Schlagwort-Archive: Mut

Pointe of no return (27.12.2016)

 

Joan hat die Schreibfeder mal wieder treffsicher in eine jener Wunden versenkt, an der es so manchem Schreiberling- ob Vollprofi, Halbprofi, Freizeittüftler oder Möchtegern- von Zeit zu Zeit krankt. Von Zeit zu Zeit temporär auch ein wenig zu weit um sich greifend, um nicht sagen zu müssen, beinahe schon zu krisenhaften Auswüchsen entartend.

Wie viele unvollendete Geschichten und Gedichte mögen da draußen wohl in den Tiefen von Schubladen und Ablagefächern* ihr klägliches Dasein in vollständiger Vergessenheit oder- schlimmer noch- wissentlicher Verdrängung fristen? Wie viele Heldinnen und Helden warten darauf, endlich wieder das Licht der Schreibtischlampe erblicken zu dürfen?

Doch wie geht es der Autorenschaft?

Sind es nicht genauso bemitleidenswerte Geschöpfe? Mehr noch: Ähnelt es nicht einer Höchststrafe, als eigentlicher Geburtshelfer von wunderbaren Ideen und Gedankengängen, plötzlich den Bestattungshelfer für mutlos fallengelassene Karteileichen mimen zu müssen?

Ist es das wert, sich und seine Ideen um jeden Preis aus einer persönlichen Krise heraus zu verkaufen, um weitermachen zu können, oder ist es nicht doch ehrvoll genug, sich durch eigentlich verschlossene Türen zu mogeln und mit dem letzten Rettungsanker, der sich in der hintersten Trickkiste finden ließ, -einer Pointe of no return- vor dem Abdriften zu bewahren, oder gar alles dem Mahlstrom übergeben zu müssen? Die Frage nach dem Zurück sollte sich nicht mehr stellen. Zumindestens nicht, wenn man es ernst meint.

Manchmal muss man dabei vielleicht auch über Karteileichen gehen**. Da beißt die Maus keinen (roten) Faden ab.

Wenn es voranbringt, warum nicht?

 

 

 

 

* …noch ungemütlicher  wird es im Käfig aus Nullen und Einsen, der irgendwo in einer bereits Moder ansetzenden Ecke irgendeines unter Unrat vergrabenen Computerordners dahinrottet.

** Böse Zungen könnten behaupten, man betreibe womöglich noch Leichenfledderei..

 

 

Werbeanzeigen

Kampf den Dämonen! (18.04.2016)

 

Mit „etwas“ Verspätung möchte ich Paulalinchen begrüßen, welche seit ein paar Tagen diesen Leserzirkel erweitert.

 

Das Leben hält nicht nur die schönen Seiten parat, sondern wartet einem hin und wieder, gelegentlich auch über die Maßen hinaus, mit den gruseligsten Dämonen auf, die man sich irgend vorzustellen vermag.

Sicher jeden verfolgt mindestens einer dieser Gesellen, auf dessen Anwesenheit man gut und gerne verzichten wöllte. Mal sind es Personen, mal Situationen und manchmal fällt man vielleicht auch nur einer vagen Vorstellung anheim.

Paulalinchen hat, liest man sich quer durch ihren Blog, einem solchen überlebensgroßen Dämonen gegenübergestanden und sich mühsam von dessen schweren, ihr auferlegten Eisenketten befreien müssen. Noch währt der Kampf und ich drücke die Daumen, dass es für alle ein gutes Ende nimmt, denn- wie sie erkannte- Dämonen fechten unter Umständen selbst auch nur mit ihresgleichen.

 

Man darf sich in jedem Fall nicht von diesen Albträumen verzehren lassen. Es braucht auch scheinbar an sich nicht viel, um sie hinter sich zu lassen; „lediglich“ ganz viel Mut und Kraft für einen Neuanfang.

Wer es nicht wagt, kann nur verlieren. Auch zwischenzeitliches Scheitern muss nicht das Ende bedeuten. Vollkommene Resignation hingegen IST das Ende.

Kampf euren Dämonen!

 

 

 

 


Hering mit Lakritz (16.03.2016)

 

 

Auf meiner Ostseereise 2015 hatte ich unter anderem das Vergnügen, Dänemark besuchen zu dürfen, genauer gesagt/geschrieben Kopenhagen.

Ich war überaus positiv überrascht über die klare Strukturiertheit und Sauberkeit der Stadt und der Umgebung. Besonders knuffig fand ich das Fischerdorf Dragor. Der Kaffee dort schmeckte im Übrigen sehr, sehr gut.

Das sind zwar nur die Touristen-Anlaufpunkte gewesen (es hielt sich aber im Vergleich zu anderen Touri-Hochburgen deutlich in Grenzen), aber dennoch konnte man auch hier dieses besondere Gefühl einer gewissen Verbundenheit spüren.

