Schlagwort-Archive: Gemüse

Ready/to/go-Gesellschaft (04.10.2016)

 

Nur kurz auf einen Sprung, werte Leserinnen und Leser!

 

„Einen Kaffee, bitte!“

„Zum hier Trinken oder to go?“

„Das tönt ja interessant! Was ist denn dieses „zum hier Trinken“ ? Haaaaach, wie aufregend!“

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Vorm Gemüsestand: Man wiegt eine Möhre unschlüssig hin und her….

?!

…und greift ins Kühlregal zum ready-to-cook-Gemüsegehackstückeltem, weil an diesem außerirdisch anmutenden, orangefarbenen Dingens keine Bedienungsanleitung zu finden ist.

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In der Frischobstabteilung vor den Weintrauben: Man sucht verzweifelt nach dem in der Traube versteckten Pieker und dem Quarkspeisen-Dippschälchen. Irgendwo muss das doch sein…!!!

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Seit Jahren werden keine Stühle mehr produziert.

Pflanzen werden nun grundsätzlich nur noch in Rollkübeln verkauft.

Tomatenmesser, Bällchenausstecher, Gemüsesparschäler und Julienne-Schnitzer hält man für archaisches Werkzeug aus grauer Vorzeit, als man noch mit Keulen um sich schlug.

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Ein Nachbar grüßt freundlich im Vorbeigehen.

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Wir sind READY /-TO-/ GO geworden!

 

🙂

Es war mir eine Ehre.

S.

 

 

 

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Darf‘ s noch ein bisschen mehr sein? (03.10.2016)

 

Meer? Woher wussten Sie…? Wie aufmerksam von Ihnen! Ein Urlaub an der See stünde mir momentan ganz gut zu Gesicht, meinen Sie nicht auch?

 

Ich schweife schon wieder ab….

 

…und schaffe es einfach nicht, weniger zu kochen. Offenbar lässt mich mein Gedächtnis im Eifer des Gefechtes immer wieder erfolgreich vergessen, dass ich im Normalfall nur, ich ergänze ausschließlich nur für mich allein koche und kein im Hintergrund wartendes, ausgehungertes Bataillon versorgt werden möchte.

Was tut man also folgerichtig?

Man nehme, einem renitenten Wiederholungstäter gleich, den größten Topf, den der Haushalt aufzubieten hat und geselle diesen zu einem weiteren, nicht minder großen Topf, befülle den einen mit zerstückelten, frischen Tomaten, einem ganzen, zerkleinerten Brokkoli, ein paar Tiefkühlerbsen, reichlich Tomatenmark, einem Schluck Brühe, Knoblauch, Pfeffer, Salz, etwas Zucker und ein paar Kräutern. In den anderen versenke man, was der übrige Gemüsestand aufzubieten hat: Zucchini, Porree, dreierlei Paprika, Möhren, wiederum Knoblauch und diverses Gewürz (Oregano, italienische Kräuter, Café de Paris, Paprikapulver, getrocknetes Sellerielaub, Estragon, Rosmarin…), sowie erneut etwas Brühe.

Dann bestaune man kurz die vielen bunten Farben im randvoll gefüllten Topf Nummer 2 und schließe für eine Weile den Deckel, bis alles gar gekocht ist.

Derweil grübele man, wer das ganze denn bitteschön alles essen soll und erstelle der Verzweiflung nahe einen Wochenarbeitsplan zur (Ver)Tilgung dieser Unmenge.

Im Anschluss mixe man den Inhalt von Topf 1…ihr erinnert euch….den mit Tomaten und Brokkoli…..und stelle erleichtert, wenn auch aus Erfahrung nicht sonderlich überrascht, fest, dass durch den Püriervorgang einiges an Volumen verschwunden ist. (Und nein, er zierte nicht meine Wände!)

Nach erfolgreicher Zerstörung jeglicher Form, die noch im Ansatz auf eine enthaltene Erbse, ein Brokkoliröschen oder eine Tomate hätte schließen lassen können, verlege man seine Aufmerksamkeit auf das den Garpunkt justament erreichende übrige Gemüse und lösche auch hier, bis auf einen Anstandsrest an zusammenhängender Substanz, die einen erinnern lässt, dass auch der moderne Mensch noch Zähne besitzt, sämtliche Struktur auf. Hernach gieße man an das Gemenge einen großzügigen Schluck Olivenöl.

