Ernsthaftes

Thema 1

 

Volkskrankheit Depression…oder: Das Leben ist schön.

 

[aus gegebenen Anlass…]

Tagtäglich schlägt sie zu und schleicht wie ein allgegenwärtiger Schatten um uns herum.
Meist agiert sie im Verborgenen und wird dabei gern totgeschwiegen.
Wer will sich schon als Schwächling, der ihr erlegen ist, aufzeigen?

Dabei kann sie den vermeintlich Stärksten unvermittelt treffen, und weiß zu offenbaren, was er bewusst oder unterbewusst niederzuhalten versuchte.
Sie kann beständig nagend ans Ziel kommen, oder dich ad hoc ins Tal des Jammers stoßen. Die Betroffenen tanzen nach ihren Spielregeln und folgen der Leiter ins Bodenlose, bis es nicht mehr weitergeht.
Zumeist sind es gerade jene Personen, die man als fröhliche Spaßvögel zu kennen meint, welche letztendlich als tragische Gestalten enden.

Ein prominentes Beispiel macht gerade die Runde. Möge er- wie auch die anderen, die den Kampf verloren haben- seinen Frieden finden…

Und was trägt eigentlich ein Clown unter seiner Maske?!

Was bleibt, wenn man einmal ganz tief unten angekommen ist?
Die Flucht ins Nichts? Das stillschweigende Ausharren? Der steile Weg zurück ans Tageslicht?

Hilflosigkeit macht sich breit; Resignation; ein Gefühl der Schwäche und Angreifbarkeit; Hoffnungslosigkeit; eine innere Schwere, die zu Boden drückt.

Reden hilft, sagt man. Doch ist das gegenseitige Verstehen wie durch einen Wattebausch im Ohr gedämpft.
Die einen fühlen sich nicht richtig verstanden und mauern sich immer weiter ein, und die anderen sind es irgendwann leid, auf Granit beißen zu müssen. Irgendwann stehen sie schließlich alle allein und ratlos da: Die, die helfen wollen und jene, die Hilfe benötigen.

Treffen kann es jeden, egal ob Melancholiker, Familienmenschen, taffe Vorzimmerdamen, grüblerische Kopfmenschen, Witzbolde, Arbeitstiere, Aufreißer, …

Wie entsteht dieser lastende Druck?
Durch Überlastung, Unterforderung, sich ungebraucht fühlen, mangelnde oder zu hoch gesteckte Ziele, Minderwertigkeitsgefühle, Enttäuschung, zu hohe Erwartungen an sich selbst oder von außen, Ängste, schwere Schicksalsschläge, … ?
So mannigfaltig das Klientel, so vielfältig mögen die Gründe sein. Oftmals kommt auch eins zum anderen.

Da fragt man sich zu Recht, wie man dieser Maschinerie entgehen kann.

Ein Allheilmittel oder potentes prophylaktisches Mittel scheint es nicht zu geben, sonst hätte die Menschheit die Krankheit längst besiegt.

Wie wäre es mit Schönreden? Die Welt soll ein Ponyhof mit Sektempfang sein!
Das Leben nur von der schönsten Seite betrachten zu wollen, ist doch auch nur eine Lüge an sich selbst. Es ist nicht alles so wunderbar, wie wir es uns selbst hin und wieder gern einreden möchten, auch wenn es für den Moment ein klein wenig beruhigen mag. Zu tief ist der Fall aus den rosaroten Wolken, wenn wir eines Besseren belehrt werden….durch die ungeschönte Wahrheit.

Dann doch lieber alles weglachen?
Auch Galgenhumor wird gern als probates Mittel angesehen, um ausweglose Situationen bestmöglich zu überstehen. Und ja: Es hilft auch irgendwie. Man sollte bei übermäßigem Konsum jedoch darauf achten, dass man nicht selbst irgendwann am Ende des Strickes hängt.

Muss ich nicht alles um jeden Preis erreichen?
Es hat keinen Sinn, sich für irgendeine Sache komplett zu zerfleischen. Ist es das denn überhaupt wert? (Selbst-) Reflexion kann hier nicht schaden. Was nützt es, das angestrebte Ziel auf dem Zahnfleisch kriechend zu erreichen, wenn man hinter der Ziellinie nur noch zusammenbricht, anstatt sich über den Erfolg freuen zu können.
Nicht besser ist es, wenn man zwar ständig erfolgreich ist, aber keine Zeit zum Genießen hat.
Auch ich persönlich habe in meinem noch relativ kurzen Leben viel erreichen wollen und auch einiges geschafft, doch im Nachhinein denke ich oft darüber nach, was ich nicht eigentlich alles verpasst habe. Ich gebe zu, hin und wieder das Leben vergessen zu haben.

