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Aufklärungsarbeit mal anders…auf die knallharte Tour. (4.11.2014)

 

Ein Beitrag einer Mitleserin (IndesTeufelsKüche) dieses Blogs bezüglich des Lebens zwischen Goths und Nicht-Goths (Sorry für die feuchte Aussprache!) hat mich zu folgenden Worten verleitet, die augenzwinkernd um Aufklärung für ein verständnisvolles und von Angst befreites Miteinander werben sollen.

Dann mal los!

 
Werter Leser, werte Leserinnen, liebe Normalos, liebe Normalinnen, an alle Nicht-Goths, Zeugen Jehovas und Exorzisten,

um es eilig und nervenschonend unspannend vorweg zu nehmen, ja, wir gehen ständig auf Friedhöfe, buddeln dort Leichen aus, beten Satan an und sind die ganze Zeit total traurig.

 

Das Lachen haben wir nämlich nach dem Herauswachsen aus den Kinderschuhen (oder bereits vorher?) verlernt und falls doch noch rudimentär etwas von diesem abartigen Gefühlszug übrig geblieben sein sollte, dann gehen wir hierfür in den Keller, um uns dort ausgiebig und selbstgeißelnd dafür zu schämen.

Fleisch wird generell im rohen Zustand verzehrt…selbst von den Veganern unter uns. Aus Prinzip! Als bekennende Saucenfetischisten brauchen wir hierzu immer reichlich blutigen Fleischsaft.

Vor dem Schlafengehen (kurz vor dem Morgengrauen) wird noch artig der wehrlose Teddy geknebelt und dem Gott der Unterwelt (um Bobs Willen nicht mit dem Teufel verwechseln!) gestiftet, bevor wir uns selig in grausame Alpträume begeben dürfen.
Erst bei Eintritt der Dunkelheit öffnet sich der als Schlafstätte dienende hochwertige Sarg aus poliertem Kupfer wieder.

Tarantula ist nicht unser einziges Haustierchen, schließlich zählen noch eine äußerst verfressene Fledermaus, ein halbwilder Bluthund (hört fast nicht aufs Wort) und ein zugelaufener Werwolf zum pelzigen Inventar.
Die der Pestilenz verdächtigte Ratte Mimi mit den lustig rotglühenden Augen ist leider von der liebenswerten, aber etwas kratzbürstigen Nachbarskatze verstorben worden und steht jetzt ausgestopft in der zum Schrein umfunktionierten Vitrine. Ein bisschen aufdringlich riecht sie dort zwar vor sich hin, wenn man aber die Glastür konsequent geschlossen hält, ist es selbst für Mitarbeiter einer Kuttelei erträglich.

Die Wohnung darf man sich auch nicht fälschlicherweise als gewöhnlich vorstellen, schließlich liegt sie zum Teil unterirdisch, in verfallenen Schlossruinen oder in vergessenen Katakomben und Kellergewölben. Ganz ausgeflippt Freaks unter uns leben spartanisch unter euren Betten oder im Schrank. (Immer schön nachgucken vor dem Schlafen!)

Wie sieht denn so unser trüber Alltag aus, mag sich der ein oder andere an dieser Stelle fragen?
Naja, fast hätte ich es schon verraten. Hihi! Moment..habe ich schon…Trübsal blasen!
Echte Gefühlsregungen jenseits von Melancholie, dem Drang nach Selbstauslöschung und der abgrundtiefen Verachtung vor dem Leben ringsum sind ein Gerücht. Aber absolut!

Um ein wenig Licht in unsere innerste Finsternis zu bringen, lassen wir es in Form von Selbstverstümmelung tagtäglich (naja, eigentlich nachtnächtlich) richtig krachen, bis uns der Schmerz weiße Lichtblitze vor den Augen explodieren lässt.
Du magst das vielleicht ekelig und nicht nachvollziehbar empfinden, wir finden das aber alle supi-toll und machen das rein zu unserem Vergnügen aus Jux und Tollerei und haben im Grunde auch nichts Besseres zu tun.

Arbeiten ist so ein Sache…nachts haben sehr viele Unternehmen geschlossen und auf den Schlachthöfen nimmt man uns nicht mehr so gern, weil es in der Vergangenheit wohl immer zu exzessiven Orgien im Sammelbluttank gekommen sein soll.
Die Krankenhäuser verzichten auch dankend auf uns….vor allem die mit kirchlichem Träger. Voll unchristlich, ey!
Da bleibt den Damen wohl nur die Rolle der Domina in Lack und Leder…das habt ihr euch ja sicher schon denken können. Die aufreizenden, liebestollen Ladys müssen sich noch nicht einmal umkleiden und bleiben quasi einfach in ihrer fest verwachsenen Haus-Gruft-Kluft stecken.
Und die Herren der Schöpfung…müssen schauen, wo sie Anderen eine Grube schaufeln können.

