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Missverständnisse (11.1.2015)

 

Ach, wie habe ich das Straßenbahnfahren vermisst. Da erlebt man ja immer so schöne Geschichtchen und abstruse Unterhaltungen…ob man nun will, oder nicht.

 

Gestern durfte ich einer Unterhaltung lauschen (ich hatte keine Wahl), welche zwischen zwei Studenten geführt wurde…genau genommen war das junge Mädel eine EX-Studentin, schließlich bekam sie kurz vor Vollendung ihrer Masterarbeit Muffensausen und hat damit mal eben ein paar Jahre in den Wind geschossen.

Studieren ist aber auch schlimmfies anstrengend und am Ende wollen die Profs auch noch Prüfungen abnehmen oder einen Aufsatz von 10 Seiten (diese lächerliche Zahl erwähnten die beiden während des Gespräches!) haben.

Ja, je nach Studienfach braucht man eine gewisse Leidensfähigkeit (das kenne ich von meinem Studium mehr als genug…und da ging es richtig zur Sache), eine Portion Sitzfleisch und einen Betäubungsbolzenschussapparat  in Reichweite für den inneren Schweinehund.

Aber was wollen die Damen und Herren dann später mal im Arbeitsleben sagen, wenn sich die Arbeit türmt und daheim das Kind/der Ehepartner schreit? Tschüss, ich geh jetzt mal work-life-balance machen bis dieser Haufen auf meinem Schreibtisch weg ist…oder ihr seht mich hier nie wieder!?

Außerdem: Niemand zwingt einen, zu studieren. Bei vielen Fächern müsste auch klar sein- so man sich mal ein wenig darüber informiert hat- was danach auf einen zukommt…oftmals auch Papierkrieg. Wer nicht für die Forschung gemacht ist (so die Aussage der EX-Studentin über sich selbst), muss sich ja nicht gerade in einem Fachgebiet mit Schwerpunkt Forschung einschreiben…und selbst wenn einem die eigene Einschätzung bezüglich der Fähigkeiten und tatsächlichen Interessen am Anfang noch fehlen sollte (normal), hätte sie spätenstens nach der Bachelor-Runde zumindest einen kleinen Schimmer davon haben müssen.

Und stattdessen nimmt Madame „Ich-hab-mich-jetzt-nicht-mehr-damit-identifizieren-können“ anderen, die es ernst meinen und sich auch dahinterklemmen würden, einen Studienplatz weg…denn vor allem Master-Plätze gibt es je nach Richtung nicht wie Sand am Meer.

Zum Glück spürte ich nicht allein Unverständnis dafür in mir aufkeimen, denn auch der Gesprächspartner der EX-Studentin war (negativ) überrascht gewesen.

 

Lustig fand ich dann noch, dass sie ihn fragte, was er nach seinem Abschluss denn nun mache und er daraufhin antwortete, dass er sich für eine Elternzeitvertretung (sprich befristete Arbeitsstelle) beworben hat. Ihre Reaktion darauf fand ich höchst putzig:

EX: Wie jetzt, Elternvertretung? Ich dachte, du hast Biologie studiert?!

Ich erkannte sofort, wie der Hase läuft und musste mir ein Schmunzeln verkneifen. Ihr Kumpel jedoch stand nun selbst auf einer Leitung.

ER: Ja, hab ich auch. Ich verstehe dich jetzt, glaube ich, nicht ganz. Ich würde dann als Vertretung arbeiten. Eben Elternzeitvertretung.

EX: *der Groschen fiel* Ach sooooo, ich dachte du machst da was mit Kindern.

Quasi hat sie nicht ganz Unrecht…wenn jemand in Elternzeit geht, hat er was gemacht…nämlich Kinder. Von diesem expliziten Vorgang sollte eine Arbeitsvertretung jedoch ausgeschlossen sein.

Mit dem Allgemeinwissen war das hier also so eine Sache, dabei würde sie wahrscheinlich über kurz oder lang selbst über dieses ominöse Phänomen stolpern, sollte sie sich in akademischen Gefielden weiterhin fortbewegen (auch außerhalb der Forschung), denn dort trifft man es häufig an. Vielleicht hätte sie sich dann gefragt, warum sie im Labor XY* plötzlich Kinder hüten sollte. Wer weiß? Nun wurde sie ja darüber aufgeklärt.

 

 

 

*(fiktives Beispiel…sie wollte zumindest gern in ein Labor…aber -ganz wichtig- ohne Führungsaufgaben)

 

 

 

 

 

 

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