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Autofasten (01.03.2017)

 

Mittwoch.

Aschermittwoch.

ASCHERMITTWOCH!*

Na? Heute schon „autogefastet“?

Autofasten? Was soll das denn hier schon wieder werden…

Kann man an und von sich selbst Verzicht üben? AUTO….griechische Vorsilbe für SELBST. SELBSTfasten. Klingt komisch, ist es auch. Wobei es manchmal gar nicht so verkehrt wäre, das Selbst an sich und die eigene, vom Alltag verzerrte und vergrieselte Sichtweise darauf etwas gesundheitsförderlicher entschlacken zu lassen. So eine physische und mentale Entgiftung von körperlichen und seelischen Dissonanzen bzw. Dysbalancen soll ja Wunder bewirken.

 

Darum geht es mir an dieser Stelle jedoch nicht.

 

Eher hat mich ein Artikel etwas hellhörig werden lassen.

Man solle doch die Fastenzeit auch einmal dazu nutzen, von seinem Auto(mobil), alias Pkw, alias Personenkraftwagen, etwas Abstand zu gewinnen, sprich, zu fasten.

Die Überschrift tönte natürlich mal wieder typisch reißerisch, als ob es das Ende am Galgen, auf dem Schafott oder unter irgendwelchem wilden Instrumentarium eines finsteren Freizeitinquisitors bedeuten würde, sollte man sich nicht daran halten wollen. Ja, ja, schon klar.

Und liest man sich investigativ-voyeuristisch durch den Artikel, so tauchen teilweise immer wieder dieselben, ollen Kamellen auf. Nur ein Beispiel: Man solle doch, auf Anraten der Experten, für kurze Wege mal das Auto einfach stehen lassen.

Gäääähn!

Wie oft hat man den Leuten schon versucht zu vermittelt, dass man alternativ zur Brennstoffvehikel unterstützten Fahrt zum Brötchendieler, wo das Aufschließen (mit Funktfernbedienung!) und Anlassen des Fahrzeugs mehr Zeit in Anspruch nimmt als die eigentliche Fahrt, auch einmal per pedis unterwegs sein könnte?

Ich glaube, dieser mahnende Zeigefinger hat schon einen seeehr langen Bart und fransige Fusseln…mit Blasen oben drauf.

Der Knackpunkt für mich lag aber eindeutig auf dem Hauptaugenmerk des Artikels, denn auch auf Langstrecken sollte man sich nach Alternativen zum Pkw umsehen. Gern während der gesamten Fastenzeit und- noch besser- darüber hinaus.

Tja, Freunde, da sind wohl wieder nur gut und reichlich mit ÖPNV, sowie auf Mitfahrer flexibel abstimmbare Experten beim Überlegen angetroffen worden. Oder Denker, die es 10 Minuten per Fahrrad zur Arbeitsstelle haben. Sehr beneidenswert übrigens!

Leider, leider, hat nicht jeder eine so gute Infrastruktur um sich herum. Müssen all diese Menschen nun als böse Sünder im Fegefeuer sterben, selbst wenn sie gern aktiv etwas an der allgemeinen Abgasproblematik verändern wöllten, aber einfach nicht können, weil die Dinge nun einmal so sind, wie sie sind und man nicht mal so ohne weiteres 40Tage Urlaub machen kann?

Und wie, bitteschön, soll ein im selben Atemzug ins Rennen gebrachtes Fahrzeug mit Elektroantrieb schmackhaft gemacht werden, wenn weit und breit kein passendes, eingemauertes Schweinchen, alias Steckdose, aufzutreiben ist? In einer damit gut ausgestatteten Großstadt ist das vielleicht recht lukrativ und überlegenswert (ausreichend Kröten im Sparstrumpf vorausgesetzt), doch wie sieht es damit in der Peripherie aus? Viele sind auf den fahrbaren Untersatz angeweisen, gerade im Ländlichen. Wie also soll sich da an der Einstellung der Menschen zu alternativen Antrieben etwas ändern können, was über den Grad „interessierter, aber skeptischer Blick“ hinausgeht?

