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Schlaflose Waldbewohner (09.01.2016)

 

Die Überschrift subsummiert meinen heutigen Tag…zumindest ein ganz kleines Bisschen. Die Arbeit spare ich da großzügig aus.

Auf dem Weg zur Arbeit aber- so ziemlich genau dreieinhalb Stunden nach Schlag Mitternacht- schien sich ein Großteil unserer sich auf der nördlichen Halbkugel heimisch fühlenden Fauna auf eben jenen Umlaufbahnen einzufinden, die ich gemeinhin zu befahren pflege, um meinen von mir persönlich fleißig erarbeiteten Beitrag zum BIP zu generieren.

Nicht schlecht schaute ich, als mich irgendein Greifvogel von der Seite her anzufliegen wagte. Mitten in der Nacht. Sehe ich aus wie ein nächtlicher Snack zwischendurch? Mich hätte es aber auch nur in Konserve gegeben. Womöglich wäre dies daher reichlich schwer verdaulich ausgefallen. Dank Bremsung und sportiverem Fahrgestell (mit einem Caddy oder Transporter hätte es nach oben hin etwas enger werden können…) rutschte ich noch unter diesem Spaßvogel hindurch. Er sollte es mir danken, denn er hätte definitiv dumm aus der Wäsche geschaut, wenn er sich plötzlich als Zierrat auf meiner Windschutzscheibe eingefunden hätte. Und ich wäre mehr als  verärgert gewesen ob dieser sinnlosen Kamikazeaktion, bei der es am Ende eh nur Verlierer gegeben hätte.

Dieser lebensüberdrüssige „Piepmatz“, von dem ich lediglich ein „Phantombild“ eines hellen, größer ausfallenden Etwas mit Flügeln hätte zeichnen können, war erst der Anfang.

Eine Kurve später blinkte mich ein kleines orange farbenes Lichtlein an. Nee, ein Lkw in der Ferne war es nicht. Auch kein einsamer Radfahrer sollte die Ursache hierfür gewesen sein. Der Urheber dieser farbigen Leuchtquelle in der Finsternis, welche vielmehr und korrekterweise eine Reflektion darstellte, war ein Fuchs, der sich bereits trollte als ich die Stelle passierte.

Empirisch betrachtet darf ich an dieser Stelle anmerken, dass Füchse orange reflektieren und Katzen eher weißblau (das schrieb ich- glaube ich- bereits anderswo). Bei ersteren harmonisiert dieses Phänomen der Restlichtverstärkung also perfekt mit der Fellfarbe.

Vogel und Fuchs hätten wir also.

Fehlte doch nur noch so etwas wie eine Katze oder ein Hase. Prompt hoppelte ein Tierchen- aus dem Augenwinkel war es schwer zu differenzieren, aber ich glaube, dass es längere Ohren hatte- parallel zu mir am Feldrand entlang. Ich erinnere mich hier auch an eine Nacht vergangenen Jahres zurück, als ein Feldhase innerorts bei 30km/h neben mir ein Stück die Straße entlang sprintete. Haben die Kerlchen kein zu Hause?

Das obligatorische Reh oder die querende Wildsau hielten sich- Bob sei Dank- heute zurück und blieben im Dickicht der Wälder. Wenn es nach mir geht, dürfen sie dort auch bleiben, oder müssen zumindest solange warten, bis ich sie sicher passiert habe. Alles andere wäre um beider Seiten schade!

 

Die Moral von der Geschicht‘?:

Passt immer schön auf!

 

gez. S- nächtlicher Vogel- und Wildschreck

 

 


Hier ist der fröhliche Wecker! (14.11.2015)

 

Endlich Wochenende!

Da schreit das schwache Fleisch schonmal berechtigterweise lauthals nach „Ausschlafen!„.

Dumm ist dabei nur, wenn das der Geist völlig anders sieht und meint, zu nachtschlafener Stunde munter sein zu wollen. Völlig undemokratisch wurde das meiner Meinung nach entschieden. Ein Einspruch wäre an dieser Stelle jedoch zwecklos.