Umso wichtiger sind kleine Freuden, die den Tag bereichern. Wohldosiert, um ein abstumpfendes Übermaß zu vermeiden und doch genug, um ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Was solch eine Freude ausmacht, ist auch wieder von jedem selbst abhängig und individuell.

Aber die anderen sind doch immer alle besser!
Man sollte nicht nur nach dem Erreichten anderer schielen, das zermürbt nur, sondern sich darauf besinnen, was man selbst im Leben schon erreicht, er- und durchlebt hat.
Ich kenne eine Person, die ihr Licht gern unter den Scheffel zu stellen pflegt, dabei hat sie an Erfahrungswerten und Leistung schon mehr erbracht, als so manch anderer, der auch damit recht zufrieden durchs Leben gehen kann.
Aber es sagt sich leichter, als es letztlich umsetzbar ist. Da geht es den Menschen, wie den Leuten. Das Gras ist anderswo immer grüner als dort, wo man selbst steht, ohne diesen Spruch auf den Neidfaktor zu reduzieren. Es gibt immer welche, die scheinbar mehr erreicht haben, aber sind sie auch zufrieden und glücklich damit? Diese Frage sollte man sich stellen, wenn man selbst mal wieder von Minderwertigkeitskomplexen geplagt wird.
Es kommt auf jeden einzelnen an! In einem Ameisenstaat ist jedes noch so kleine Mitglied wichtig, auch wenn es auf den ersten Blick austauschbar erscheint und zum Teil auch sein mag. Reißt die Kette irgendwo, können nicht in jedem Fall Redundanzen vor dem drohenden Chaos schützen.

Und nun?
Man muss sich so nehmen, wie man ist. Man darf sich über sich ärgern, sich mit sich selbst freuen oder über sich lachen können. Keiner ist perfekt und die, von denen es behauptet wird, unterliegen auch nur einer Retusche. Was gibt es schlimmeres, als hinter einer makellosen Fassade gefangen zu sein. Es macht einsam und bereitet geradezu einen roten Teppich für Depressionen.

Stars und Sternchen müssen nicht glücklich mit ihrem vergoldeten Schicksal sein, nur weil sie von vielen geliebt werden. So mancher Fankult ist doch auch nur oberflächliche Trophäenjagd. 1 Million Freunde in sozialen Netzwerken, aber keine einzigen wahren Freunde im echten, realen Leben.
Anonyme Unverbindlichkeiten regieren vielmals das zwischenmenschliche Miteinander und offenbaren einen schalen Beigeschmack der weltumrundenden Vernetzungen.

Unter Milliarden anderen steht man da, rudert hilflos mit den Armen, auf der Suche nach Halt gebenden Händen und ist doch nur allein.

Nahestehende Menschen sind so wichtig, egal ob aus dem Familien- oder engsten Freundeskreis, auch wenn man hin und wieder aneckt.

Wenn man ganz viel Glück hat, trifft man auf einen der rar gesäten Seelenverwandten, mit denen man sich auch ohne Worte versteht und verstanden wird.
Solch eine Person zu treffen, kann man nicht steuern. Sie taucht einfach auf und kann ebenso schnell wieder verschwinden. Was so eben noch gut getan hat, reißt bei Verlust den Boden unter den Füßen weg.
Haltet sie fest, solang sie noch da ist, aber übergeht dabei nicht deren eigenen Willen, denn dann ist auch wieder keinem geholfen.

Was bleibt zu tun?
Vielleicht folgendes:
Macht was aus eurem Leben, lacht, weint, blickt zufrieden auf Erreichtes zurück, gönnt euch etwas, lebt und lasst leben, nehmt Rücksicht aufeinander, beachtet einander, vertraut euch selbst, belügt euch nicht und andere, zwingt niemandem etwas auf, lasst euch nicht herunterziehen, …

Das Leben ist schön, das Leben ist hässlich. Das Leben ist, was wir alle daraus machen. Weder ist es ein Ponyhof, noch der Vorhof zur Hölle. Es ist alles.

Und es ist das einzige, das wir haben.

 

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Thema 2:

 

Kann ich dir ne WhatsApp schicken?

 

Diese Frage hat mich ein wenig in die Bredouille gebracht und mich als Hinter-dem-Mond-Bewohner entlarvt, als was mich so mancher nun abstempeln mag.

Nein“, war meine schlichte Antwort und kramte zur Unterstützung meiner Aussage meinen Knochen hervor, wie vor Kurzem einer mein Handy mäßig liebevoll, aber zugegebenermaßen irgendwie auch treffend betitelte. Ich sehe das sportlich.