Und fertig ist das dicke Süppchen, das ich nun gewillt bin auszulöffeln. Bis zum Schluss.

Das wird ein gutes Stück Arbeit.

Selbst schuld.

Mir schmeckt‘ s vorzüglich. Heute, morgen, übermorgen, …. Dank eines heiß abgefüllten 1,0-1,5l Einmachglases bestimmt auch noch überübermorgen.

Und wenn‘ s mir nicht zu den Ohren herausquillt, so löffele ich noch …. (Weckt mich bitte, wenn die hundert Jahre herum sind, ja?)

 

🙂

 

 

 

 

 

 

 


Peppi und Karl (25.01.2016)

 

Veganer Besuch steht ins Haus. Genau genommen, ist er schon da. Also sie. Die „Käthe Veganete“.

Wie nur lasse ich jetzt vollkommen unauffällig meinen großkalibrigen Bierschinken verschwinden? Hinters Sofa damit? Ins leergefutterte Vogelhäuschen (Ja, was es nicht alles für die süßen Kerlchen gibt…)? Schnell aufessen und mit dicken Backen ein herzhaftes….äh….herzliches „Fffülllkommmn!“ ausrufen? Sollte ich zur Ablenkung mit den Orangen jonglieren, die seit einiger Zeit auf ihren erpresserischen Saftraub warten?

Oh, je.

Ich schlage vor, wir verhalten uns am besten ganz erwachsen. Deshalb auch an dich ein herzliches Willkommen, Katharina!

 

 

P.S.: Silberfischchen musst du hier nicht umtanzen und sie damit vor ihrem völlig unvegan anmutenden Tod bewahren. Versprochen.

 


Knick im Hirn (26.11.2015)

 

Das Fernsehen erfolgt bekannterweise immer auf eigene Gefahr.

Es gibt durchaus sehenswerte Sendungen, Sendungen zum Hirnausknippsen und es gibt Teleshopping. Ich denke, ihr ahnt worauf ich hinaus will.

Beim Durch-Zappen stößt man da ja gelegentlich auf Dinge, die man in der Form nie gezielt ansteuern würde. Von mehr oder eher minder talentierten Verkaufsquasselstrippen geleiteter Fernsehterror zählt eher nicht zu meinem Beuteschema. Trotzdem blieb ich beim Durchschalten kurz bei einem Allesmixer hängen.

Fragt mich nicht, warum. War es lähmender Sekundenschlaf? Klemmte die Vorwärts-Taste an der Fernbedienung? Vielleicht wollte ich mich auch nur an diesem Ausbund an telemedialem Aufmerksamkeitgeheische laben.

Was ich in diesen 2 Minuten selbstauferlegter akustischer Marter zu hören bekam, ließ mich gewaltig an meinem logischen Verständnis zweifeln. Oder habe ich da etwas verpasst? Nicht richtig zugehört? Dreimal bekam ich jedenfalls folgende Aussage in die Trommelfelle gepaukt (so ziemlich eins zu eins im Wortlaut):

Ihr Gemüse wird pulverisiert und damit perfekt verflüssigt.“ (So in etwa.)

Mein Verständnis von Pharmakologie brüllte an dieser Stelle ein vehementes „Moment!“ dazwischen.

Pulver sind hernach Gemische fester, trockener Partikel, die allerhöchstens von der allgemein vorherrschenden Luftfeuchtigkeit (hygroskopisch aktive Teilchen) oder durch die direkte Zugabe von Wasser in ihrem Feuchtigkeitsgehalt beeinflusst werden können, aber keinesfalls selbst den sprudelnden Quell anfallender Flüssigkeitsaufkommen darstellen.

Wie also kann mein frisches Gemüse allein beim Mixen mit diesem Gerät einen solchen wundersamen Wechsel der Zustände „flüssig“ (im Sinne von saftig) zu „trocken“ (angebliche Pulverisierung) zu „flüssig“ (perfekte Verflüssigung als Resultat) vollziehen? Eine integrierte Trocknungsanlage ist meines Erachtens nicht mit an Bord dieses Standmixers.