Und, ja, auch ich spielte schon mit dem Gedanken, wie es wäre, wenn ich dort wohnen könnte/dürfte/würde. Genau, wie es meine neueste Leserin für Dänemark-Urlauber prognostizierte. Entweder, man mag es oder nicht.

Auch Lakritz mag man, oder nicht.

Die kulinarischen Genüsse der Dänen sind ja an sich teilweise recht speziell und sollte ich mich einmal wieder dahin verirren (was nicht so schlimm wäre!), weiß ich nun auch, was ich dringend nicht essen sollte, wenn ich meiner Mülltonne keinen „Sondermüll“ zumuten möchte.

Mein Dank hierfür und ein herzliches Willkommen gehen an die Neu-Dänin Meermond!

Ich habe einen großen Respekt vor Auswanderern, die dies auch ernsthaft betreiben und nicht einfach mal so in den blauen Dunst hinein aufbrechen. Deshalb bin ich auch sehr interessiert an deinen Beiträgen und hoffe,  weitere Zeit für deine kurzweilig geschriebenen Eindrücke und (Über)Lebenstipps zu finden.

 

 

 


Nur Mut! (28.02.2016)

 

Eine Leserin meines Blogs, Joan Quade, hat in einem ihrer Beiträge (The End) einen sehr wunden Punkt eines jeden Autors oder- allgemein gesprochen- Künstlers thematisiert.

Wie entlasse ich MEIN BABY am schonendsten in diese große, weite Welt? Was ist mit den ganzen zähnefletschenden Raubtieren, die nur auf dieses zarte Stück Frischfleisch zu warten scheinen, um es dann gnadenlos zu zerfleischen? Gibt es denn überhaupt nur solche Unholde? Versteht mich einer da draußen?

 

Ihren Beitrag nahm ich zum Anlass, mir darüber ein paar Gedanken zu machen und in Form eines Kommentars niederzuschreiben, auf dass er Mut stiften möge.

 

 

Keiner sieht „sein Baby“ gern in der Luft zerrissen. Der Schritt, es in diesen Raubtierkäfig voll selbsternannter Experten zu entlassen, scheint oft unüberwindlich.

 

Einigen, sich besonders wichtig nehmenden Kritikern mangelt es oft auch an der entsprechenden Vorstellungskraft, dass sich gleichsam hinter den Zeilen noch ein ganz eigenes Universum befinden könnte, welches der Autor in seinem Kopf erschaffen hat, um so etwas wie Leben in die Aneinanderreihung unzähliger Buchstaben zu hauchen.
Es liegt in der Pflicht eines gewissenhaften Lesers, diesen Umstand zu achten und auch die offen entgegen gestreckten Hände zu ergreifen, um sich bereitwillig in die Welt hinter der Geschichte überführen zu lassen oder diese im besten Falle sogar weiterzuspinnen.
Nur so funktionieren sowohl das Schreiben als auch das Lesen.

 

Sollte dies nicht gelingen wollen, gibt es immernoch die Option, das Buch beiseite zu legen, sich seinen Teil zu denken und zu respektieren, dass nicht alles dem eigenen Geschmack entsprechen kann.
Alles andere würde im öden Einheitsbrei enden, dessen Spannungsbogen der Körperspannung eines vor zwei Wochen gestorbenen Fisches gleichkäme und bei welchem man noch nicht einmal die Einleitung lesen müsste, um das Ende frei zitieren zu können.

 

Doch auch als Autor kann und darf man nicht von jedem einzelnen Leser abverlangen, dass er die eigenen Gedankengänge in ihrer Komplexität vollends vorausahnen kann. Der eine braucht mehr Hilfestellung, der andere weniger.
Man muss Akzeptieren lernen, dass es auch eigenständige Köpfe gibt, die sich nicht auf das „Baby“ einlassen können oder wollen. Würde nur noch nach der Präferenz anderer gestrebt werden, kämen wir beim selben Einheitsbrei wie oben bereits benannt heraus.

 

Man sollte für sich entscheiden, was und worüber man schreiben möchte und der Leser soll entscheiden, was und worüber er lesen möchte.
Wichtig ist, dass es allen gut dabei geht und sich keiner verbiegen muss!

 

Bleib‘ ehrlich zu dir selbst, und wenn du hinter einer Geschichte stehst, dann lass es die Welt wissen, indem du sie mit ihr teilst.
Wer sich nicht mitnehmen lässt, findet sicher anderswo in anderen Geschichten sein zu Hause.

 

 

Lasst Versagensängste nicht die Überhand gewinnen.

Habt Mut, zu euch selbst und euren Werken zu stehen. Nur Mut!

 

 

Hochachtungsvoll!

S.

 

 

 


Krabbelgruppe on tour (24.01.2016)

 

 

Ich wartete heute zur Abwechslung mal wieder dem Kino mit meiner Anwesenheit auf.

