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Hol’s der (Bundes)Geier…oder die ELSTER! (08.05.2016)

 

Steuererklärungen sind etwas feines…

 

…wenn man auch sonst im Privatleben auf masochistische Praktiken steht. Und jedes Jahr heißt es wieder: The same procedure as every year, Miss Sophie? The same procedure as every year, James!

 

Steht für eine(n) pflichtbewusste(n) Bürger/in mit der allgemeinen deadline (31.5. im Normalfall) nicht schon ohnehin genügend Zwang dahinter, droht der Fiskus nun mit einer weiteren Keule, die einen Neanderthaler bei einem direkten Aufeinandertreffen vis-à-vis vor Neid erblassen lassen würde.

Nun sollen ab 2017 bereits automatisch ab dem ersten Tag des Verzugs 25 Euronen pro Monat fällig werden. Da wird kein (Hühner)Äuglein mehr zugedrückt. Nööö.

Natürlich gehört es sich nicht, einen Termin ohne Vorankündigung platzen zu lassen. Da gehe ich konform. Aber manchmal sieht man vielleicht den Wald vor lauter Bäumen nicht, es fehlen noch wichtige Unterlagen, oder was weiß ich. Gestern war noch Ostern und morgen steht bereits der Weihnachtsmann vor der Tür. So sieht die Realität doch aus!

Die Art und Weise finde ich jedenfalls nicht gerade nett, besonders im Hinblick darauf, dass einige wenige machen können, was sie wollen (Kann man die 25 Euro pro Monat eigentlich auch via Spendenquittung an das Staatssäckel steuerlich absetzen?), und den kleinen Mann bzw. die kleine Frau lässt man genüsslich ausbluten, weil der Umschlag einen oder zwei Tage zu spät eingetrudelt ist.

[Für 25 Euro erhält man schließlich ca. 25 Kugeln Eis, möchte ich nur mal eben in den Raum gestellt haben.]

Das kommt auf meiner persönlichen Sympathie-Skala direkt hinter stasiesken GEZ-Eintreibern (als es sie noch gab…man hörte ja so einiges), Inkassounternehmen und zwielichtigen Verbandelungen zur buckeligen „Verwandtschaft“ auf Sizilien. Warum nur fühlen sich meine unteren Extremitäten plötzlich so schwer wie Beton an? Egal.

Kulanz war jedenfalls gestern! Aus die Maus.

Somit sinkt mit diesem Zuwachs an Zwang indirekt proportional die Motivation weiter gen Tiefpunkt.

Weil ich diesbezüglich ein kleines Angsthäschen bin und mir meine 25Euro nicht einfach für nichts und wieder nichts abluchsen lassen möchte (schon einmal vorsorglich für 2017 Panik schiebend 🙂 ), habe ich heute meine Steuererklärung noch einmal eingehend geprüft und werde sie hoffentlich nächste Woche auf Reisen schicken.

Dafür sperrte ich konsequent die lachende Sonne aus und verkrümelte mich zwischen sämtliche Papiere, rutschte auf Knien umher und tippte Summanden zur Sicherheit lieber zweimal in den Taschenrechner ein. Ich will mir ja nicht nachsagen lassen, ich würde den Staat wissentlich um 1,50Euro besche*ßen wollen.

 

Bei dieser Wadenbeißer-Aktion geht es offenkundig auch nicht nur allein darum, dass der Bürger an eine seiner ersten Pflichten- die Pünktlichkeit- erinnert werden soll (wäre ja noch irgendwo nachvollziehbar), nein, er soll damit auch langsam von der Papier- auf die elektronische Form umdressiert werden. [Die Logik dahinter würde ich aber gern noch einmal fachkundig erklärt bekommen wollen…]

Wie es scheint, mit der Holzhammermethode. Sehr freundlich. ICH STEH ABER AUF PAPIER, Sack Zement!

 

Spannend wird die Angelegenheit zudem, wenn man bedenkt, dass sehr, sehr viele Bürger/innen eher noch Geld vom Finanzamt zurückerstattet bekommen. Dem Staat entgeht somit kein Pfennig, da ihm quasi bereits „auf Kredit“ vorgestreckt worden ist. Bei den heutigen Zinssätzen braucht der Fiskus auch im Normalfall keine Angst um möglicherweise entgangenes Klimpergeld aus überstiegenen Freibeträgen (Kapitaleinkommen) zu haben. Die EZB gibt sich dahingehend ja richtig viel Mühe.

Dem Großteil dieser Bürger wird es daher wohl egal sein, ob die Rückzahlung durch ihr eigenes Versäumnis 3 Stunden früher oder später auf dem angegebenen Konto landet. Wofür sollte er dafür noch bestraft werden? Das wären doch unter Umständen sogar ganze 3 Stunden mehr, die der Staat mit dem ihm anvertrauten Geld wirtschaften könnte…

Egal.

Wie man es macht, ist es sowieso falsch. Wenn der Kuchen spricht, hat der Krümel zu schweigen.

 

The same procedure as every year?

The same procedure as every year! I’ll do my very best!

 

 

 

 

 

 

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Schnatterinchen zum Abendbrot (26.12.2014)

 

Zum Fest der Feste gab es gestern Ente.
Was mich an dieser Bratenbraterei immer wieder aufs Neue erstaunt, ist die geduldig ertragene Unverhältnismäßigkeit zwischen Vor- und Nachbereitungszeit und der eigentlichen Zeit, in der man sich dem Genuss hingeben kann.

Zunächst mag Madame Schnatterinchen ausgiebigst epiliert werden, damit man später auch ja keine Feder zwischen den Zähnen hängen hat, dann fordert sie eine Massage aus gewürztem, geöltem und gekräutertem Salz ein, um sich im Anschluss auch noch mit süßsäuerlichen Äpfeln, Zwiebel und Knoblauch füttern zu lassen.

Schönheitschirurgisch durfte ich zudem auch tätig werden, um die (voreinst) watschelnde Lady von überschüssigen Hautfettlappen zu befreien.

Dann möchte sie für eine ganze Weile- gebettet auf feinstem Wurzelwerk- unter dem Solarium verschwinden, während wir uns draußen mit tropfendem Zahn die Nase plattdrücken müssen.

Braun gebrannt, als käme sie gerade eben aus ihrem Karibikurlaub zurück, lässt sie sich noch den Bauch (mit Salzwasser) bepinseln, damit sie auch ja die knackigste an diesem Abend ist.

Eingebildete Gans!

Doch was nutzt ihr diese vergänglich eitle Fassade, wenn wir uns am Ende doch der Fleischeslust hingeben und nichts mehr als ein abgenagtes Gerippe übrig bleibt, durch das ein matschig gewordener Apfel hindurchscheint und kaum den wahren Kern zu verschleiern vermag…weitgehende Inhaltsleere…

…nachdem man diesen philosophisch angehauchten 5 Minuten-Anfall überwunden hat, der wohl einem akuten Blutsturz gen Magen zu verdanken ist, kommt auch schon das große Erwachen mit Pauken und Trompeten….bzw. mit schmutzigen Töpfen und Backblechen bis zum Horizont.

 

Ab diesem Punkt fragt man sich (zu Recht): Warum das alles?

Weil der Mensch masochistisch veranlagt ist?
Nein.
Weil es doch immer wieder schön ist!