Selbst in Norwegen, wo der Elektroantrieb weit verbreitet ist und wo ab voraussichtlich 2025 der Verzicht auf Verbrennungsmotoren für die Zulassung verpflichtend werden soll, gibt es (noch) in den abgelegeneren Gebieten Probleme, welchen man nur mit Hilfe der Verwendung des herkömmlichen Kraftstoffs beikommen kann, um zum Sommerhäuschen zu gelangen, weil sonst der Hamster im E-Auto mitten in der Pampa schlappmachen oder spätestens auf dem Rückweg seinen Dienst dankend quittieren würde. In Norwegen, glaubt man den Berichten, kümmert man sich jedoch um den weiteren Versorgungsausbau, wohingegen man hierzulande nicht unbedingt von einem Sauseschritt in Siebenmeilenstiefeln sprechen kann. Woher auch? Das kostet ja alles Geld. Aber am liebsten sollen wir ja 2025, ach was, lieber gestern als heute ebenfalls aus den fossilen Brennstoffen aussteigen. So jedoch bestimmt nicht. Da nützt auch das Hinterherwerfen von Vergünstigungen und Prämien nur bedingt.

Schade, die Idee ist gut. Die Umsetzung scheitert in der B-Note.

Auch gibt es, so denn eine Anbindung besteht, die Möglichkeit, (über)regional mit der Bahn zu fahren. Man könne doch mit „Fastensonderrabatten“ locken und die Leute zu mehr Umweltbewusstsein animieren.

Klar, zur (Auto)Fastenzeit wird gelockt und danach langt man richtig zu, oder wie?

Die Menschen werden die Bude einrennen. Ganz bestimmt.

Nicht.

Spätestens nach Beendigung dieser verzichtsreichen Zeit lockt doch wieder die selbstbestimmt und nach den eigenen Bedürfnissen zugeschaltete Sitzheizung oder im Sommer die gut funktionierende Klimaanlage im eigenen Fahrzeug.

Garantiert.

 

Für viele gibt es schlussendlich nicht die Option, sich und die eigene Lebensweise in  dieser Form zu überdenken und das Kfz einfach stehen zu lassen. Noch nicht einmal für die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern.

Von irgendetwas muss man nun einmal die Brötchen bezahlen, welche man sonntags vom Bäcker ums Eck mit dem Auto nach Hause chauffiert.

 

 

 

 

* Dieser Tag existiert übrigens auch in den Kalendern von militanten Nichtrauchern (wie mich), die von einem ollen Ascher ansonsten nichts wissen wollen. [Und von Karneval bis auf die Pfannkuchen/Berliner eigentlich auch nicht….jetzt haben wir es ja mal wieder überstanden. 😉 ]

 

 

 

 

 

 


Reise in die Vergangenheit- Norwegen im Schnelldurchlauf V (06.08.2016)

 

Vielleicht ist es euch schon aufgefallen: Ich fühle mich häufig nicht nur etwas fremd und aus der Zeit gefallen gegenüber der heutigen Moderne und deren Entwicklungen technischer und vor allem menschlicher Art- sehrwohl verfolge ich diese jedoch aktiv mit mehr oder minder stark ausgeprägten Interesse- ich stelle daher immer wieder fest, zumeist in Stunden der Muse, dass ich manchmal am liebsten in einer anderen Zeit geboren worden wäre. Ich stehe zu meinem inneren Anachronismus.

Natürlich handelt es sich dabei auch wieder nur um die damals tatsächlich vorherrschende Realität verzerrenden Eskapismus, so viel Verstand darf mir zugestanden werden, dennoch tät es mich reizen, einen neugierigen Blick hinter die Kulissen der Vergangenheit zu werfen. Eine Nasenklammer dürfte je nach gewähltem Zeitfenster nicht das größte Hindernis bei der Gepäckaufgabe am „Check-In“-Schalter darstellen.

Wie wäre es mit Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts? Ein ganz heißer Anwärter auf meiner heimlichen „muss-ich-mal-erlebt-haben“-Liste! Allein die Mode der bürgerlichen Gesellschaft war eine Wucht. Da könnte ich ins Schwärmen geraten.

So, und was hat dieses pseudoromantische Gefasel nun mit Norwegen zu schaffen?

Ganz einfach: Gern richte ich den Blick nämlich auch noch ein paar Umdrehungen weiter auf der Zeitspirale und treibe mich hin und wieder auf Mittelaltermärkten herum.