Dieses hochtechnisierte Gelaber ist wirklich lustig. Und alles nur, um den x-ten Standmixer unters Volk zu bringen. Da werden schon mal Quantensprünge zelebriert. Wenn alles immer so leicht wäre, wie es dahergesagt wird. Schade finde ich nur, dass man damit auf Dummfang geht und den Leuten etwas vom Pferd erzählt, obwohl das Gerät nichts anderes tut, als viele seiner 08/15-Kollegen, die bereits in den Küchenschränken der Republik ihrer Verwendung harren. Als ob es keiner mitbekommen würde. Ich schon!

 

 

 

 

 


Hier spricht dein Kühlschrank! (8.10.2014)

Na gut, nicht das Drumherum spricht im herkömmlichen Otto-Normal-Haushalt, sondern das was drin ist.

Hmmm, klingt jetzt aber auch irgendwie mehr zwei- als eindeutig.

Klar, irgendwann „spricht“ alles wieder zu einem…oder läuft zumindest selbstständig davon…zumeist gewandet in selbstsame Farbvariationen, die aus dem Chemiebaukasten für natürliche Farbstoffe stammen könnten, mit Frisuren aus den 80ern und einem vollkommen unwiderstehlichen Duft. Man muss nur lang genug warten.

Darum sollte es jedoch in diesem Artikel eigentlich nicht gehen.

Wenn der Kuchen spricht, schweigt der Krümel. Den Spruch kennt jeder, der eifrig (Münsteraner) Tatort schaut.

Was ist also, wenn Lebensmittel ein plötzliches Mitteilungsbedürfnis verspüren?

Dann kommt es schon einmal vor, dass mir die Gurke kurz vor ihrem scheibchenweisen Ende verrät, dass sie aus Sachsen kommt.
Toll!
Ich auch!

Dazu folgt noch die Anmerkung: Qualität aus der Region.
Genial!
Darf ich mich jetzt auch qualitativ hochwertig fühlen? Ich wurde ja schließlich ooch in Saggsn produziert…

Vor kurzem präsentierte mir schon stolz ein Apfel mit Hilfe eines Aufklebers auf seinen knackigen Rundungen, dass er auch von nebenan her komme.

Da beißt man doch gleich doppelt so gerne hinein!
Moooment…*zwischen den Zähnen puhl*… da war ja noch was. Schmeckt eindeutig nicht so gut, was da auf der Außenhaut angebracht worden ist.

Mich würde nun interessieren, woher denn überhaupt der kleine, klebrige Beipackinfopunkt stammt.
Made in JanzWeitWeg? Tausende Kilometer um die Welt gereist, nur um dann meinem regional gewachsenen Obst oder Gemüse anzuhaften?
Diese Frage müsste man eigentlich mal klären. Kann jemand helfen?
Wenn dem so wäre, dann ess‘ ich doch lieber die regionale Made ohne Aufmerksamkeit heischendes Hinweiszettelchen fürs gute Gewissen.
Wenn ich wissen will, wo mein Gemüse das Licht der Welt erblickt hat, dann reicht mir auch ein Hinweis mit Kreide auf Täfelchen…ist bestimmt auch besser wiederverwertbar als so ein Leim-Plastikfolien-Gemisch. Nur so eine Vermutung.

Dasselbe gilt im Übrigen auch für Bio-Produkte.
Dieses Foliengedöns reißt doch mit seinem schlecht biologisch abbaubaren Hintern sprichwörtlich alles wieder ein, was uns dessen Aufschrift suggeriert. Oder nicht?
Liebe Produzenten:
Keine Angst, spätestens am Preis würde ich sowieso erkennen, dass es ein nicht herkömmlich aufgezogenes Produkt ist, das konkurrenzfähig in der Preisspirale kreist.
Da brauche ich keinen extra Aufkleber als Hilfestellung.

Fazit:
Nett gemeint…aber nett ist ja bekanntlich die kleine Schwester von…suboptimal. Kraftausdrücke nehme ich ungern in den Mund…schmecken nämlich noch weniger gut als die kleinen Aufkleber….weiß ich vom Hörensagen.