Unsere Sonne ist der Mond! Der macht wenigstens nicht braun, auch wenn uns der alte Mann da oben ständig den Jo-Jo-Effekt vorführen muss…dünn…dicker….Vollmond….weniger dick….dünn….
Wir achten schließlich penibelst auf unser äußerliches Erscheinungsbild.
Es geht ausschließlich gestriegelt und gebügelt vor die Gruft. Der dazu passende und ebenmäßige, fast transparente Teint wird hierfür stets mit der letzten Ölung gesalbt. Geheimtipp!
So präpariert für die Ewigkeit kann es losgehen, um die letzten Nachtgestalten unter euch nach Hause zu treiben. Die Nacht gehört schließlich uns!

Wenn wir uns nicht gerade nach einem Tripp in die Hölle (Ferien auf dem Ballermann…leider ohne Eimersaufen) sehnen, hören wir gerne für Kritiker unhörbare, kryptisch anmutende, sphärisch wabernde bis ächzend donnernde Musik, die stets rückwärts läuft, um gebannt den versteckten, satanischen Botschaften zu lauschen.
Das geht soweit, dass wir sogar aktuelle Hits beschlagnahmen und eigenhändig die MP-3-Files von links auf rechts drehen. Ihr glaubt nicht, was das für eine Friemelarbeit ist!
Und ihr glaubt auch nicht, was Helene Fischer wirklich zum Besten gibt! Da schreit der Fürst der Finsternis noch persönlich nach Sodom und Gomorra und verkündet das Ende eurer kleinen, zuckersüßen Welt. So sieht’s aus. Aber feiert ruhig darauf ab und grölt gemeinsam im Chor bis die Säulen der Erde wankend zusammenbrechen.

Weil wir gerade bei der Unterhaltung sind: Wir gucken ja nie Fernsehen, höchstens in die Ferne, um im sicheren Abstand dem Untergang eurer Welt (siehe oben) beizuwohnen.
Eine Ausnahme gibt es aber doch, weshalb wir uns dieses Flimmerkastens dann letztlich doch annehmen: Twilight und Co!!!!
Boah, was stehen wir auf diese Vampirendlosschleifen! Da vergisst man ja glattweg seine Manieren und könnte vollkommen euphorisiert abgehen…bis sogar die kleine Zehe zur unterlegten Filmmusik mitwackelt. Unerhört!

 

Ich hoffe, ihr könnt uns nun dank dieser intimen Einblicke ein klein wenig besser verstehen, wechselt nicht gleich die Straßenseite und guckt uns nicht schräg von der Seite an, wenn wir uns im Supermarkt eine Flasche BLUTorangensaft kaufen möchten. Wir sind ganz lieb und wollen nur (mit euch) spielen!

Ergänzung:
Und weil man ja alles verallgemeinern soll und dafür zwingend alle in einen Topf werfen muss, habe ich stellvertretend für alle Kollegen und Kolleginnen der Schwärze in der Wir-Form gesprochen.
Alle Gruftis sind so und wer sich von denen dagegen ausspricht ist voll doof…und außerdem gar nicht true!
WIR SIND ALLE SO! Basta!

 

Hassliebste Grüße!
Ein kleiner, einsamer Grufti.

 

P.S.: Wer sich unter euch Skeptikern wundern sollte, dass dieser Brief noch vor Einbruch der vollkommenen Dunkelheit veröffentlich werden konnte…ich habe für das Erscheinen des für die Menschheit eminent wichtigen Dokumentes extra eine Zeitschaltuhr eingebaut.
Macht es erst mal gut, Leute, mein Wecker klingelt gleich…

 

 

P.P.S.: HOLT MICH HIER RAUS! Der Teddy.

 

 

 

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Im Nebel über den Styx (4.10.2014)

Manche Mitmenschen hängen tatsächlich nicht sehr am Leben. Vermutlich sind das aber wiederum jene Kandidaten, die einen im Prinzip am Ende doch noch überleben würden. weiterlesen


Kann ich dir ne WhatsApp schicken? (31.8.2014)

Diese Frage hat mich ein wenig in die Bredouille gebracht und mich als Hinter-dem-Mond-Bewohner entlarvt, als was mich so mancher nun abstempeln mag.

Nein“, war meine schlichte Antwort und kramte zur Unterstützung meiner Aussage meinen Knochen hervor, wie vor Kurzem einer mein Handy mäßig liebevoll, aber zugegebenermaßen irgendwie auch treffend betitelte. Ich sehe das sportlich.