Der Knochen ist tatsächlich ein paar Jahre alt, entstammt aber schon einer neuzeitlichen Phase ohne Steinplatte, Meißel und Antenne.
Außerdem ist es definitiv handlicher, als so manch neumodisches Ungetüm.
Und ja, es kann sms versenden und ich kann selbstverständlich damit telefonieren.
Nein, die Wäsche kann es noch nicht bügeln und auch der Abwasch bleibt an mir persönlich hängen.

 

In Zeiten der rapiden Fluktuation von Elektronikartikeln- egal ob durch den aktuellsten Trend oder vorprogrammierte Defekte bedingt- bin ich da wohl eine der Ausnahmen, die diesem konsumgeilen Diktat noch zu widerstehen versuchen.
Eine beistehende Smartphone-Nutzerin nickte jedenfalls anerkennend und wünschte sich seufzend im selben Atemzug ganz weit weg von dieser selbst auferlegten elektronischen (Fuß)Fessel!

Ist das nicht traurig?

Man möchte etwas nicht und doch holt es einen immer wieder ein. Weil man meint, es zu brauchen, weil man meint, etwas zu verpassen, ….?
Sind es die ganzen Annehmlichkeiten wert, die einem reißerisch geboten werden und die uns doch nur immer fester an diese digitale Welt der Ziffern 0 und 1 ketten?

Die Welt wird globaler, in vielen Dingen einfacher; in manchen Dingen aber auch wieder komplizierter und wir isolieren uns selbst.
Wer hat nicht schon mal erlebt oder gesehen, dass Freunde und Familienmitglieder direkt nebeneinander sitzen und sich, die Augen starr auf den kleinen Bildschirm vor sich gerichtet, gegenseitig nichts mehr zu sagen haben…
Ein gemütliches Beisammensein zu viert:
von 1 „Was machst du gerade?“ SENDEN
von 2 „Ich sitze im Café und genieße ein Eis.“ SENDEN
von 1 „Das ist ja lustig. Ich auch. Wie schmeckt dein Eis?“ SENDEN
von 2 „LOL. Ganz gut.“ SENDEN
von 1 „Darf ich mal kosten?“ SENDEN
von 2 „WIE, DU BIST AUCH HIER IM CAFÉ?!“ SENDEN
von 1 „Nee, sorry, die Nachricht war gar nicht für dich.“ SENDEN
von 1 „Darf ich mal kosten?“ SENDEN
von 3 „Von meinem Cappuccino? Gerne. Aber warte mal kurz. 4 ruft gerade an.“ SENDEN

Zugegeben: Das fiktive „Gespräch“ ist überspitzt dargestellt…

 

Könnte man meinen…
Ich glaube, dass das im Prinzip auf die Art und Weise so selten nicht vorkommt.

 

Die Technik macht vieles möglich, was man sich vor Jahren noch nicht hätte träumen lassen. Vieles ist nur einen Klick weiter ohne viel Anstrengung erreichbar. Und das ist sicher nur der Anfang.
Ist es denn nicht auf Dauer langweilig, wenn man nicht hin und wieder spürt, etwas geschafft zu haben und dabei doch mal den Finger etwas mehr dafür krümmen musste? Sicher mag dies Ansichtssache sein, aber ein bisschen reales Leben mit all den Hindernissen und Ecken, an denen man sich stoßen kann, ist doch auch nicht verkehrt.
Man stelle sich vor, wie irgendwann in der Zukunft jeder für sich in den Wohnungen und Häusern dahinvegetiert und Computer alles für sich erledigen und nebenbei auch gleich für sich mitdenken lässt, ohne dass er/sie mal an die frische Luft treten müsste. Ist das erstrebenswert? Schon jetzt kennt man oftmals nicht alle Nachbarn, weil jeder anonym sein Muddelchen macht.
Schade ist auch, wenn schon der Nachwuchs alles um sich herum fast nur durch das digitale Auge wahrnimmt, anstatt sich mal durch den Schmutz zu wühlen.
Regelrecht grotesk mutet es an, wenn dabei das Smartphone fast dreimal so groß ist, wie die Hände, die es bedienen.