Und prompt kam ich also nach Trondheim (früher Nidaros genannt) und schon spazierte ich geradewegs in die Olavsfestdagene hinein. Mein kleines sehnsuchtsvoll-romantisch verklärendes Herzlein machte natürlich erst einmal ein kleines, freudig erregtes Hüpferlein.

Am Fuße des Nidarosdoms- übrigens ein wahrer Prachtbau mit daran allerlei zu entdeckenden Details*- fand ein anlässlich zu den Olavstagen aufgebauter Historisk Marked statt, den ich natürlich sofort erkunden musste. Aufmerksamen Lesern dürfte dieser bereits bei der Snack-Story über den Weg gelaufen sein.

Vom Stand mit den mit buntem Samtstoff bespannten Spitzhüten (im Mittelalter Hennin genannt) und den putzigen Feenzauberstäben konnte ich mich natürlich nur schwerlich lösen. Neben reichlich Pilgerequipment, Leder- und Eisenwaren, Süßkram und Stockfisch fanden sich auch immer wieder das (Kunst- und Bau-)Handwerk darstellende Personen, welche ein solcher dem ständigen Verfall obliegender Dom für seine Schönheitskuren auch heute noch benötigt.

Ein Steinmetz zum Beispiel werkelte an einer Statue herum und eine Dame schnitt und setzte Bleiglasfenster zusammen, was man heutzutage ja auch nicht täglich zu sehen bekommt.

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Unter kurios würde ich auch Folgendes verbuchen:

Ein Handwerker schnitzte an seltsamen Auswüchsen herum, die die Konsistenz von Holz besaßen. Auf Nachfrage bei seiner im Hintergrund weilenden Gattin konnte ich mir des Rätsels Lösung beinahe selber denken. Es handelte sich um Baumpilze, die vornehmlich von Birken stammten. Die Dinger sahen aber auch wirklich aus, als kämen sie direkt vom Mars! Ja, ja, die doofen Stadtkinder haben wieder keine Ahnung von der Natur ringsum….

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Und nun noch etwas für die Raucher unter euch:

Braucht jemand Feuer? Bitteschön!

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In diesem Sinne: Ha det bra!

 

 

 

* Ein Engel trägt sogar das Antlitz von Bob Dylan. Aufgrund dessen, dass das Bauwerk in der Vergangenheit in seinen unterschiedlichen existierenden Formen mehrfach durch Brände zerstört worden ist und es keine verifizierten Aufzeichnungen zu vielen Details gab und gibt, hat man angeblich bei der Rekonstruktion des Erzengels einfach den Musiker als Vorlage verwendet. Dieser hätte sich wohl sogar persönlich für diese Ehre bedankt. Keine Ahnung, ob Letzteres stimmt.

 

 

 

 


Der etwas andere Snack- Norwegen im Schnelldurchlauf IV (05.08.2016)

 

 

Heute mal etwas Passendes zur gleich anstehenden Primetime:

 

Naschwerk:

 

Welcher Mensch ist nicht schon mindestens einmal dem eigenen schwachen Fleische erlegen und maß bequem dahingefläzt*- dabei genüsslich Chips mümmelnd- die Länge des Sofas aus der waagerechten Position heraus aus?!

Wer sich nun ertappt fühlt, braucht jetzt nicht gleich schameserrötet und mit überlaut knisterndem Geraschel das Corpus delicti hinter der Rückansicht verbergen. Ich habe es eh schon gesehen! Gebt euch keine Mühe.

Aber vielleicht möchtet ihr ja auf einen etwas anderen Snack umsteigen? Der ist sicher gesünder, enthält wichtige Fettsäuren  und euren Salzhaushalt habt ihr nach einer Hand voll noch nicht einmal ansatzweise überstrapaziert. Und was für die alten Seefahrer gut gewesen ist, kann für euch nicht schädlich sein.

Klingt verheißungsvoll, nicht wahr?

