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Abgedreht (10.11.2015)

 

Mittlerweile ist die technologische Entwicklung soweit vorangeschritten, dass nicht nur unsere Kühlschränke selbstständig einkaufen gehen, demnächst 30-Tonner autonom auf unseren Autobahnen unterwegs sein werden oder wir schon einmal unser Köfferchen für den Umzug auf den Mars packen können, sondern dass nun auch ein sehr intimer, von jedem an sich selbst verrichteter Vorgang zu Personalisierungszwecken ans Smartphone gekoppelt werden kann.

Ich schreibe vom Zähneputzen.*

Da frage ich mich: Braucht das die Menschheit?

Bringt es mir evolutionsbiologische Überlebensvorteile, wenn ich weiß, dass der 2-5-er** bitteschön noch einmal linksherum drehend gebürstet werden möchte?

Die Zahnpflege ist wichtig und beeinflusst auch die Gesundheit des großen Restes, sprich des Körpers. Wenn es im Mund richtig herumgammelt, sind Folge- und Begleiterscheinungen nicht allzu abwegig. Abgesehen davon, freut sich auch die Umwelt, wenn sich euer Mundraum nicht schon vorher olfaktorisch ankündigt, obwohl ihr noch nicht einmal zu sehen seid.

Ich empfinde diese hochtrabende Vertechnisierung des Zähneputzens als höchst amüsant. Wenn das so weiter geht, stehen wir demnächst länger im Laden, um die zu uns passende elektrifizierte Zahnbürste zu finden, als beim Autohändler, wenn es um das Zusammenpuzzlen eines Neuwagens geht. Vielleicht aber fährt uns bald auch die Zahnbürste sogar auf Arbeit und kauft für uns ein. Natürlich nur zuckerfreie Bonbons.

Wer weiß…

 

 

 

 

* Wer anderweitige Automanipulationen erwartet hat…ab in die Ecke zum Schämen! 🙂

** Das ist der linke, obere, zweite Prämolare….für alle, die es interessiert. Falls es mal bei der Millionenfrage drankommen sollte. Nachzulesen auch unter „FDI-Schema“…mit Bild.

 

 


Lebenszeichen (17.12.2014)

ACHTUNG ACHTUNG ACHTUNG ACHTUNG ACHTUNG ACHTUNG ACHTUNG

 

….nicht erschrecken…ich bin’s nur mal wieder. *Gnihihi*

Kinders, ich habe endlich wieder Internet! Glücklicherweise wurden weder meine email-Postfächer gesprengt, noch ist unbemerkt die Welt untergegangen. Fein…soweit….wären da nicht andere Umstände, welche mir diese kleinen Erfolgsnachrichten ein wenig vergällen. Aber dazu später mehr. Die Arbeit ruft ja schließlich auch noch neben all den von anderen Seiten unnötig ausgehobenen Baustellen.

 

Die Zeit für eine weitere Begrüßung möchte ich mir aber nicht nehmen lassen.

Pünktlich zur glitzerbunten, zuckerüberladenen Weihnachtszeit gesellte sich doch tatsächlich noch ein Schokoriegel zu uns, um sich des hier anfallenden Lesestoffs annehmen zu können. Was die Kalorienspender heutzutage nicht alles können…aber hey, demnächst wäscht uns ja eh das Smartphone die Dreckwäsche (verbal ja schon längst). Warum sollte da latent suchtverursachendes Naschwerk nicht auch lesen können?!

Sei gegrüßt, Schokoriegel, aber wehe, mir passt demnächst der Inhalt meines Kleiderschrankes (der in seiner greifbar physischen Form eigentlich noch nicht existent ist) nicht mehr….dann….dann….ach, weiß ich auch nicht. Fühl Dich hier gut aufgehoben (für Dein existentielles Fortbestehen kann ich aber gegenüber etwaig vorbeistreunernden Naschkatzen nicht garantieren) und lass auch Du gern ein paar geistige Kalorien zurück!

 

Nun denn, ab jetzt werde ich wieder mehr Lebenszeichen in die Welt aussenden. Auf bald!

 

 


Ich kann es nicht mehr sehen! (22.10.2014)

 

Selfie hier, Selfie dort, mit und ohne Kanzlerin, sitzend vor dem Mittagessen, Selfies, die eigentlich von fremder Hand und ergo „Fremdies“ sind, mit formvollendeter Entenschnute, Selfies mit und ohne Crash.

 

Seit längerer Zeit schon hat dieser Auswuchs an Egozentrik auch die Automobilwelt durchwuchert und so sprießen bei voller Fahrt frisch und fröhlich die Selbstportraits aus den Fahrersitzen. Weil dies nicht genug der Dummheit gereicht, werden diese stummen Zeugen eines Verstoßes gegen die StVO gleich noch auf soziale Netzwerke geladen…gleichsam bei rollendem Kraftfahrzeug.
Und das mitten unter uns.