Schnell lässt sich auch schreiben, dass man kurzfristig nicht zum Treffen kommen kann, welches eigentlich schon lange und akribisch geplant worden war. Das geht im analogen Briefverkehr natürlich nicht so hoppla-hopp.
Aber verlieren wir dadurch nicht doch ein wenig an gegenseitiger Verlässlichkeit?
Die kurze „Sorry…“-sms dient als Alibi dafür, dass wir uns auch im letzten Moment noch dazu entscheiden können, gerade keinen Bock zu haben. Der andere wird es schon verstehen.
Bleibt nur die Frage, wie lange dieser das noch mitmacht. Freundschaften verlaufen sich schnell im Sande und wenn man dann mal wirklich verlässliche Menschen braucht, dann steht man plötzlich alleine da.
Es ist ein zweischneidiges Schwert.
Man kann ohne große Umstände Informationen austauschen, aus der Ferne Kontakt aufnehmen und auch persönliche Treffen initiieren, man kann aber auch in Oberflächlichkeit, Sinn-, Belanglosigkeit (man betrachte so manchen sms-, WhatsApp-Inhalt) und Unpersönlichkeit abdriften. Jedes Ding und jede Sache hat ein Für und Wider.
Auch hier macht wohl die Dosis sehr viel aus!

Frustrierend ist es auch für die medientechnisch „abgehängte“ ältere Generation, wenn sie für nähere Informationen doch bitte das Internet bemühen sollen, während die Berichterstattung eine Fülle an oberflächlich abgehandelten und Interesse weckenden Themen offeriert.
Gerade wenn das Format Senioren anspricht, müsste bei den Machern doch irgendwo im Hinterkopf herumschwirren, dass nicht jeder dieser Herrschaften einen Zugang zu Computer und weltweitem Netz hat, oder mal schnell zum Kind oder Enkel kommen kann, um diese für die Suche anzuheuern!
Wie bei Schwerhörigkeit fühlen sie sich ausgegrenzt und unbeachtet und ziehen sich als Randerscheinung der Gesellschaft (ob nun im kleinen oder großen Rahmen) immer mehr zurück, oder werden sogar zu verbitterten Griesgramen, weil sie sich berechtigter Weise als für blöd verkaufte Deppen sehen.
Viele trauen sich auch nicht an die „neue“ Technik, oder sehen keinen Sinn darin, sich „auf die letzten Jahre“ noch mit so etwas zu befassen. Aber haben Sie dadurch weniger Anrecht auf umfassende Informationen?
Es ist doch in jedem Zeitalter so gewesen, dass Neuerungen nicht sofort jeden erreichten oder sogar Angst bereiteten…man denke nur an das Teufelswerk Dampfmaschine.
Aber in einer schnelllebigen Gesellschaft wird oftmals darauf kaum mehr Rücksicht genommen.

Was heute brandneu, ist morgen schon veraltet.
Und da wird man eben schief angeguckt, wenn man sein museumsreifes Stück Elektronik aus der Tasche holt. Na, und? Dabei ist das schicke Smartphone von letzter Woche mittlerweile auch schon überholt. Also, warum sich Sorgen machen, wenn man jederzeit sowieso hinter den neusten Entwicklungen hinterherhinkt?!
Wozu sich und die Umwelt unnötig belasten, nur um sich nicht die Blöße vor Freunden, Kollegen und Fremden zu geben, weil man gerade mal nicht das Handy wie die Unterhosen wechselt?
Da gibt es doch genug anderes, worum wir uns Sorgen und Gedanken machen können und müssen.

Nebenbei wollen und müssen wir auch immer erreichbar sein, bzw. haben zumindest das Gefühl, dass es so wäre. Auch hier gilt: Man will ja nichts verpassen. Außerdem erscheint man ja voll wichtig, wenn jede Sekunde eine neue Nachricht mit deutlich wahrnehmbarem Signalton eintrudelt.
Aber das ist ein anderes Thema.

 

So bleiben wir Geißel unseres eigenen Anspruches und der (manchmal nur eingebildeten) Erwartungen von außen, immer up-to-date sein zu müssen.

 

Et voilà: So schleppen wir unsere selbst aufgeladene elektronische Fußfessel mit uns herum und wundern uns, warum dieser Ballast immer größer wird und jeder ganz allein sein Päckchen zu schultern hat.

 

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Thema 3:

 

In Gottes Namen? (10.9.2014)

 

Als ich das erste Mal von einer gewissen Truppe mit dem Namen „Shariah-Police“ hörte, deren Anhänger als selbsternannte Hüter von Zucht und Ordnung um die Häuser deutscher Städte zogen, um Ungläubige und lästerliches Gesindel auf der Straße zu einem züchtigen und gottgefälligen Leben zu bekehren, wusste ich nicht, ob ich mich in diesem Moment mehr aufregen oder doch vor Lachen ausschütten sollte.
Zu goldig waren die beigelieferten Kameraaufnahmen, die ein paar Gestalten in orangefarbenen Warnwesten zeigten. Dabei sah auch ein Großteil der bedeutungsschwanger dreinblickenden Kerlchen selbst so aus, als käme er gerade aus einer Disko.