Nun…lasst es mich jedoch ehrlicherweise so ausdrücken:

Solltet ihr euch nicht am Duft von Trimethylaminen stören, eine Komponente des berühmt-berüchtigten Fischgeruches, dann hätte ich da einen exklusiven Geheimtipp, an dem ihr unter Garantie etwas länger zu kauen haben werdet. Wie schnell verschwindet denn eine handelsübliche Chipstüte! Kaum geöffnet, ist sie auch schon wieder bis auf das letzte Krümelchen geleert. Das kann euch bei diesem Snack nicht passieren.

Ein Mitreisender hatte den Selbstversuch gewagt- er erfreute sich übrigens bezüglich dieses Belanges auch einige Zeit später noch bester Gesundheit- und sein Erfahrungsbericht endete dahingehend, dass die Kostprobe von ihm geschätzte 20 Minuten lang im Mund verblieben ist, um sie ständig kauender- und einspeichelnderweise doch noch gen Magen befördert zu bekommen.

Es handelte sich um Stockfisch, ein typisches Produkt von den Lofoten, wo das Klima derart passend ist, dass die Konservierung von Fisch (insbesondere Dorsch) alleinig durch die Trocknung erfolgen kann. Man entfernt lediglich den Kopf und kehrt das Innerste (des Meeresbewohners natürlich!) nach außen. Danach ist der Fisch hart wie ein Brett. Im Gegensatz dazu gibt es noch den Klippfisch, der jedoch eröffnet und zum Zwecke der Entwässerung einer Salzung unterzogen wird, bevor an die frische Luft gehängt wird.

Früher stand in den Küchen der Holzhütten ein dicker Hackklotz, auf dem das getrocknete Produkt brachial zerteilt wurde. Exemplare dieser grauen Vorzeit kann man jetzt noch in diversen Freilichtmuseen in Augenschein nehmen. Dazumal wurde der Fisch auch eher nicht als profaner Snack verzehrt, sondern war Hauptbestandteil der Mahlzeiten. Man weichte ihn über längere Zeit ein- z.B. in Wasser oder auch Milch- und kochte ihn ganz normal, sobald er seine weitestgehend ursprüngliche Konsistenz wiedererlangt hatte.

Norwegen exportierte den Stockfisch in großen Mengen und auch heute noch schätzt man ihn gerade in Portugal und Spanien bzw. allgemein in der Mittelmeerregion. Bacalhau ist eines der Nationalgerichte Portugals schlechthin und es gibt davon wahrscheinlich mindestens genauso viele Rezepte wie das Jahr Tage hat.

In Norwegen und Island isst man den Trockenfisch aber auch gern roh, als Snack oder Zwischenmahlzeit.

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Vielleicht hat der ein oder andere nun Blut geleckt. Ich könnte es aber genauso gut verstehen, solltet ihr bei Chips und Erdnussflips bleiben wollen. Den Odeur, der mir an einem solchen Stockfischstand entgegengeschwebt war, kann man schon als etwas speziell bezeichnen. Aber womöglich verhält es sich wie mit einem ollen Stinkekäse: Viele der besonders geruchsintensiven Kandidaten stinken mehr, als dass sie letztlich danach schmecken.

 

Also denn: Håper det smake!

 

 

P.S.: Alternativ hätte ich auch noch Folgendes für die Süßmäuler unter uns:

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Knäckäpplen vom Trondheimer Historisk Marked (Olavsfestdagene). Echte Plombenzieher!

 

 

 

* Oh wie liebe ich den Duden, der dieses Wort folgendermaßen umschreibt: In nachlässiger Haltung halb sitzend. Da erscheint der Vorgang des sich der vollkommenen Faulheit Ergebens gleich viel weniger schlimm.

 

 


Die Welt ist ein Dorf- Norwegen im Schnelldurchlauf III (04.08.2016)

 

 

Aufgrund dessen, dass es im hohen Norden momentan des Nächtens immernoch nicht richtig finster werden wollte, hatte ich reichlich Zeit, meine Umgebung ausgiebig bei recht guten Beleuchtungsverhältnissen zu studieren. Doch ich hätte mir noch sehr viel mehr Zeit gewünscht, das Land und vor allem die Menschen darin zu erkunden. Je mehr ich darüber nachdenke, desto stärker bin ich gewillt, besser gleich morgen als irgendwann später in das Land meiner diesjährigen Reise zurückzukehren.

