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Gelauscht Teil I (08.03.2016)

 

Es gibt doch immer wieder diese herzerfrischenden Momente, die gerade deshalb so herzerfrischend sind, weil sie gänzlich unerwartet vorbeigeschneit kommen.

Ich saß in einem Zug (ja, es war die Rückfahrt), las in einem Schmöker (diesmal kein Fachblatt) und hörte bereits nach 10 Minuten das ungeduldige Kind in mir quängeln: „Wann sind wir endlich daaaahaaaaa?!

Kurze Zeit später schob schon der Schaffner seine Uniform durchs Abteil und stellte die unvermeidliche Frage. Diesmal ließ ich mich nicht von schräg hinten übertölpern…

Als wir unseren gemeinsamen Nenner- das Ticket- abgeklärt hatten, zog die Karawane weiter und strandete bei einem älteren Herren. Vorbildlich zückte auch er seinen Fahrausweis und begann eine unverbindliche Unterhaltung mit dem Schaffner, welche mit folgendem, gut gemeinten Hinweis beendet wurde:

 

Er, also der Bahnmitarbeiter, solle doch- sinngemäß- nicht mehr so dolle ranklotzen, schließlich müsse er auch an seine eigene Rente denken.

(Dabei konnte man das lebhafte Glitzern in den Augen des Herren erahnen, ohne direkt neben ihm sitzen zu müssen. Von Ironie- das möchte ich einschieben- war er mindestens so weit entfernt wie Weihnachten von Ostern. Das wir uns richtig verstehen.)

 

Da ist was dran!, dachte ich mir.

Ich habe schon oft daran gedacht, wie es wäre, wenn man bis 67* ackert und prompt am letzten Arbeitstag noch während der Abschiedsfeier das Zeitliche segnen würde.

Hätte man da noch ausreichend Zeit, sich gehörig ärgern zu können? Ich hoffe nicht, schließlich wäre das so schon harter Tobak, den man sich nicht auch noch über Minuten hinweg auf Spar(lebens)flamme ernsthaft vor Augen führen müssen sollte.

In jedem Fall freut es den Staat oder das berufliche Versorgungswerk. Was gibt es Schöneres als zahlende Kundschaft, die nicht einen einzigen abgestandenen Tropfen Wasser aus der Leitung zu sich genommen hat. Anteilige Hinterbliebenenrente hin oder her.

Für einen selbst wäre es…nunja…gelinde gesagt reichlich blöd.

Auf der anderen Seite wäre es jedoch recht kontraproduktiv für die Gemeinschaft, wenn sich jeder dieser wohlgemeinten Worte annehmen und sagen wir mal ab 55 alle Fünfe gerade sein lassen würde.

Entscheidend ist, dass man seine volle Leistung auch bis zum Schluss erbringt, sich dabei aber nicht bis zum letzten Blutstropfen aussaugen lässt. Die einen können das ganz formidabel umsetzen, die anderen müssen das noch lernen. Jeder steht nicht nur für seinen Arbeitsgeber und die Gemeinschaft, sondern auch und insbesondere für sich selbst in der Verantwortung.

Das wurde mir bei den Worten des älteren Herren wieder einmal bewusst. Mein eigener Renteneintritt steht zwar noch eine ganze lange Weile an, aber es ist nicht verkehrt, bereits im Vorfeld ein paar Gedanken darüber „verschwendet“ zu haben.

 

Eines steht aber fest: Sollten die Hinternplattsitzer in irgendwelchen politischen Entscheidungsgremien noch weiter an der Aufwärts-Stellschraube zum zukünftigen Renteneintritt herumspielen, wird dem Arbeitnehmer irgendwann unweigerlich der Saft ausgehen, ob er will oder nicht. DANN wäre ich dafür, dass Unternehmen bzw. Arbeitgeber sich nicht allein Gedanken über betriebsinterne Kintertagesstätten machen sollten, sondern vielmehr über angeschlossene Seniorenstifte oder geriatrische Versorgungseinrichtungen nachdenken müssten, damit der dienstbeflissentliche Arbeitnehmer auch noch mit seinem letzten Atemzug zur Produktivität beitragen kann.

Wir werden zwar älter, betrachtet man die letzten Jahrzehnte, doch irgendwann ist auch hier eine bestimmte Schmerzgrenze überschritten. Was habe ich noch von meiner Altersruhe, wenn ich mit 90 Jahren gnädigerweise aus dem Arbeitsleben scheiden darf? Für die Weltreise mit dem Ozeandampfer könnte das schon eng werden. Bungee-Jumping wäre auch nicht mehr so ohne Weiteres möglich. Allein den ganzen Tag im Ohrensessel versunken möchte ich nicht auf den letzten Tag hinfiebern müssen.

Ich bin sehr gespannt, was sich da noch tut. Man muss auf jeden Fall bedenken, dass nicht jeder besonders reichlich mit Jungbrunnen-Genen ausgestattet ist und noch mit Einhundert durch die Botanik hüpft wie ein junges Ferlchen.

 

 

Bevor ich noch weiter ausschweife….“sage“ ich schnell: Bis demnächst!

Wohlwollend.

S.

 

 

* vorläufiger Stand (es kann nur besser werden…)

 

 


Was schleichen Sie sich aber auch so an! (03.03.2016)

 

Ich saß im Zug nach Irgendwo. Mal wieder.

 

Gänzlich in meine Fachzeitschrift vertieft, zerpflügte ich die Landschaft, ohne sonderlich Notiz von ihr zu nehmen. Offenbar ebenso hartnäckig strafte ich eine Person mit vollkommener Ignoranz, welche sich den Weg zu mir bereits fast zur Gänze gebahnt hatte und kraft ihres Amtes ein recht drängendes Anliegen an mich zu richten hatte.

Guten Tag! Die Fahrkarte, bitte!

Entgeistert blickte ich nach schräg hinter mir und glotzte wohl für eine Millisekunde recht blöd aus der Wäsche.

Wo kam der denn bitteschön her?! Im Abteil hinter mir saßen doch auch Leute…

Der Überraschungseffekt war somit ganz auf seiner Seite. Das musste ich ihm zugestehen.

Aufgrund dessen dauerte jedoch auch die Suche nach dem Ticket einen Augenblick länger. Am Ende befand sich dann aber doch alles am rechten Fleck und die Samtpfote mit der Trillerpfeife zog zufrieden von dannen.

 

Es ist schon erstaunlich, wie tief man tatsächlich in seiner Lektüre versinken kann. Da fällt die sich direkt nebenan mit viel Getöse öffnende Erdkugel oder das auf dem Zugdach landende, wild piepsende Raumschiff unter Umständen kaum auf. Ganz zu schweigen von einem Schaffner.

 

 

 


Prosit Neujahr! (1.1.2015)

 

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gesundes Neues Jahr!

 

Ich bin sehr gespannt auf das, was das Jahr 2015 so bringen mag. Hoffentlich ein bisschen weniger Mord und Totschlag, Ellenbogen und Missgunst, aber dafür mehr Mitfühlen, Mitdenken und Miteinander.

 

Ein positives Beispiel habe ich heute zum Beispiel im Zug erfahren dürfen: Da bat doch die Schaffnerin-wahrscheinlich zum x-ten Male an diesem Tage- um den Fahrschein und fügte im nächsten Atemzug einen freundlichen Neujahrsgruß hinzu. Da rückt man doch das geforderte Papier gleich doppelt so gerne heraus.