 

Okay, zu viel lasterhaftes Leben tut selten gut. Da gehe ich mit, dass das sündige Partyvolk und alle, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, freundlicherweise darauf hingewiesen wurden, dass Saufen und anzügliches Verhalten am Ende ganz schlechtes Karma bringen. Wer will schon als Stein wiedergeboren werden?!
Ach nee, falsche Religion. Egal, am Ende kommt es doch eh auf dasselbe hinaus, oder?

 

Was sollte also dieser Aufmarsch von Salafisten, der in seiner betriebenen Ernsthaftigkeit doch zu einer komischen Lachnummer mutierte?
Wo leben wir denn bitteschön?!

 

Selbst andere Muslime konnten sich dafür nur fremdschämen und darüber das Haupt schütteln, denn genau solche Aktionen treiben doch einen Keil zwischen die Fronten einer multikulturellen Gesellschaft. Wundert es da noch, dass Skepsis gegenüber eingewanderten Kulturen und schlimmer noch Fremdenhass neue und größere Blüten treiben? Schnell kann das in einer geladenen Stimmung der eine Funke sein, der uns das Pulverfass um die Ohren fliegen lässt.

 

Gefährlich ist ebenfalls, dass die Sache so dermaßen lächerlich daherkommt, dass man schnell den Ernst der Lage übersehen könnte. Wer weiß, was sich unbemerkt im Untergrund zusammenbraut. Was sieht man schon, wenn einem die Tränen eines Lachanfalls die Sicht trüben? Was kommt als nächstes?

 

Wir leben hier in einem westlich geprägten Land mit entsprechenden Sitten und Gebräuchen. Wenn man jetzt die große, braune Keule schwingen würde, könnte man meinen, dass sich zugezogene Kulturen dem anzupassen hätten.
Wir Nichtgestrigen fordern lediglich ein gewisses Maß an Integration. Jeder soll nach seiner Fasson leben können, aber…
Nun das große ABER: …niemand anderes soll dabei Beeinträchtigungen oder Belästigungen erfahren müssen!

 

Liebe Shariah-Police, es ehrt euch ja, dass ihr die Menschen auf den rechten Weg geleiten wollt, aber der führt bestimmt nicht durch ein Irrenhaus aus Selbstjustiz und aufgeblasenem Fanatismus.
Wenn mir zum Beispiel ein Veganer das gelegentlich verzehrte Stückchen Fleisch im wahnwitzigen Übereifer madig machen will, dann kann der mich mal…nämlich kreuzweise! Nichts ist hässlicher als der vernichtend abschätzige Blick von abgehobenen Gutmenschen, die in ihrem Eifer alles und jeden bekehren wollen, der es wagen sollte, nicht nach deren gottgleich in Granit gemeißelten Geboten zu leben. Sonderbar finde ich auch, wenn sie ihre Lebensform zwanghaft auf Hund und Katze übertragen wollen. Was bitte ist an dem Begriff Karnivor/Fleischfresser noch unklar? Bitte melden, ich kläre gerne auf!
Ursprünglich haben Katzen einmal Mäuse und Ähnliches erbeutet…keine freilaufenden, linksdrehenden Möhrchen, weshalb bei ihnen mindestens 80% der zugeführten Nahrung tierischer Natur sein sollte. Beim Hund sieht die Sache etwas entspannter aus und doch sollte die normale Mahlzeit nicht nur aus blankem Reis oder reinster Kartoffel bestehen. Ansonsten habe ich überhaupt nichts gegen vegan lebende Menschen, die das für sich aus eigener Überzeugung durchziehen. Bewundernswert ist für mich die Kreativität bei der Suche nach adäquaten Zutatenalternativen, die auch nach etwas schmecken und dem Original nahe kommen.

 

Zurück zu religiös geprägten Angelegenheiten…

 

Wenn also das Volk bis in die Puppen in Diskotheken das Tanzbein schwingen will, dann soll es das tun.

Wenn man im Sommer den alles verhüllenden Wintermantel daheim im Schrank bei den Motten hängen lässt und lieber im legeren Gewand um die Häuser zieht, dann sollte man das tun dürfen.

 

Wir brauchen keine Aufpasser, die mahnend den Finger heben und auf fanatisch ausgelegte Gebote weisen!

Wir brauchen niemanden, der Wasser predigt und nach Feierabend am Ende selbst genüsslich am Weinglas nippt!

