiente passt, dachte ich, dass ich ein Vorkommnis des letzten Sonntages noch einmal rekapitulieren könnte.

 

Es war früher Abend, die letzte Regenwolke hatte sich, Bob sei ’s gedankt, verzogen und ich nutzte die Chance meinen neu erworbenen Elektrogrill auf dem Balkon auszutesten.

Froher Erwartung (auf baldiges Essen!) hatte ich bereits im Vorfeld jedes Einzelteil sorgsam aus dem Karton befreit, gereinigt und alles wieder zusammengebaut, was bei sage und schreibe 4 Einzelteilen (PLUS Verlängerungskabel, was die Sache natürlich erheblich verkomplizierte…) jetzt aber auch nicht DIE nobelpreisverdächtigste Tat des Tages gewesen war. Glückwünsche dürfen mir dennoch gern zugestellt werden.

Ich stöpselte das Gerät ans Netz an, flämmte alles wie vorgeschrieben zunächst für ein paar Minuten ab und legte derweil schon das vorbereitete Grillgut in Startposition.

Es konnte losgehen.

Offenbar wurde nun jedoch auch der Balkonnachbar wach, den ich bis dato noch nie gesehen hatte. Lediglich ein paar geleerte Bierflaschen, eine vertrocknete Topfpflanze und sich von Zeit zu Zeit örtlich verschiebendes Gartenmobiliar zeugten von der Anwesenheit einer Person nebenan.

Glücklicherweise befand sich noch ein Sichtschutz aus grauen Vormieterzeiten zwischen uns. Leider ist dieser jedoch nur zu einer partiellen Abschirmung befähigt und während ich wartend auf der Türschwelle hockte, schälte sich neben mir ein Astral von einem Körper aus der Wohnhöhle.

Kurz überlegte ich noch, ob ich den Grillvorgang jetzt besser abbrechen sollte, oder doch mein Steak auflegen und brutzeln sollte. Ich entschloss mich für letztere Option, schließlich hatte ich mich schon so sehr darauf gefreut und das Vorhaben aufgrund von Regen bereits verschieben müssen. Es konnte also kommen, was da wollte. Mochte sich der Nachbar noch vollkommen nackig machen und Samba tanzen….ICH hätte unbeirrt weitergemacht.

N‘ Abend!

N‘ Abend!“ Für mich war damit die Konversation an sich auch weitestgehend abgeschlossen gewesen.

Natürlich musste er dann im nächsten Moment sein Stühlchen genau mit Blick auf meine Grillstelle hin ausrichten und es sich darauf bequem machen.

Wenigstens hatte er sich nun ein T-Shirt übergeworfen, was die Tatsache an sich, dass man sich derart demonstrativ meiner  Essen zubereitenden Tätigkeit widmen musste, nicht wirklich verbesserte. Ich mag es nicht, beobachtet zu werden.

Das Interesse rührte auch sicher nicht von störendem Qualm her, denn dieser war noch nicht einmal in Ansätzen festzustellen gewesen.

Was gibt es denn?“ , kam es in einem seltsam sülzig-gesprächigen Tonfall von drüben.

Ich überlegte kurz. Roulade mit Rotkohl und Klößen?!

Letztlich entschied ich mich doch für die Wahrheit.

Gegrilltes“ , gab ich nonchalant zurück.

Schwein oder Geflügel?

Einen ganzen Auerochsen am Spieß, Herrbob noch mal!

Schwein“ , gab ich kurz angebunden zurück und flüchtete mich mit meiner endlich durchgegarten Kost ins Innere meiner Höhle, bevor der leicht aufdringliche Typ noch auf die Idee kam, sich womöglich noch eine milde Gabe zu erbitten. Nein, ich hatte in diesem Moment keinen Bock auf Reden.

Ich hatte Hunger!

 

 

 

 


Da war doch noch was… (21.10.2015)

 

 

Ein Tipp vorab: Geht nie hungrig einkaufen!

 

Auf Arbeit hatte es mal wieder länger gedauert und so langsam meldete sich das kleine Hüngerchen, als ich nach Hause fuhr.