Vorerst werde ich aber wohl doch von Erinnerungen zehren müssen. Oder sollte ich gerechterweise besser „dürfen“ schreiben? Ja, ich werde von Erinnerungen zehren dürfen.

 

Sprache:

Auf meiner Reise traf ich unter anderem einen Niederländer, der sich während der Sommerzeit und der damit verbundenen Touristenschwemme (immerhin 25% davon sind Deutsche) als Guide verdingte. Er lebt bereits seit 10 oder 11 Jahren ganzjährig in dem Land, dessen Name zu Wikingerzeiten geprägt worden sein soll, um für Besucher, Handelstreibende oder einfach nur Interessierte (friedlich gesinnt oder nicht) eine Art Wegbeschreibung abzuliefern, da man die Bewohner schließlich auch damals schon weitestgehend über den „Weg nach Norden“ zu erreichen pflegte.

Dieser Guide klärte mich neben vielen anderen Dingen darüber auf, dass man nicht einfach „Norwegisch“ lernte, sondern dass die Kinder in der Schule sozusagen zwei Muttersprachen in Schriftform lernen dürfen: Bokmål und Nynorsk.

Nynorsk wurde von einem schlauen Mann, dem Sprachwissenschaftler Ivar Aasen, aus einer Vielzahl an regionalen Dialekten zusammengestellt, damit auch die gesprochene Mundart im Sinne der allgemeinen Fortschritts- und Gemeinschaftsbewegung endlich eine amtlich anerkannte Schriftsprache erhielt. Im Bürgertum fand das Nynorsk jedoch weniger Anklang, da es doch eher die Sprache des gemeinen, ländlichen Volkes widerspiegelte. Jedoch auch dort war man sich nicht immer grün mit dem Neunorwegischen, da es doch eine Art Flickwerk darstellte und eine komplexere Grammatik in sich barg. Heutzutage findet man das Nynorsk anteilsmäßig eher im ländlichen Westnorwegen.

Bokmål kann seine eindeutig dänischen Wurzeln nicht verbergen und ist, auch wenn die Norweger sehr stolz auf ihre lang errungende Unabhängigkeit von Dänemark (und Schweden) sind, mit denen sie in wechselnder „Allianz“ mehr oder weniger unfreiwillig verbunden waren, mit am weitesten im Land verbreitet, zählt man die sprachlich neutralen, dennoch eher Bokmål-lastigen Regionen hinzu.

Jede Region bzw. Gemeinde weist mundartlich dennoch weiterhin ihre eigene dialektische Färbung auf.

So kann es sein, dass ein in der Gemeinde Stryn sesshafter Niederländer in anderen Ecken Norwegens als ein waschechter, wenn auch sprachlich vielleicht etwas beschränkter Stryner-Norweger identifiziert werden könnte, so sehr variieren die Mundarten untereinander. In Stryn bleibt er natürlich der ewig Zugezogene.

Er gab diese und weitere Anekdoten stets mit einem überaus sympathischen Augenzwinkern zum Besten. Auch sonst ist er wohl zu jeder Art von Schandtat zu haben. Er war sich auch nicht zu schade, seine „Jungfräulichkeit“ unter Beweis zu stellen, während daheim eine Frau und, ich glaube, 2 Kinder auf ihn warteten. So kletterte er durch einen mutmaßlichen „Beweis-Stein“ mit Loch, von dessen Durchmesser ich behauptet hätte, dass man vielleicht mit 50 oder 60 Kilogramm mehr oder minder bequem hindurchgepasst hätte, ohne Gefahr zu laufen, am Ende doch noch sang- und klanglos steckenzubleiben.

Ich für meinen Teil verkniff mir diesen Test lieber, obwohl es an meinen Ausmaßen im Vergleich zu ihm auch nicht zwingend gescheitert wäre. Doch ich wollte mir eine ungelenke Blamage ersparen. Wer weiß, wie oft er an diesem Stein ohne Zeugen schon geübt hatte! Nein, nein, den Triumph gönnte ich niemanden.

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Beweis-Stein copyright by S. Schott

Über seine Jungfräulichkeit sollte er nun über jeden Zweifel erhaben sein!