 

Wenn ihr Salafisten die westliche Kultur so schlimm böse findet, warum lebt ihr dann hier und lasst euch die abendländische Sonne auf den Pelz scheinen?! Vielleicht, weil man euch anderswo weniger geduldig schlichtweg den Vogel oder kurzerhand die Mündung einer Feuerwaffe zeigen würde, gell?

Fanatismus bedeutete schon seit jeher Krieg und Leid. Meistens traf und trifft es Außenstehende, die zwischen den Fronten zutiefst verfeindeter Gruppierungen standen bzw. stehen. Fragt man die Strippenzieher nach dem Grund der Feindseligkeiten, können sie diesen oftmals gar nicht mehr in Worte fassen, so fern und vom Wahn vermauert wie dieser mittlerweile ist. Egal, einfach draufhauen, weil der da halt zu den anderen gehört.
Apropos „draufhauen“: Selig die Bekloppten. Sie brauchen keinen Hammer!

Und am Ende ist alles doch nur ein dummer PR-Gag, um Aufmerksamkeit zu ergaunern und den ein oder anderen verqueren Geist am Angelhaken baumeln zu haben, der sich in seiner Verblendung für eine radikalisierte Sache ins Schlachtgetümmel stürzt und dann richtig zum Problem werden könnte.

Weil ich es noch in einem Artikel gelesen habe:
Wenn sich noch einer von diesen Radikalen beschwert, dass im Zuge dieser selbst verzapften Nacht- und Nebelaktion durch deutsche Medien in ungebührlichem Maße gegen Muslime gehetzt werden würde…dann Gnade Gott!

Oder, nein, ballert euch doch weiterhin selbst ins Knie und spielt nachher die Unschuldslämmer, die sich wundern, warum nicht nur sie skeptisch beäugt werden. Eure Brüder und Schwestern werden es euch sicher danken!!

 

Wenn es tatsächlich einen Gott (wie auch immer er heißen möge) geben sollte, dann hätte er das sicher nicht gewollt…

 

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Thema 4:

 

Den Personalausweis, bitte!

 

Die Nachricht hatte mich letztens ein wenig in Staunen versetzt: Nach dem Verbot der Organisation „Islamischer Staat“ soll nun auch ein weiterer Streich gegen den internationalen Terrorismus eingeleitet werden. Das geht ja Schlag auf Schlag!

Deutschen Staatsangehörigen soll im Falle einer nachweisbaren Mitgliedschaft in solchen Vereinigungen bzw. einer Aus- und Wiedereinreise zum Zwecke der terroristischen Leibesertüchtigung der Personalausweis entzogen werden.
Ein sinnvoller Schachzug gegen diesen internationalen Kriegszug, der uns alle angeht. Recht so!

Ich frage mich nur: Worauf hat man bisher gewartet? Solche Leute haben doch eigentlich automatisch ihr Recht auf freies Leben in einem Land verwirkt, in welches sie nur als Gefährdung für die öffentliche Gesundheit zurückkommen wollen, nachdem sie sich im Ausland zu Bombengürtelträgern haben ausbilden lassen. Egal ist, ob sie dabei der IS oder irgendeinem anderen „Verein“ angehören, den man als staatsfeindlich ansehen muss.

Natürlich ist solch ein Fehlen des Personalausweises kein Hindernis bzw. gibt es wiederum genug Fälscher, aber zumindest macht es die Einreise auch nicht noch einfacher und setzt zudem ein Zeichen für Überläufer, es sich nicht doch noch einmal anders zu überlegen.

Stellt sich nur die Frage, wie denn der Ausweis abgeknöpft werden könnte.
Wird im zuständigen Bürgeramt nur eine anstehende Verlängerung verweigert, steht da eine ordnungshüterische Brigade an (nichtvorhandenen) Grenzübergängen oder am Flughafenterminal bereit, reist da eine wagemutige Politesse ins Ausbildungscamp nach Syrien und fordert mit bestimmten Ton: „Den Personalausweis, bitte!“, oder löst sich das Kärtchen mit lautem Knall in Luft auf?

Wie auch immer.
Am Ende ist es doch leider nur hilfloses mit den Armen Rudern. Ein Terrorist schert sich wohl genauso wenig um Grenzen und bürokratische Stolpersteine, wie um die Unversehrtheit seiner Mitmenschen. Und an der Supermarktkasse wird er den Perso auch nicht brauchen, schließlich trinkt er normalerweise als zutiefst Gläubiger keinen Alkohol.

