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Von Gutmenschen und bösen Menschen…und warum sie sich am Ende alle gleichen (16.9.2014)

Wer kennt sie nicht, die Gutmenschen, die wandelnden Ratgeber und pikiert dreinschauenden Übermenschen. Sie meinen, besonders wertvoll und unentbehrlich für die Mitwelt zu sein.
Ohne sie läuft gar nichts…höchstens unweigerlich in Richtung des Abgrundes aus Verderbtheit, Gottlosigkeit, des nimmersatten Fleischfressertums, …
Und irgendwie findet sich doch in jedem von uns so ein belehrend mahnender Zeigefinger.

 

Tierschutz ist wichtig, Ressourcenschonung ist wichtig, der Respekt vor Lebensmitteln ist wichtig, gute Erziehung ist wichtig, für manche ist ein Gott wichtig, …
Lauter wichtige Dinge!

 

Doch jetzt kommt das Problem. Wo eine Überzeugung ist, da ist auch der Hang zu überbordendem Extremismus nicht weit. Der ein oder andere neigt schlichtweg zum Zuviel.

 

Es gibt Menschen, die sich vegetarisch oder gar vegan ernähren wollen, weil sie dies aus tierschützlerischen oder gesundheitlichen Gründen für richtig halten.

 

Es gibt Menschen, die gegen Walfang, Massentierhaltung, Tierversuche und Verwahrlosung von Hunden in Rumänien oder Spanien agieren.

 

Es gibt Menschen, die gegen das Zuviel an weggeworfenen Lebensmitteln und anderen Konsumgütern sind.

 

Es gibt Menschen, die ihre Kinder nur nach der neusten Erziehungserkenntnis XY des unfehlbaren Gurus YZ erziehen wollen.

 

Es gibt Menschen, die an Gott, Allah, Shiva, Jesus, Maria, Brahma, Mohammed, den heiligen Geist, … oder gar nichts glauben.

 

Und es gibt Menschen, die trotzdem ein Stück Fleisch essen wollen.

 

Es gibt Menschen, die nicht wie die Axt im Walde unbedingt jeden Hund aus spanischen Landen „retten“ müssen (und diesen sogar aus bestehenden familiären Gefügen einer Tiergruppe zerren…nur weil er nicht wie weichgespült aussieht und duftet).

 

Es gibt Menschen, bei denen (hin und wieder unnötig) anfallender Müll nicht an oberster Stelle der Prioritätenliste steht, weil sie gerade andere Sorgen haben.

 

Es gibt Menschen, die ihre Kinder aus eigener Intuition und alten Erfahrungswerten heraus erziehen können, ohne jeden neusten Schrei der Erziehungslehre echoen zu müssen und ohne dass die Kinder dadurch schlechtere Menschen werden würden, nur weil sie sich mal im Dreck sielen dürfen und dabei den bösen Schmutzmonstern ausgeliefert werden.

 

Es gibt Menschen, die an etwas anderes glauben (dürfen), als andere.

 

 

Wer nun bitte ist hier ein guter, wer ist ein schlechter Mensch? Soll das allein über den Glauben, den Grad an Tierliebe, die Essgewohnheiten oder das eigens produzierte Müllaufkommen ableitbar sein?

 

Warum in aller Welt ist keine friedvolle Koexistenz ohne böse Seitenblicke möglich? Warum muss jeder jeden zur eigenen Sache bekehren, koste es was es wolle? Sicher kann man diskutieren, die eigene Anschauung bestmöglich vertreten und das Gegenüber zum Nachdenken anregen, aber wer sagt, dass das eigene Weltbild richtig/gut und das andere falsch/schlecht sein muss? Wenn man keine Lust auf Reden hat, dann darf man auch einfach schweigend ignorieren. Das kostet uns nicht viel (außer vielleicht ein bisschen Kontenance)…zumindest auch kein Leben, wenn man den schlimmsten Fall betrachten würde.

 

Hier mal eine bildhafte Veranschaulichung:
Ich muss moderne Künste nicht schön finden. Da steht ein Stuhl in einem weiß getünchten Raum, da hängt ein grün lackiertes Gemälde mit dem Titel „Wiese“, da steht einer und pinkelt auf den Schrotthaufen vor sich, …
Das muss ich nicht besonders bemerkenswert finden, oder ihm eine Daseinsberechtigung bescheinigen. Ich muss sie ihm aber auch nicht absprechen. Wer kann das schon? Wer DARF das schon?! Von mir aus können sich die Künstler und jene, die meinen, es zu sein, austoben bis der Pinsel glüht oder auch den letzten klibbrigen Rotz aus den Tiefen ihres kreativen Freigeistes herauspulen. Ich kann so etwas für mich persönlich aburteilen und einfach ignorierender Weise nebenher existieren lassen. Ich muss so manche überkandidelte Sinnlosigkeit nicht gleich auf dem nächstgelegenen Scheiterhaufen verbrennen. Das ist alles eine Sache des Geschmacks. Und manches ist es auch gar nicht wert (Materialwert + ideologischer Wert), dass man sich besonders daran stören sollte. Da schau ich mir eben lieber die alten Meister an. Punkt.

 

Warum können sich die Gläubigen und Ungläubigen (egal, ob man es aus religiöser oder anderer Warte heraus betrachtet), vermeintlich gute und vermeintlich schlechte Menschen nicht einfach mal ignorieren. Man muss sich nicht mögen, aber eben auch nicht gleich die Köpfe einschlagen, nur weil der eigene Gott (in jedweder Hinsicht) einen anderen Namen inne hat. Am Ende glauben nämlich sowieso alle an ein und dieselbe unerklärliche und vielgesichtige Erscheinung…an Gott, Allah, Brahma, …, den Ponyhof, das Leben, die eigene Überzeugung, den Zufall, das Nichts.
Die Menschen wollen es nur nicht wahrhaben und streiten sich weiter über das Richtig und Falsch einer jeden Sache, bis schlimmstenfalls wieder Blut fließt, welches meistens von jenen stammt, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind.

 

Es gibt folgende These:
Ohne Religionen gäbe es keine Kriege.

 

Im Kern wird das wohl nicht ganz unwahr sein. Aber wenn es nicht der Glauben ist, dann findet die Menschheit andere Dinge, über die sie sich streiten kann.

 

Deshalb folgendes:
Wo zwei Individuen aufeinander treffen, da gibt es reichlich Konfliktpotential.

 

Das Phänomen Streit/Krieg würde erst ausgelöscht werden können, wenn auch die Welt unterginge.

 

Bis dahin sollten wir zur Vermeidungsstrategie der toleranten Koexistenz greifen.
LEBEN UND LEBEN LASSEN!

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