 

Wem die eigene Gesundheit und die der Umwelt weitgehend wurscht ist, wer 60 Euro zu viel und ein nach eigenem Empfinden zu mager bestücktes Konto in Flensburg sein Eigen nennen kann, nur zu. Aber ohne mich!

 

Ziemlich dünne Luft herrscht, wenn auch noch Berühmtheiten diesem Selbstdarstellungswahn erliegen, obwohl sie sich mitunter ihrer Vorbildfunktion bewusst sind, weil sie eben für viele, oft junge Anhänger als Leitbild dienen.
Klar, kann man nicht gutmenschlich schmähen, wenn sich auch ein bekanntes Sternchen mal ganz menschlich vor laufenden Kameras einen fetten, ungesunden Bürger hinter die Kiemen schiebt, aber diese bildlich festhaltend bagatellisierte Fahrlässigkeit ist doch ein ganz anderes Kaliber, das bei Nachahmung ernsthaft zu einem höchst akuten Problem führen kann.

 

Nicht umsonst besteht zum Beispiel ein Navi darauf, noch vor der Fahrt programmiert zu werden. Was soll dann also beim Knipsen und Hochladen der Fotos so viel anders, bzw. so viel weniger gefährlich sein?
Fakt ist, dass schon weniger als eine Sekunde mangelhafter Aufmerksamkeit fatale Folgen haben kann. Der berühmte Wimpernschlag.

 

Wir reden über gesunde Ernährung, schadstofffreie Gebrauchsgegenstände und Kleidung, sicheres Kinderspielzeug, CO2-Minimierung, Fairtrade, Feinstaubreduktion, korrekte Erziehung, Frieden und Nachhaltigkeit, aber über Trends dieser Art, denen vor allem junge, hippe Menschen anheimfallen, schweigen wir uns weitgehend aus.
Wir registrieren und vergessen, wenn ein Selfie mal wieder das Letzte ist, was von einem Menschen geblieben ist, nachdem er sich unfreiwillig selbst an den nächsten Baum oder gegen ein anderes Fahrzeug gesetzt hat. Womöglich wurden auch noch Unbeteiligte geschädigt…jeder ist in erster Linie für sein eigenes Glück und Wohlergehen zuständig und verantwortlich, aber das geht gar nicht!

 

Für mich ist und bleibt es eine narzisstische Gedankenlosigkeit, nein, Hirnlosigkeit sondergleichen. Das schreibe ich nicht als etwaig frustrierter weil-nicht-mit-Kamera-ausgestattetes-Handy-Besitzer, sondern weil ich es schlimm finde, dass in solch einem sensiblen Bereich wie dem Straßenverkehr, wo viel passieren kann, das eigene Ego unbedingt ins schönste Licht gerückt werden muss, obwohl man im Normalfall bei einer Autofahrt genug andere, zweckdienlichere Dinge zu erledigen hätte…die Technik störungsfrei beherrschen, Umsichtigkeit beweisen, Regeln erkennen und umsetzen, …
Multitasking ist nicht mehr! Studien haben bewiesen, dass man verschiedene Dinge nicht gleichzeitig gut machen könne. Entweder habe ich die Straße oder das Smartphone im Fokus.

 

Extra angefertigte, der Abschreckung dienende Filmchen im Werbeblock, die einen Selfie-Horrorunfall imitieren, werden zwar vom Konsumenten aufgenommen, aber wie es bei dieser-zu Neudeutsch- „content“-Flut eben so ist, beträgt die Halbwertszeit oftmals nur die Spanne eines Durchschnittskurzzeitgedächtnisses.
Im Endeffekt darf man sich bei Interviews dann auch wenig reumütige Geständnisse anhören oder durchlesen, die wenig Hoffnung auf Besserung machen. Solang demjenigen nichts ernsthaftes passiert, bleibt alles beim Alten…und wenn doch, dann kann er sich ja immernoch über Lob zum schicken Schnappschuss aus der community freuen…falls er noch in der Lage zum Freuen sein sollte…aber erfahrungsgemäß haben solche Leute mehr Glück als Verstand.
Möge das dann wenigstens die verspätete Initialzündung zum Überdenken des eigenen Handelns abliefern!

 

 


Geknickt (25.9.2014)

 

Wie sagt man so schön: Manche haben echt den Bogen raus.

 

Das neue Eier-Phone hat es anscheinend auch. Klasse, was das Ding alles kann.
Es ist also tatsächlich in der Lage, seine Form zu ändern…sogar ohne, dass es der Besitzer eigentlich möchte. Das erinnert mich an eine Amöbe, die sich allein durch Formänderung ihrer Zellwand fortbewegen kann.
Der einzige Weg des Eier-Phones der 6. Generation wird es so wohl aber lediglich gen Mülleimer führen. weiterlesen