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Oktoberfestisierung (12.09.2015)

 

Jedes Jahr im September ein Déjà-vu:

 

Die Werbeprospekte überschlagen sich wieder deutschlandweit gegenseitig, was die Folklorisierung einer regionalen Festveranstaltung anbetrifft.

Da fliegen dem „Leser“ die Weißwürste, Haxen, Brezen und Knödel förmlich um die Ohren. Eine ganze Nation soll teilhaben dürfen an der weißblauen Bavarisierung.

Produkte des täglichen Lebens bekommen extra hierfür ein neues Gewand geschneidert. Pseudo-Dirndl und Fake-Lederhosen liegen wieder zur alljährlichen Konstümierung jenseits des Karnevals zum Verkauf bereit.

O’zapft is!

Gewürzte Grillhähnchen im Folienkleid heißen nicht mehr schnöde „Gewürzte Grillhähnchen“, sondern „Wies’n Hendl“. Das Gewürzgurkenglas trägt nun wahlweise ein Dirndl oder eine Lederhose. Und das profane Wienerle im Glas heißt plötzlich Saftwurstl.

Was da für ein Absatzmarkt generiert wird. (Fast) jeder möchte daran teilhaben dürfen und wenige wollen wahrhaben, dass das eine billige Konsummasche ist. Die Authentizität geht jedenfalls mindestens drauf dabei.

Da legts di nieder.

Und was das Oktoberfest selbst angeht: Was früher vielleicht noch Scharm versprüht haben mag (ich kenne mich da leider nicht aus), ist heute an vielen Ecken ein Moloch aus Geldgier, Profitsucht und „Ich war dabei!!!„.

Keine Ahnung, ob das den Geist des Volksfestes von 1810 noch trifft. Aber solange es den Massen (inklusive der Ableger im ganzen Lande…haben andere Regionen keine EIGENEN Ideen?) gefällt und diese ihr Portemonaie freiwillig schröpfen lassen wollen… Mir würde das Wiesn-Hendl bei den feilgebotenen Preisen jedenfalls im Halse stecken bleiben. Da würde auch eine eilig hinterhergegossene Maß Bier zum Preis eines ganzen Bierfasses ohne Boden nicht mehr helfen.

 

Aber wie immer gilt: Leben und leben lassen. Wer seine Freude daran hat…dem möchte ich diese auch nicht vergrämen. Kommerz hin oder her.

 

 

 

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