Und was macht man also mit dieser unfreiwillig hinzugewonnenen Zeit für Aktivitäten?

Zwanzigmal im Bett herumdrehen und fast drei Stunden später darauf warten, bis des Nachbars Handywecker zu summen anfängt und dieser irgendwann- im Dunkeln lautstark die Einrichtung dabei mit sich reißend- den Störenfried deaktiviert, …

Man kann aber auch Unterlagen sortieren, die seit ein paar Tagen darauf warten, dass man ihnen Beachtung in Form des kontrollblickigen Abheftungsaktes schenkt.

Welch zielgerichtete Produktivität einen da erfasst! Nicht schlecht.

Schade nur, dass der eigentlich vorgesehen gewesene Schlaf der Erholung dienen sollte. Wenigstens scheint heute am Morgen die Sonne, was die Sache zumindestens in einem angenehmen Licht dastehen lässt. Der Mensch ist eben ein Gewohnheits(arbeits)tier, und wenn er schonmal nicht zum BIP beitragen kann (freies „Wochenende“…bis auf Sonntag…), dann wenigstens zur eigenen häuslichen Ordnung….den nächtlichen Wochenendhausputz habe ich mir aber im Hinblick auf ein ungestörtes nachbarschaftliches Verhältnis verkniffen.

In diesem Sinne:

Guten Morgen! Hier ist der fröhliche Wecker!*

 

 

 

* Wo nur ist der dazu passende Vorschlaghammer…?!

 

 


Eine kleine Nachtgeschichte. (23.09.2015)

 

Es ist finstere Nacht. Kein Mond scheint, kein Wolf heult einsam vor sich hin.

Zwei Katzenaugen flackern auf, die begierig- so scheint es- den letzten Rest Licht der entfernt stehenden Laterne aufzusaugen scheinen. Dann huschen die beiden kaltblauen Leuchtpunkte davon. Ein letzter Blick zurück. Der nächtliche Streuner ist fort.

Ein alter Mann schlurft über den Gehweg. Zielsicher lenkt er die Schritte, als kenne er den Weg.

In der Hand blitzt ein metallisch glänzender Gegenstand auf. Diesen vor den Bauch gerichtet, als wolle er einen unsichtbaren Gegner abwehren, steuert er auf eine schwarze Limousine zu, aus deren Inneren nur mehr Schwärze hervorzudringen scheint.

Der metallene Widerschein zuckt kurz in seiner Hand….

 

>Möööb-Möööb<<

 

 

Und ich dachte, dass dieses akustische Öffnungs- und Schließorchester in Form von Hupen, Piepsen, Quietschen und was weiß der Geier längst aus der Mode gekommen und allerhöchstens noch in leicht angestaubten Filmen aus den 80ern oder 90ern zu finden sei.

Nee, da wurde ich eines Besseren belehrt.

Die Automarke mit Stern (und andere sicher ebenfalls) bietet dieses akustische Signal auch heute noch an…zur Freude der Nachbarn. Würde ich mir dieses Schmankerl zulegen wollen, dann hätte ich bei meiner regelmäßigen Nachtfahrerei (entweder in der Früh oder abends) aber richtig viele Freunde.

MÖÖB….ich fahre jetzt auf Arbeit! MÖÖB-MÖÖB….bin wieder da!!!

 

Da bleibe ich lieber bei meinem schneidigen, aber im direkten Vergleich eher schnöden Ent- oder Verriegelungsgeräusch. Die sich anschließende Leuchtorgel reicht mir vollkommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Aufklärungsarbeit mal anders…auf die knallharte Tour. (4.11.2014)

 

Ein Beitrag einer Mitleserin (IndesTeufelsKüche) dieses Blogs bezüglich des Lebens zwischen Goths und Nicht-Goths (Sorry für die feuchte Aussprache!) hat mich zu folgenden Worten verleitet, die augenzwinkernd um Aufklärung für ein verständnisvolles und von Angst befreites Miteinander werben sollen.

Dann mal los!