Der Knochen ist tatsächlich ein paar Jahre alt, entstammt aber schon einer neuzeitlichen Phase ohne Steinplatte, Meißel und Antenne.
Außerdem ist es definitiv handlicher, als so manch neumodisches Ungetüm.
Und ja, es kann sms versenden und ich kann selbstverständlich damit telefonieren.
Nein, die Wäsche kann es noch nicht bügeln und auch der Abwasch bleibt an mir persönlich hängen.

 

 

In Zeiten der rapiden Fluktuation von Elektronikartikeln- egal ob durch den aktuellsten Trend oder vorprogrammierte Defekte bedingt- bin ich da wohl eine der Ausnahmen, die diesem konsumgeilen Diktat noch zu widerstehen versuchen.
Eine beistehende Smartphone-Nutzerin nickte jedenfalls anerkennend und wünschte sich seufzend im selben Atemzug ganz weit weg von dieser selbst auferlegten elektronischen (Fuß)Fessel!

Ist das nicht traurig?

Man möchte etwas nicht und doch holt es einen immer wieder ein. Weil man meint, es zu brauchen, weil man meint, etwas zu verpassen, ….?
Sind es die ganzen Annehmlichkeiten wert, die einem reißerisch geboten werden und die uns doch nur immer fester an diese digitale Welt der Ziffern 0 und 1 ketten?

 

Die Welt wird globaler, in vielen Dingen einfacher; in manchen Dingen aber auch wieder komplizierter und wir isolieren uns selbst.
Wer hat nicht schon mal erlebt oder gesehen, dass Freunde und Familienmitglieder direkt nebeneinander sitzen und sich, die Augen starr auf den kleinen Bildschirm vor sich gerichtet, gegenseitig nichts mehr zu sagen haben…
Ein gemütliches Beisammensein zu viert:
von 1 „Was machst du gerade?“ SENDEN
von 2 „Ich sitze im Café und genieße ein Eis.“ SENDEN
von 1 „Das ist ja lustig. Ich auch. Wie schmeckt dein Eis?“ SENDEN
von 2 „LOL. Ganz gut.“ SENDEN
von 1 „Darf ich mal kosten?“ SENDEN
von 2 „WIE, DU BIST AUCH HIER IM CAFÉ?!“ SENDEN
von 1 „Ach, sorry, die Nachricht war gar nicht für dich.“ SENDEN
von 1 „Darf ich mal kosten?“ SENDEN
von 3 „Von meinem Cappuccino? Gerne. Aber warte mal kurz. 4 ruft gerade an.“ SENDEN

Zugegeben: Das fiktive „Gespräch“ ist überspitzt dargestellt…

 

Könnte man meinen…
Ich glaube, dass das im Prinzip auf die Art und Weise so selten nicht vorkommt.

 

 

Die Technik macht vieles möglich, was man sich vor Jahren noch nicht hätte träumen lassen. Vieles ist nur einen Klick weiter ohne viel Anstrengung erreichbar. Und das ist sicher nur der Anfang.
Ist es denn nicht auf Dauer langweilig, wenn man nicht hin und wieder spürt, etwas geschafft zu haben und dabei doch mal den Finger etwas mehr dafür krümmen musste? Sicher mag dies Ansichtssache sein, aber ein bisschen reales Leben mit all den Hindernissen und Ecken, an denen man sich stoßen kann, ist doch auch nicht verkehrt.
Man stelle sich vor, wie irgendwann in der Zukunft jeder für sich in den Wohnungen und Häusern dahinvegetiert und Computer alles für sich erledigen und nebenbei auch gleich für sich mitdenken lässt, ohne dass er/sie mal an die frische Luft treten müsste. Ist das erstrebenswert? Schon jetzt kennt man oftmals nicht alle Nachbarn, weil jeder anonym sein Muddelchen macht.
Schade ist auch, wenn schon der Nachwuchs alles um sich herum fast nur durch das digitale Auge wahrnimmt, anstatt sich mal durch den Schmutz zu wühlen.
Regelrecht grotesk mutet es an, wenn dabei das Smartphone fast dreimal so groß ist, wie die Hände, die es bedienen.

 

Schnell lässt sich auch schreiben, dass man kurzfristig nicht zum Treffen kommen kann, welches eigentlich schon lange und akribisch geplant worden war. Das geht im analogen Briefverkehr natürlich nicht so hoppla-hopp.
Aber verlieren wir dadurch nicht doch ein wenig an gegenseitiger Verlässlichkeit?
Die kurze „Sorry…“-sms dient als Alibi dafür, dass wir uns auch im letzten Moment noch dazu entscheiden können, gerade keinen Bock zu haben. Der andere wird es schon verstehen.
Bleibt nur die Frage, wie lange dieser das noch mitmacht. Freundschaften verlaufen sich schnell im Sande und wenn man dann mal wirklich verlässliche Menschen braucht, dann steht man plötzlich alleine da.
Es ist ein zweischneidiges Schwert.
Man kann ohne große Umstände Informationen austauschen, aus der Ferne Kontakt aufnehmen und auch persönliche Treffen initiieren, man kann aber auch in Oberflächlichkeit, Sinn-, Belanglosigkeit (man betrachte so manchen sms-, WhatsApp-Inhalt) und Unpersönlichkeit abdriften. Jedes Ding und jede Sache hat ein Für und Wider.
Auch hier macht wohl die Dosis sehr viel aus!