 

Die Welt ist ein Dorf:

Während meiner Touren konnte ich neben vielen norwegischen (logisch), schwedischen und dänischen Kennzeichen auch mehrere vornehmlich aus dem Norden Deutschlands stammende feststellen. Selbst Österreich war vertreten!

Doch auch am hintersten Zipfel, auf einem an sich nicht allzu großen Aussichtspunkt, durfte ich ziemlich unerwartet auf ein Fahrzeug treffen, dessen Kennzeichen mich seltsam vertraut an meine Neuheimat erinnerte. Der Fahrzeughalter kam aus selbigen Landkreis, den ich aufgrund der Arbeit vor einiger Zeit zu meinem festen Wohnsitz bestimmt hatte.

Sollte mich der Weg einmal zur Antarktis führen, ich tät mich nicht wundern, sollte ich auch dort zwischen all den dort lebenden Pinguinen auf ähnlich Vertrautes stoßen.

Wir sind überall!

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Damit möchte ich für heute meine Ausführungen beschließen.

Ha det bra!

 


Strickkurs für Fortgeschrittene- Norwegen im Schnelldurchlauf II (03.08.2016)

 

 

Die wichtigsten Dinge wurden bereits im ersten Teil meiner Nähkästchenplauderstunde- zumindest in einer Art Feinaufschnitt- thematisiert: Essen, Wetter und Alkohol. Der deftige Braten wird sich am Ende wahrscheinlich irgendwie von selbst ergeben, wenn sich die Formfleischpuzzleteile zu einem Ganzen zusammenfügen werden.

Ich könnte zu oben genannten Punkten noch so viel mehr ausführen und das ein oder andere Mal werde ich diese Sujets wohl auch noch einmal einflechten.

Es bestehen bereits Überlegungen dahingegehend, mir selbst einen kleinen Reisebericht aus der imaginären Schreibfeder klecksen zu lassen, damit mir nichts von den vielen gehörten und erlebten und vor allem liebgewonnenen Dingen aus dem Gedächtnis entfällt. Anzumerken ist, dass sich leider, leider bereits nach wenigen Minuten die ein oder andere Information dem sachten Fjordwind, der um meine Nase wehte, hingegeben zu haben schien und wohl auf Nimmerwiedersehen entschwunden sein mag. Aber vielleicht öffnet sich doch noch nachträglich das ein oder andere Türchen meines Hinterstübchens und offenbart mir (und euch) das eine oder andere Kuriosum, Wissenswerte oder Belustigende. Ich werde mich und meinen Denkapparat redlich bemühen, doch bitte ich um nachsichtige Verzeihung, wenn ich nicht mit Vollständigkeit ob der über mich eingestürzten Informationsfluten glänzen kann.

(Mein Vorteil in dieser Sache: Nur ich allein weiß, was ich erlebt, gesehen und gehört habe.)

 

Nachdem ich bereits der werten Modepraline einen tropfenden Zahn beschert habe- ganz sicher nicht allein vom gegarten Schafskopf mit intakten Augen- möchte ich im weiteren Verlauf und nach irgendwann sicherlich erfolgreich abgeschlossener Sichtung meiner unzähligen Photographien ein paar meiner Aufnahmen- möglichst vom Typus „aussagekräftige Schnappschüsse“- hier einstellen. Wir werden gleich sehen, ob es mir gelingt….oder nicht.

 

Strickoptiken:

In vielen Großstädten und Metropolen ist das Phänomen häkel- und strickwütiger Profi- und Freizeitkünstler nichts Unbekanntes mehr. Welche Laterne, Parkbank, welches Fahrrad oder welcher Omnisbus wurde in Szenevierteln nicht bereits in maßgefertigte Wollbekleidung verpackt? Warum sollte nicht das Naheliegendste auch im Land des Norwegerpullovers aufzufinden sein?

Ich wurde nicht enttäuscht und so traf ich bunt und kuschelig warm ummantelte Bäume auf meiner Reise. Mal mit Elchmusterung, mal im einfachen Ringel-Look und für Kinder gab es auch die Knerten-Variante. Knerten (eine animierte Holzpuppe) ist eine in Norwegen produzierte und offensichtlich recht ordentliche Kindertrickfilmproduktion, die nun hier ihre Würdigung in der Strickoptik gefunden zu haben schien.