 
Werter Leser, werte Leserinnen, liebe Normalos, liebe Normalinnen, an alle Nicht-Goths, Zeugen Jehovas und Exorzisten,

um es eilig und nervenschonend unspannend vorweg zu nehmen, ja, wir gehen ständig auf Friedhöfe, buddeln dort Leichen aus, beten Satan an und sind die ganze Zeit total traurig.

 

Das Lachen haben wir nämlich nach dem Herauswachsen aus den Kinderschuhen (oder bereits vorher?) verlernt und falls doch noch rudimentär etwas von diesem abartigen Gefühlszug übrig geblieben sein sollte, dann gehen wir hierfür in den Keller, um uns dort ausgiebig und selbstgeißelnd dafür zu schämen.

Fleisch wird generell im rohen Zustand verzehrt…selbst von den Veganern unter uns. Aus Prinzip! Als bekennende Saucenfetischisten brauchen wir hierzu immer reichlich blutigen Fleischsaft.

Vor dem Schlafengehen (kurz vor dem Morgengrauen) wird noch artig der wehrlose Teddy geknebelt und dem Gott der Unterwelt (um Bobs Willen nicht mit dem Teufel verwechseln!) gestiftet, bevor wir uns selig in grausame Alpträume begeben dürfen.
Erst bei Eintritt der Dunkelheit öffnet sich der als Schlafstätte dienende hochwertige Sarg aus poliertem Kupfer wieder.

Tarantula ist nicht unser einziges Haustierchen, schließlich zählen noch eine äußerst verfressene Fledermaus, ein halbwilder Bluthund (hört fast nicht aufs Wort) und ein zugelaufener Werwolf zum pelzigen Inventar.
Die der Pestilenz verdächtigte Ratte Mimi mit den lustig rotglühenden Augen ist leider von der liebenswerten, aber etwas kratzbürstigen Nachbarskatze verstorben worden und steht jetzt ausgestopft in der zum Schrein umfunktionierten Vitrine. Ein bisschen aufdringlich riecht sie dort zwar vor sich hin, wenn man aber die Glastür konsequent geschlossen hält, ist es selbst für Mitarbeiter einer Kuttelei erträglich.

Die Wohnung darf man sich auch nicht fälschlicherweise als gewöhnlich vorstellen, schließlich liegt sie zum Teil unterirdisch, in verfallenen Schlossruinen oder in vergessenen Katakomben und Kellergewölben. Ganz ausgeflippt Freaks unter uns leben spartanisch unter euren Betten oder im Schrank. (Immer schön nachgucken vor dem Schlafen!)

Wie sieht denn so unser trüber Alltag aus, mag sich der ein oder andere an dieser Stelle fragen?
Naja, fast hätte ich es schon verraten. Hihi! Moment..habe ich schon…Trübsal blasen!
Echte Gefühlsregungen jenseits von Melancholie, dem Drang nach Selbstauslöschung und der abgrundtiefen Verachtung vor dem Leben ringsum sind ein Gerücht. Aber absolut!

Um ein wenig Licht in unsere innerste Finsternis zu bringen, lassen wir es in Form von Selbstverstümmelung tagtäglich (naja, eigentlich nachtnächtlich) richtig krachen, bis uns der Schmerz weiße Lichtblitze vor den Augen explodieren lässt.
Du magst das vielleicht ekelig und nicht nachvollziehbar empfinden, wir finden das aber alle supi-toll und machen das rein zu unserem Vergnügen aus Jux und Tollerei und haben im Grunde auch nichts Besseres zu tun.

Arbeiten ist so ein Sache…nachts haben sehr viele Unternehmen geschlossen und auf den Schlachthöfen nimmt man uns nicht mehr so gern, weil es in der Vergangenheit wohl immer zu exzessiven Orgien im Sammelbluttank gekommen sein soll.
Die Krankenhäuser verzichten auch dankend auf uns….vor allem die mit kirchlichem Träger. Voll unchristlich, ey!
Da bleibt den Damen wohl nur die Rolle der Domina in Lack und Leder…das habt ihr euch ja sicher schon denken können. Die aufreizenden, liebestollen Ladys müssen sich noch nicht einmal umkleiden und bleiben quasi einfach in ihrer fest verwachsenen Haus-Gruft-Kluft stecken.
Und die Herren der Schöpfung…müssen schauen, wo sie Anderen eine Grube schaufeln können.