 

Frustrierend ist es auch für die medientechnisch „abgehängte“ ältere Generation, wenn sie für nähere Informationen doch bitte das Internet bemühen sollen, während die Berichterstattung eine Fülle an oberflächlich abgehandelten und Interesse weckenden Themen offeriert.
Gerade wenn das Format Senioren anspricht, müsste bei den Machern doch irgendwo im Hinterkopf herumschwirren, dass nicht jeder dieser Herrschaften einen Zugang zu Computer und weltweitem Netz hat, oder mal schnell zum Kind oder Enkel kommen kann, um diese für die Suche anzuheuern!
Wie bei Schwerhörigkeit fühlen sie sich ausgegrenzt und unbeachtet und ziehen sich als Randerscheinung der Gesellschaft (ob nun im kleinen oder großen Rahmen) immer mehr zurück, oder werden sogar zu verbitterten Griesgramen, weil sie sich berechtigter Weise als für blöd verkaufte Deppen sehen.
Viele trauen sich auch nicht an die „neue“ Technik, oder sehen keinen Sinn darin, sich „auf die letzten Jahre“ noch mit so etwas zu befassen. Aber haben Sie dadurch weniger Anrecht auf umfassende Informationen?
Es ist doch in jedem Zeitalter so gewesen, dass Neuerungen nicht sofort jeden erreichten oder sogar Angst bereiteten…man denke nur an das Teufelswerk Dampfmaschine.
Aber in einer schnelllebigen Gesellschaft wird oftmals darauf kaum mehr Rücksicht genommen.

 

Was heute brandneu, ist morgen schon veraltet.
Und da wird man eben schief angeguckt, wenn man sein museumsreifes Stück Elektronik aus der Tasche holt. Na, und? Dabei ist das schicke Smartphone von letzter Woche mittlerweile auch schon überholt. Also, warum sich Sorgen machen, wenn man jederzeit sowieso hinter den neusten Entwicklungen hinterherhinkt?!
Wozu sich und die Umwelt unnötig belasten, nur um sich nicht die Blöße vor Freunden, Kollegen und Fremden zu geben, weil man gerade mal nicht das Handy wie die Unterhosen wechselt?
Da gibt es doch genug anderes, worum wir uns Sorgen und Gedanken machen können und müssen.

Nebenbei wollen und müssen wir auch immer erreichbar sein, bzw. haben zumindest das Gefühl, dass es so wäre. Auch hier gilt: Man will ja nichts verpassen. Außerdem erscheint man ja voll wichtig, wenn jede Sekunde eine neue Nachricht mit deutlich wahrnehmbarem Signalton eintrudelt.
Aber das ist ein anderes Thema.

 

So bleiben wir Geißel unseres eigenen Anspruches und der (manchmal nur eingebildeten) Erwartungen von außen, immer up-to-date sein zu müssen.

Et voilà: So schleppen wir unsere selbst aufgeladene elektronische Fußfessel mit uns herum und wundern uns, warum dieser Ballast immer größer wird und jeder ganz allein sein Päckchen zu schultern hat.


Da hält sich ja eh keiner dran… (3.8.2014)

Zunächst eine Frage: Wie ignorant kann man eigentlich sein? Oder anders gefragt: Wie sinnbefreit ist es eigentlich, sich bewusst über eine soeben selbst erlangte Erkenntnis nach besten Wissen und (fehlendem) Gewissen hinwegsetzen zu können? weiterlesen


Ein paar Gedanken… (29.7.2014)

Es freut mich, dass sich der erste email-Folgende (neudeutsch: follower) eingefunden hat. Willkommen im Alltag!
Gerne dürfen auch Kommentare zu den einzelnen Beiträgen beigesteuert werden:
Was seht Ihr genauso, zu was positioniert Ihr Euch entschieden anders, … ? weiterlesen


Du, das macht die Mutti jetzt aber traurig! (verfasst am 13.7.2014)

Vor kurzem drang ein kleines, für mich recht amüsantes Wortgefecht, das den Umständen geschuldet genaugenommen eher ein Monolog war, an mein Ohr. Oder sollte ich es vergebliches Flehen, leicht angenervtes Bitten oder letztes, halbherzig unter Druck setzendes Aufbäumen nennen? weiterlesen