Zumindest ist es ein kleines Zeichen, dass die Politik noch nicht ganz weggeschlafen zu sein scheint. Schläfer kommen hierzulande nämlich auch nicht sonderlich gut an…

 

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Thema 5:

 

Von Gutmenschen und bösen Menschen…und warum sie sich am Ende alle gleichen (16.9.2014)

 

 

Wer kennt sie nicht, die Gutmenschen, die wandelnden Ratgeber und pikiert dreinschauenden Übermenschen. Sie meinen, besonders wertvoll und unentbehrlich für die Mitwelt zu sein.
Ohne sie läuft gar nichts…höchstens unweigerlich in Richtung des Abgrundes aus Verderbtheit, Gottlosigkeit, des nimmersatten Fleischfressertums, …
Und irgendwie findet sich doch in jedem von uns so ein belehrend mahnender Zeigefinger.

 

Tierschutz ist wichtig, Ressourcenschonung ist wichtig, der Respekt vor Lebensmitteln ist wichtig, gute Erziehung ist wichtig, für manche ist ein Gott wichtig, …
Lauter wichtige Dinge!

 

Doch jetzt kommt das Problem. Wo eine Überzeugung ist, da ist auch der Hang zu überbordendem Extremismus nicht weit. Der ein oder andere neigt schlichtweg zum Zuviel.

 

Es gibt Menschen, die sich vegetarisch oder gar vegan ernähren wollen, weil sie dies aus tierschützlerischen oder gesundheitlichen Gründen für richtig halten.

 

Es gibt Menschen, die gegen Walfang, Massentierhaltung, Tierversuche und Verwahrlosung von Hunden in Rumänien oder Spanien agieren.

 

Es gibt Menschen, die gegen das Zuviel an weggeworfenen Lebensmitteln und anderen Konsumgütern sind.

 

Es gibt Menschen, die ihre Kinder nur nach der neusten Erziehungserkenntnis XY des unfehlbaren Gurus YZ erziehen wollen.

 

Es gibt Menschen, die an Gott, Allah, Shiva, Jesus, Maria, Brahma, Mohammed, den heiligen Geist, … oder gar nichts glauben.

 

Und es gibt Menschen, die trotzdem ein Stück Fleisch essen wollen.

 

Es gibt Menschen, die nicht wie die Axt im Walde unbedingt jeden Hund aus spanischen Landen „retten“ müssen (und diesen sogar aus bestehenden familiären Gefügen einer Tiergruppe zerren…nur weil er nicht wie weichgespült aussieht und duftet).

 

Es gibt Menschen, bei denen (hin und wieder unnötig) anfallender Müll nicht an oberster Stelle der Prioritätenliste steht, weil sie gerade andere Sorgen haben.

 

Es gibt Menschen, die ihre Kinder aus eigener Intuition und alten Erfahrungswerten heraus erziehen können, ohne jeden neusten Schrei der Erziehungslehre echoen zu müssen und ohne dass die Kinder dadurch schlechtere Menschen werden würden, nur weil sie sich mal im Dreck sielen dürfen und dabei den bösen Schmutzmonstern ausgeliefert werden.

 

Es gibt Menschen, die an etwas anderes glauben (dürfen), als andere.

 

 

Wer nun bitte ist hier ein guter, wer ist ein schlechter Mensch? Soll das allein über den Glauben, den Grad an Tierliebe, die Essgewohnheiten oder das eigens produzierte Müllaufkommen ableitbar sein?

 

Warum in aller Welt ist keine friedvolle Koexistenz ohne böse Seitenblicke möglich? Warum muss jeder jeden zur eigenen Sache bekehren, koste es was es wolle? Sicher kann man diskutieren, die eigene Anschauung bestmöglich vertreten und das Gegenüber zum Nachdenken anregen, aber wer sagt, dass das eigene Weltbild richtig/gut und das andere falsch/schlecht sein muss? Wenn man keine Lust auf Reden hat, dann darf man auch einfach schweigend ignorieren. Das kostet uns nicht viel (außer vielleicht ein bisschen Kontenance)…zumindest auch kein Leben, wenn man den schlimmsten Fall betracht

 

Hier mal eine bildhafte Veranschaulichung:
Ich muss moderne Künste nicht schön finden. Da steht ein Stuhl in einem weiß getünchten Raum, da hängt ein grün lackiertes Gemälde mit dem Titel „Wiese“, da steht einer und pinkelt auf den Schrotthaufen vor sich, …
Das muss ich nicht besonders bemerkenswert finden, oder ihm eine Daseinsberechtigung bescheinigen. Ich muss sie ihm aber auch nicht absprechen. Wer kann das schon? Wer DARF das schon?! Von mir aus können sich die Künstler und jene, die meinen, es zu sein, austoben bis der Pinsel glüht oder auch den letzten klibbrigen Rotz aus den Tiefen ihres kreativen Freigeistes herauspulen. Ich kann so etwas für mich persönlich aburteilen und einfach ignorierender Weise nebenher existieren lassen. Ich muss so manche überkandidelte Sinnlosigkeit nicht gleich auf dem nächstgelegenen Scheiterhaufen verbrennen. Das ist alles eine Sache des Geschmacks. Und manches ist es auch gar nicht wert (Materialwert + ideologischer Wert), dass man sich besonders daran stören sollte. Da schau ich mir eben lieber die alten Meister an. Punkt.