Bei allerfeinstem Tauwetter gab es draußen alternativ auch nicht sonderlich viel zu verpassen, es sei denn man legt gesteigerten Wert auf den traurigen Anblick matschgebräunter, dahinschmelzender Schneeberge am Straßenrand, die stilsicher wie sich im Wind kräuselnde Schaumkronen auf einem vor sich hin gärenden Güllebecken anmuteten.

Visuell empfand ich das persönlich als nicht großartig bereichernd, weshalb ich mir lieber schöne, bewegte Bilder anschauen wollte.

An sich stellt das von mir aufgesuchte Filmvorführhaus ein eher kleineres, charmantes Stadtteilkino dar, in dem es teilweise Kinosäle gibt, die von der Größe her prima als Wohnzimmer durchgehen könnten.

Diese Intimität schreckt jedoch nicht alle davor zurück, auf Teufelkommraus negativ auffallen zu müssen.

Popcorn-Orgien kennt der ein oder andere sicher aus den großen Filmtempeln, die lediglich durch einen kräftigen Zug aus dem pappbecherförmigen 10-Liter-Cola-Vorratstank unterbrochen werden. Sollte sich dabei ein nicht komplett aufgepufftes Maiskorn zwischen der Kauleiste wiederfinden, so wird es gern auch mal fünf Reihen vor sich geschnippt, in der Hoffnung, dass es den richtigen Weg schon finden werde.

Popcorn gibt es in diesem Kino keines, dafür aber anderes Nahrhaftes wie gesunde Nussmischungen, als ob man die zwei Stunden nicht mal ohne etwas Essbares (außer Fingernägel) auskommen würde. Man könnte ja in dieser Zeit aber auch dermaßen vom Fleische fallen, dass man glattweg zwischen den keinen Widerstand mehr spürenden und daher plötzlich hochklappenden Sitz und die Lehne rutschen und auf Nimmerwiedersehen ins Nirvana aus vergessenen Brotchipskrümeln und verwaisten Biolimonade-Strohhälmen entschwinden könnte…

Besagtes Programmkino zeigt an sich viele beschauliche und gediegene Perlen der Filmkunst, weshalb sich gemeinhin auch das Publikum zum Großteil entsprechend präsentiert und gebart: Nämlich vernünftigt!

Dennoch gibt es immernoch Leute, die trotz fortgeschrittenen Alters (40 und aufwärts!) einen gewissen Grad an erwachsener Reife in ihrem Verhalten missen lassen und mit Raschelchipstüten anrücken und diese genüsslich und ausgiebigst knistern lassen. Vornehmlich und „seltsam“ treffsicher werden hierfür die leisesten Szenen ausgewählt. Auf Unmutsäußerung der umsitzenden Besuchermehrheit wird hingegen mit noch mehr Störgeräusch geantwortet.

Im Anschluss des Filmes wird sich dann natürlich noch darüber diebischst amüsiert: „Am meisten Spaß hat das Tütenrascheln gemacht, als sich die anderen beschwert haben…*

Welch strahlendes Vorbild erwachsenen Verhaltens!

Und dieser Teil der Bevölkerung soll tatsächlich wahlberechtigt sein und darf allen Ernstes schon ganz alleine aufs Töpfchen gehen?!

Ich für meinen Teil besuche das Kino, um mich an guten Filmen in Großformat zu amüsieren und nicht, um anderen Menschen, die mit einem ähnlichen Ziel wie ich hingehen, auf den Geist zu gehen*. Wenn ich mich zwingend daneben benehmen muss, dann kann ich das auch in meinen eigenen vier Wänden viel kostengünstiger bewerkstelligen. Oder sehe ich das falsch? Wofür zahle ich gutes Geld, wenn das einzige, sich ans gedimmte Licht quälende Bedürfnis des Tages darin besteht, anderen meine geistige Unreife auf dem Silbertablett zu präsentieren? Ist das etwa lustig? Verpasse ich da womöglich etwas? Ich bin ja durchaus lernfähig…

 

Der Film war dennoch schön. Das ist die Hauptsache.

Und das nächste Mal überwinde ich mich und lasse solches renitente Volk konsequent vor die Tür setzen…..dieses Recht auf ungestörten Filmgenuss hat nämlich jeder zahlende Besucher! Leider sind viele Menschen (ich klammere mich dabei nicht aus) in solchen Fällen deutlich zu zaghaft und ärgern sich „lieber“ im Stillen und verpassen dadurch je nach Ausmaß der Störattacke vielleicht sogar im Frust den halben Film. Man muss sich nicht alles gefallen lassen. Nur Mut!

 

 

 

 

* Dieser Kommentar wurde sinngemäß wirklich vom Stapel gelassen! Unglaublich. Kindisch.