Strickoptiken copyright S. Schott

Strickoptiken copyright S. Schott

Strickoptiken copyright S. Schott

Wir ihr seht, ist es mir gelungen, ein paar Impressionen ohne viele Tote und Verletzte in den Beitrag einzuarbeiten. (Okay, am Layout müsste gefeilt werden, aber irgendwie scheinen die Mittel hier etwas begrenzt zu sein. Egal.)

 

Dabei bedarf es an der Westküste Norwegens vielerorts gar nicht zwingend den allerdicksten und flauschigsten Pullover, da aufgrund der anliegenden Golfströmung selten dauerhafte Werte von hochstelligen Minusgraden erreicht werden. Es kommt ganz darauf an, wo man sich befindet, denn sehrwohl kann es auch mal knackige -50 geben. Schnee gibt es in den höheren Lagen zu Hauf, sodass viele Straßen über den Winter gesperrt werden müssen, oder man hat das nicht seltene Vergnügen zwischen imposanten, freigefrästen Schneewänden hindurchzufahren, die ab einer gewissen Höhe auch einem Nicht-Klaustrophobiker  die Schweißperlen auf die Stirn treiben dürften.

 

Apropos Schweißperlen und Straßenverkehr:

Solltet ihr einen Busführerschein machen wollen, dann kann ich zur Abhärtung die Ausbildung in einer norwegischen Trafikkskole empfehlen. Nach etlichen unbeschadet absolvierten Haarnadelkurven mit Gegenverkehr und reichlich Hang zum Überhang der Front eures Gefährtes schockiert euch wahrscheinlich nicht mehr viel und der Platz im Himmelreich würde euch gewiss sein, schließlich wird in skeptischer Anbetracht eurer Fahrkünste sicher mehr als ein Fahrgast spontan zum Glauben bekehrt werden und zu Gott beten wollen.

Es empfiehlt sich auch, immer eine Großpackung Vaseline unter dem Fahrersitz zu verstauen, denn nicht selten wird das Verkehren mit Entgegenkommenden eine überaus hautenge, intime Geschichte mit- glücklicherweise- zumeist gutem Ausgang. HIER passte in jedem Fall kein Blatt Papier mehr dazwischen und man rechnete beinahe jede Sekunde auf verdächtig kratzende oder nach berstender Hartplastik tönende Geräusche:

Verkehr copyright S. Schott

Die Trafikkskole wird für euch bestimmt den einen oder anderen ähnlichen Schmankerl bereithalten, da bin ich mir sicher und nach erfolgreich absolvierter Linzenz könnt ihr noch einen fakultativen Aufbaukurs auf dem indischen Zojila-Pass, der Grand-Trunk-Road oder auf der „Straße des Todes“ in Bolivien anschließen. Danach wird euch jedes Stadtverkehrs- und Reiseunternehmen mit Kusshand empfangen.

Trollstigen copyright S. Schott

Trollstigen copyright S. Schott

Dies sind Bilder von der Trollstigen.

 

 

Soweit hierzu.

Ha det bra!

 

 


Hei, hei!- Norwegen im Schnelldurchlauf (02.08.2016)

 

Der Grund, weshalb ich mich jetzt erst wieder melde, ist der, dass ich DOCH NICHT nach Norwegen ausgewandert bin, ergo wieder über eine funktionierende Internetverbindung verfüge.

Es blieb also lediglich bei einem wundervollen Urlaub zwischen Fjorden, Trollen und Kirschbäumen.

 

Hach, was soll ich sagen? Der „norwegische Sommer“ hat schon seine Eigenarten und mehr als einmal hat es mich eingeweicht. Das Wetter war jedoch besser als befürchtet. Wie würden Norweger zu einem wechselhaften Tag um die 16°C mit abwechselnd Sonne, kräftigen Schauern, nur Wolken und/oder leichtem Nieselregen sagen? SOMMER IST DER SCHÖNSTE TAG IM JAHR!

Genial! Die Nordmänner und -frauen feiern eben die Feste, wie sie fallen.