 

Warum können sich die Gläubigen und Ungläubigen (egal, ob man es aus religiöser oder anderer Warte heraus betrachtet), vermeintlich gute und vermeintlich schlechte Menschen nicht einfach mal ignorieren. Man muss sich nicht mögen, aber eben auch nicht gleich die Köpfe einschlagen, nur weil der eigene Gott (in jedweder Hinsicht) einen anderen Namen inne hat. Am Ende glauben nämlich sowieso alle an ein und dieselbe unerklärliche und vielgesichtige Erscheinung…an Gott, Allah, Brahma, …, den Ponyhof, das Leben, die eigene Überzeugung, den Zufall, das Nichts.
Die Menschen wollen es nur nicht wahrhaben und streiten sich weiter über das Richtig und Falsch einer jeden Sache, bis schlimmstenfalls wieder Blut fließt, welches meistens von jenen stammt, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind.

 

Es gibt folgende These:
Ohne Religionen gäbe es keine Kriege.

 

Im Kern wird das wohl nicht ganz unwahr sein. Aber wenn es nicht der Glauben ist, dann findet die Menschheit andere Dinge, über die sie sich streiten kann.

 

Deshalb folgendes:
Wo zwei Individuen aufeinander treffen, da gibt es reichlich Konfliktpotential.

 

Das Phänomen Streit/Krieg würde erst ausgelöscht werden können, wenn auch die Welt unterginge.

 

Bis dahin sollten wir zur Vermeidungsstrategie der toleranten Koexistenz greifen.
LEBEN UND LEBEN LASSEN!

 

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5 responses to “Ernsthaftes

  • Meine zweitbeste Freundin – die Depression | Stolperblog

    […] ich gerade in einem anderen Blog darüber gestolpert bin und mich hier (Thema 1 dort) sehr deutlich wieder finde, muss ich dazu gerade ein […]

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  • Playful Strawberry

    Ich wollte nur ein Danke für den Thema 1 da lassen und habe es dreister Weise mal bei mir verlinkt. Sollte das unerwünscht sein, lass es mich wissen, dann entferne ich den Link wieder.

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    • senftopfherausgeber

      Hallöchen Strawberry,

      in deinem Falle ist das kein Problem, weil dein Stolper-Blog weder rechts-, noch linksradikal, menschenfeindlich gesinnt oder sonst wo gröblichst unter der Gürtellinie angesiedelt ist.
      Außerdem…wer freundlich um Erlaubnis bittet… (-:

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      • Strawberry

        Hey Senftopfherausgeber,

        also .. das ich Menschen mag, hab ich ja nie behauptet ;P
        Aber ich weis was du meinst und auch wenn man sicherlich solche Themen irgendwann bei mir finden wird (ich komme einfach mit zu vielen Leuten in Kontakt und ziehe vor allem seltsames regelrecht an), dann nicht in eine verherrlichende oder radikale Richtung. Bei mir wird nur eins wirklich verherrlicht .. glaub ich .. und das sind Motorräder 😉 Was die Gürtellinie betrifft .. oooohhhh, unter die kann ich auch verdammt gut treffen .. auf verschiedene Arten .. eins meiner vielen Talente. 😀

        In diesem Sinne, ein schönes Wochenende wünsch ich dir

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      • senftopfherausgeber

        Ich mag auch nicht jeden. (-:

        Aber du gehst schon in die richtige Richtung mit deiner Vermutung: Ja, rassistische und radikal menschenverachtende Ansichten werden bei mir nicht geteilt. Jemanden zu hassen oder sozial herabzuwürdigen ist noch ein himmelweiter Unterschied dazu, jemanden nicht zu mögen.

        Was jeder in seinem stillen Kämmerlein denkt, sei nicht meine Angelegenheit, solange niemand behelligt wird.

        Tja, und was andere in ihrem Kämmerlein nicht nur denken, sondern auch praktizieren, das soll eines jeden Gutdünken obliegen…hauptsache, am Ende ist noch alles dran, was dran sein sollte. (-;

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