Nachdem ich den gesamten Rassel abgeworfen hatte, schnürte ich mein Ränzlein und trat den Marsch gen Supermarkt an.

Dort lachte mich der Blattsalat an. Rein damit in den Einkaufswagen.

Noch breiter grienten mich die Lebkuchen an. Auch die durften mit. Für Weihnachten…

Dann noch dieses und jenes, damit der Abend nicht zur Hunger-…äh….Hängepartie werden würde.

Kurz vorm Joghurtregal fiel mir die Tomate von den Augen. DA WAR DOCH NOCH WAS! Genau, richtig! Ein Päckchen Hackfleisch, dessen Verbrauchsdatum* aufgeregt in meinem Hinterstübchen winkte und darum bettelte, als selbstgemachtes“Chili con carne“ enden zu dürfen und nicht als grauer, verwesender Haufen organischen Materials. Die Schale stand noch daheim in meinem Kühlschrank und musste sich wohl schon fast sträflichst vernachlässigt fühlen. Bereits am Sonntag habe ich das durchgedrehte Fleisch versetzen müssen, weil das eigens gezimmerte Hühnchen in Erdnusssauce doch wieder reichlicher ausgefallen ist, als gedacht.

Mein Blick fiel zurück in meinen Einkaufskorb, der nun 2 oder 3 überflüssige Dinge enthielt, deren Frischegrad durch die sich anbahnende Verzehrsaufschiebung auch nicht besser werden dürfte.

Eine latente Fress“Panik“ machte sich breit. Das kennt ihr vielleicht auch noch von euren Großeltern, die schon aufstöhnen, wie sie das denn bitteschön schaffen sollen, obwohl der Seniorenteller gerade erst einmal platziert worden ist.

Sei es drum. Salat und Co kamen trotzdem mit. Die werde ich schon kleinkriegen. Zusammen mit dem großen Topf Chili……Wenn ihr demnächst einen lauten Knall hören solltet…ich war’s eventuell. Kugelrund gefuttert.

 

 

*Verwechselt das Verbrauchsdatum („Dead-Line“) nicht mit dem MHD („kann noch ’n bisschen“).

 

 

 


Die Elite von morgen… (12.07.2015)

 

So langsam kommt der Schulanfangsrummel ins Rollen. Überall sprießen die Angebote vom Ranzen, übers Federmäppchen (aka Faulenzer…nomen est omen…hauptsache der Reißverschluss geht noch zu) bis hin zum ergonomisch geformten Stifteanspitzer mit kurvendynamischer Xenon-Beleuchtung und integrierter Blaskapelle.

Und der bambuskauende Pandabär darf auch wieder seine ökologisch korrekte Birne herhalten, um die Ökobilanz zwischen all den knallpinken und mit Weichmachern verfeinerten Plastik-Zugaben für die Einschulungs-Zuckertüte etwas aufzupolieren.

 

Was mir bei den ganzen Werbeprospekten ins Auge fiel, waren essbare Spickzettel aus Esspapier.

Meine Herren, da wird ja an alles gedacht! Sogar die Mine des beigelieferten Stiftes ist essbar (sollte in dem Fall eigentlich selbstverständlich sein…)!

So wird also bereits der Erstklässler schon auf Betrug getrimmt, damit aus ihm später mal ein ordentlicher Gebrauchtwarenhändler*, Topmanager oder Fifa-Funktionär werden kann. Und am Ende können die Beweise auch noch totsicher vernichtet werden…davon träumt so mancher da draußen.

Spickzettel sind dann gut, wenn man sie zwar geschrieben hat, am Ende aber nicht nutzen kann und trotzdem eine gute Note erzielt. Dann hat man nämlich beim Schreiben auch was gelernt. Ganz nebenbei und vielleicht ohne es zu ahnen.

Und wenn nun also kurz vorm Testat der kleine Hunger kommt, ist die Sache sprichwörtlich sowieso gegessen und aus der noch jungen Generation können noch anständige und unverdorbene Menschen werden.

 

 

 

 

 

 

*ich werfe aber nicht alle in einen Topf