Unsere Sonne ist der Mond! Der macht wenigstens nicht braun, auch wenn uns der alte Mann da oben ständig den Jo-Jo-Effekt vorführen muss…dünn…dicker….Vollmond….weniger dick….dünn….
Wir achten schließlich penibelst auf unser äußerliches Erscheinungsbild.
Es geht ausschließlich gestriegelt und gebügelt vor die Gruft. Der dazu passende und ebenmäßige, fast transparente Teint wird hierfür stets mit der letzten Ölung gesalbt. Geheimtipp!
So präpariert für die Ewigkeit kann es losgehen, um die letzten Nachtgestalten unter euch nach Hause zu treiben. Die Nacht gehört schließlich uns!

Wenn wir uns nicht gerade nach einem Tripp in die Hölle (Ferien auf dem Ballermann…leider ohne Eimersaufen) sehnen, hören wir gerne für Kritiker unhörbare, kryptisch anmutende, sphärisch wabernde bis ächzend donnernde Musik, die stets rückwärts läuft, um gebannt den versteckten, satanischen Botschaften zu lauschen.
Das geht soweit, dass wir sogar aktuelle Hits beschlagnahmen und eigenhändig die MP-3-Files von links auf rechts drehen. Ihr glaubt nicht, was das für eine Friemelarbeit ist!
Und ihr glaubt auch nicht, was Helene Fischer wirklich zum Besten gibt! Da schreit der Fürst der Finsternis noch persönlich nach Sodom und Gomorra und verkündet das Ende eurer kleinen, zuckersüßen Welt. So sieht’s aus. Aber feiert ruhig darauf ab und grölt gemeinsam im Chor bis die Säulen der Erde wankend zusammenbrechen.

Weil wir gerade bei der Unterhaltung sind: Wir gucken ja nie Fernsehen, höchstens in die Ferne, um im sicheren Abstand dem Untergang eurer Welt (siehe oben) beizuwohnen.
Eine Ausnahme gibt es aber doch, weshalb wir uns dieses Flimmerkastens dann letztlich doch annehmen: Twilight und Co!!!!
Boah, was stehen wir auf diese Vampirendlosschleifen! Da vergisst man ja glattweg seine Manieren und könnte vollkommen euphorisiert abgehen…bis sogar die kleine Zehe zur unterlegten Filmmusik mitwackelt. Unerhört!

 

Ich hoffe, ihr könnt uns nun dank dieser intimen Einblicke ein klein wenig besser verstehen, wechselt nicht gleich die Straßenseite und guckt uns nicht schräg von der Seite an, wenn wir uns im Supermarkt eine Flasche BLUTorangensaft kaufen möchten. Wir sind ganz lieb und wollen nur (mit euch) spielen!

Ergänzung:
Und weil man ja alles verallgemeinern soll und dafür zwingend alle in einen Topf werfen muss, habe ich stellvertretend für alle Kollegen und Kolleginnen der Schwärze in der Wir-Form gesprochen.
Alle Gruftis sind so und wer sich von denen dagegen ausspricht ist voll doof…und außerdem gar nicht true!
WIR SIND ALLE SO! Basta!

 

Hassliebste Grüße!
Ein kleiner, einsamer Grufti.

 

P.S.: Wer sich unter euch Skeptikern wundern sollte, dass dieser Brief noch vor Einbruch der vollkommenen Dunkelheit veröffentlich werden konnte…ich habe für das Erscheinen des für die Menschheit eminent wichtigen Dokumentes extra eine Zeitschaltuhr eingebaut.
Macht es erst mal gut, Leute, mein Wecker klingelt gleich…

 

 

P.P.S.: HOLT MICH HIER RAUS! Der Teddy.