Jedoch ohne Alkohol in der Öffentlichkeit versteht sich (während Dorffesten werden die Ordnungshüter wahrscheinlich in irgendeiner Ecke geknebelt und hochprozentig ruhiggestellt). Aber man kann ja auch ohne harte Spirituosen lustig sein….wenn einem hierfür unter 0,3 Promille genügen sollten. Die gibt es auch noch nach 18Uhr im örtlichen Discounter (z.B. Munkholmen-Bier). Für härteren Stoff müsst ihr vor den ersten Klängen der Sandmännchen-Melodie zum Dealer ums Eck- das Vinmonopolet– traben. Vergesst aber ja nicht euren Ausweis, denn auch im scheinbar ausgereiften Alter könnten Zweifel an eurem tatsächlichen Geburtsjahr bestehen. Ob faltige, wettergegerbte Haut und graues Haar reichen, um eure „Unschuld“ rein optisch zu verifizieren, kann ich an dieser Stelle leider nicht mit Sicherheit bestätigen. UND nehmt bitte zudem ausreichend Geld mit! Für die billigste Rebenplörre könnte ein umgerechneter Zwanziger anfallen. Eine Dame meinte dazu: Wenigstens kommt man dann nicht mehr in Versuchung bei diesen Preisen.

Genug der Alkoholitätengeschichten.

Kommen wir schnurstraks (bei Angaben norwegischer Geh-Zeiten sollte man die Beine in die Hand nehmen….gerade auf Bergpässen empfiehlt es sich, es sei denn, man führt die Übernachtungsmöglichkeit bereits mit sich) zu einem anderen Thema.

Die Sprache bzw. das Essen.

Ich durfte lernen, das man „Kacke“ (sprich: [ˇkɑːkə]) DOCH essen kann. Ja, auf die Gefahr hin, dass sich nun jemand spontan übergeben muss, kann ich aus fester Überzeugung sagen: „Kacke“ schmeckt! Süß, mit oder ohne Schoki, Nüssen, Früchten und was das Herz so begehren möge.

Kake hebt man sich übrigens passenderweise auch mit einem Kakespade auf den Teller.

Glücklicherweise verbirgt sich hinter diesem für uns Deutsche öbszön anmutenden Wörtchen nichts weiter als die süße Sünde Kuchen.

Wem dieses dennoch eine seltsam befremdliche Vorstellung im Kopf heraufbeschwört, der sollte Weihnachten auch besser daheim bei Kartoffelsalat und Würstchen verbringen. In Norwegen reicht man nämlich traditionell gerne Schafskopf….mit Augen, Ohren und allem drum und dran. Lediglich das Hirn dürfte aus fleischhygienischen Gründen beim Schlachter des Vertrauens verbleiben.

Darauf einen Aquavit! Prost!

Ich kehre zurück zu appetitlicheren Angelegenheiten: Fisch.

Dieser weist hier in Norwegen eine gefühlt ganz andere Qualität auf, auch wenn ich mir dessen sehr bewusst bin, dass das Ambiente sehr wohl eine entscheidende Wirkung zum kulinarischen Vergnügen beiträgt. Auf der Alm schmeckt das schlichte Käsebrot schließlich auch gleich doppelt besser. Das schöne ist, dass in den Fjorden selbst jeder seine Angel auswerfen darf, wie er möchte…bis einem buchstäblich der eingelagerte Fisch aus Ohren und heimischer Tiefkühltruhe quillt (oder irgendwann „verduftet“). Lediglich in den Flüssen bedarf es einer Lizenz, die für ein ganz bestimmtes Fleckchen an einem ganz bestimmten Fluss gültig ist und die je nach (Lachs)Lage sehr unterschiedlich teuer ausfallen kann.

Doch was ist hier schon billig. Krabbeltisch-Schnäppchenjäger würden in diesem Land wahrscheinlich nach wenigen Minuten erschöpft das weiße Fähnlein schwenken oder resigniert ihren Frust in einem kleinen Glas Bier zu umgerechnet 8 bis 12Euro „ersaufen“ lassen.

 

Ach, wisst ihr, ich könnte noch so viel mehr aus dem Nähkästchen plaudern…

 

So weit jedoch erst einmal dazu.

Ha det bra!

 

 
* (Im Zweifel gilt, dass das Wetter hier niemals schlecht ist, lediglich das persönliche Unvermögen über die Art der gewählten Kleidung.)